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Gelder von der „sichersten Bank der Welt“

Marshall-Gesellschaft befasste sich bei KfW Bankengruppe mit US-Wiederaufbauhilfe

Wie Mittel aus dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute nachwirken, damit hat sich ein Abend bei der George-Marshall-Gesellschaft in Frankfurt befasst.

Wie Erster Kreisbeigeordneter Wolfgang Kollmeier (Main-Taunus-Kreis) als Vorsitzender der Gesellschaft mitteilte, ging es am Sitz der KfW Bankengruppe um die Verwendung der Gelder aus dem Marshall-Plan durch die Förderbank. Es sprach Dr. Dr. Anton Bösl, Prokurist im Generalsekretariat Bundesangelegenheiten des Geldinstituts. Die Veranstaltung fand im Rahmen einer Jubiläumsreihe der George-Marshall-Gesellschaft statt: Vor 70 Jahren wurde das amerikanische Aufbauprogramm gestartet. Gefördert wird die Reihe vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

ie Kreditanstalt für Wiederaufbau war nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden, um die Gelder aus der amerikanischen Aufbauhilfe zu verwalten. Sie gewährte vor allem kleinen und mittleren Unternehmen Unterstützung, um die Wirtschaft zu stärken. Heute werden die Gelder im Auftrag des Bundes durch die bundes- und ländereigene KfW Bankengruppe eingesetzt – wie Bösl mit Hinweise auf internationale Bewertungen sagte, „die sicherste Bank der Welt“.

Wie Bösl erläuterte, wurde die Kreditanstalt für Wiederaufbau als Vorläufer der heutigen Bankengruppe noch vor der Bundesrepublik gegründet. Von den USA gespendete Waren wurden in Deutschland verkauft, der Erlös floss dann in einen Topf, aus dem wiederum Investitionen finanziert wurden – vornehmlich in der Stromversorgung, der Industrie, dem Wohnungsbau und der Landwirtschaft. Es war ein so genannter revolvierender Fonds – die Kredite wurden von den vornehmlich mittelständischen Empfängern zurückgezahlt und konnten erneut investiert werden. So können aus dem Fonds bis heute Gelder fließen. Wie Bösl mitteilt, werden es 2019 voraussichtlich insgesamt 7,8 Milliarden Euro sein.

Noch größer als die finanzielle Wirkung dieser Gelder sei aber die psychologische und gesamtgesellschaftliche Wirkung des Marshall-Plans gewesen, so Bösl. Die Mittel hätten dazu beigetragen, im zerstörten Westdeutschland wieder eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen, so habe das Land Vertrauen nicht nur unter seinen Bürgern, sondern auch in der Welt gewonnen. Der Marshall-Plan sei eine Grundlage für die transatlantischen Beziehungen gewesen, sie gingen „weit über wirtschaftliche Beziehungen hinaus“.

Kollmeier wies daraufhin, dies solle gerade bei der derzeitigen Vertrauenskrise durch die Politik der Trump-Regierung nicht vergessen werden: „Die deutsch-amerikanische Freundschaft und Partnerschaft wurzelt tiefer.“

Nach Ansicht des Geschäftsführers des Kulturfonds, Dr. Helmut Müller, zeigt der Marshall-Plan, dass man, wenn ein Krieg mit Waffen beendet ist, „auch wissen muss, wie es im Frieden weitergeht.“

Die nächste und letzte Veranstaltung der Reihe zum 70. Jahrestag des Marshall-Plans beginnt am Donnerstag, 6. September, um 18.30 Uhr in Bad Homburg. Professor Dr. Werner Plumpe (Goethe-Universität Frankfurt) spricht im Forschungskolleg Humanwissenschaften (Am Wingertsberg 4) über den Marshall-Plan und seine historische Bedeutung. Der Abend wir die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947 (WIPOG) organisiert. Der Eintritt ist frei.

Die George-Marshall-Gesellschaft wurde auf Initiative des Main-Taunus-Kreises und seines damaligen Landrats Berthold Gall gegründet. Der Kreis hat mit Loudoun County bei Washington eine Partnerschaft geschlossen; dort verbrachte der Architekt des Wiederaufbauprogramms seine letzten Lebensjahre. Näheres gibt es auf der Internetseite www.george-marshall-gesellschaft.org. Dort kann auch das Jubiläumsprogramm heruntergeladen werden.