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Letzte Aktualisierung: 30.09.2022

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Geld sparen beim Zahnarzt

von Bernd Bauschmann

(15.09.2022) Operationen an den Zähnen sind teuer und Zahnimplantate können bis zu 3.000 Euro kosten. In Krisenzeiten, in denen das Geld nicht so locker sitzt, ist dies eine schwere Hypothek.

Symbolfoto
Foto: Unsplash / Caroline LM
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Doch Patienten sind der Situation nicht schutzlos ausgeliefert. Mehrere Methoden stehen ihnen zur Verfügung, um beim Zahnarzt Geld zu sparen. Manche dieser Möglichkeiten betreffen das eigene Handeln in der Zahnarztpraxis, andere beziehen sich auf die Zeit vor und nach dem Zahnarzttermin.

Das richtige Zähneputzen
Zähneputzen ist die beste Prophylaxe gegen Kariesbefall und andere Zahnerkrankungen. Ideal ist die Zahnhygiene nach jedem Essen, mindestens aber am Morgen und Abend. Zahnpasta unterstützt den Säuberungsprozess, allerdings hat nur der Inhaltsstoff Fluorid, Salze der Fluorwasserstoffsäure, eine wissenschaftlich anerkannte Wirkung gegen Bakterienbefall. Mit ihrem Ionengitter legt sich beim Zähneputzen das Fluorid wie eine Schutzschicht über die Zähne und die Salze stärken den Zahnschmelz.

Sinnvoll ist außerdem der Einsatz von Zahnseide, denn diese hilft dabei, Essensreste an für die Zahnbürste schwer zugänglichen Stellen zwischen den Zähnen zu entfernen. Hier sind die Lücken oft so schmal, dass die Borsten der Bürste kaum durchkommen. Eine Mundspülung dient schließlich der Lockerung von Plaque und entfernt die letzten Schmutzpartikel.

Vorsorge und Bonusheft
Wer einmal jährlich die Zahnarztpraxis zur Routineuntersuchung aufsucht, trägt ebenfalls zu seiner Zahngesundheit bei. Kleine Probleme können frühzeitig entdeckt und korrigiert werden, bevor sie sich zu schwereren Zahnerkrankungen entwickeln, die einen kostspieligen Eingriff erforderlich machen.

Hinzu kommt, dass die gesetzliche Krankenkasse dieses umsichtige Verhalten mit einer geringeren Eigenbeteiligung im Operationsfall fördert. Die Höhe der Zuzahlungen richtet sich nach der Dauer der Routineuntersuchungen, die sich Patienten in ihrem Bonusheft in der Zahnarztpraxis abstempeln lassen können:

  • 1 – 5 Jahre: 60 %
  • 6 – 10 Jahre: 70 %
  • ab 10 Jahre: 75 %

Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind zweimal im Jahr angehalten, an Routineuntersuchungen teilzunehmen.

Nutzung der Regelversorgung
Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine Regelversorgung beim Zahnarzt, die nach § 56, Absatz 2, SGB V ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich auszufallen hat. So haben gesetzlich Versicherte zum Beispiel einen Anspruch auf eine Metallkrone, nicht aber auf eine Gold- oder Keramikkrone. Außerdem sind Zahnärzte gesetzlich dazu verpflichtet, den Patienten allumfassend über seine Zahngesundheit und Behandlungsoptionen aufzuklären, da dies ebenfalls zur Regelversorgung gehört.

Leistungen, die Kassenpatienten ohne Zuzahlung beanspruchen dürfen, sind unter anderem:

  • Früherkennungsuntersuchung (PSI) alle zwei Jahre
  • Zahnfüllungen für den sichtbaren Bereich
  • Parodontose-Behandlung ab einer Tiefe von 3,5 mm
  • Eingriffe an der Zahnwurzel in vielen Fällen
  • Behandlung von Zahnfehlstellungen (Kieferorthopädie)
  • Schnarchschiene bei obstruktiver Schlafapnoe

Abschluss einer Zahnzusatzversicherung
Private Zahnzusatzversicherungen sind teuer, bieten aber eine Vielzahl von Modulen, was Patienten dazu verhilft, eine Privatversicherung abzuschließen, die zum eigenen Profil passt und sich an den persönlichen Bedürfnissen orientiert. Generell lassen sich durch Zahnzusatzversicherungen Zuschüsse für Zahnoperationen und Zahnimplantate bis zu 95 % und im Einzelfall bis zu 100 % erzielen.

Andere Methoden zur Zahngesundheit und Zahnästhetik wie das Bleichen der Zähne, professionelle Zahnreinigungen und die Behandlung von Angstpatienten, welche die gesetzlichen Krankenkassen nicht bieten, werden je nach Angebot von der Zusatzversicherung übernommen.

Der ideale Zeitraum für den Abschluss einer Zahnzusatzversicherung ist gegeben, wenn sich kostspielige Zahnbehandlungen abzeichnen, aber noch nicht akut sind, weil in diesem Fall der zusätzliche Versicherungsschutz nicht greift.

Soziale Härtefallregelung
Bedürftige Menschen haben Anspruch auf vollständige Kostenübernahme bei notwendigen Zahnoperationen. Die soziale Härtefallregelung greift für Bezieher von Hartz IV, BAföG, der Altersgrundsicherung und Kriegsopferfürsorge. Heimbesucher, bei denen der Sozialhilfeträger oder die Kriegsopferfürsorge die Unterbringungskosten übernimmt, haben ebenfalls Anspruch auf die soziale Härtefallregelung. Dies gilt auch für Geringverdiener mit einem monatlichen Einkommen bis zu 1.274 EUR.

In Fällen, in denen diese Untergrenze nur knapp überschritten wird, können sich Patienten unter bestimmten Voraussetzungen zumindest Anteile der Behandlungskosten erstatten lassen.

Zahnbehandlung im Ausland
Speziell in Osteuropa und den Balkanländern können Patienten mit günstigeren Preisen für die Eingriffe als in Deutschland rechnen. Hauptzielland für den deutschen Zahntourismus ist Ungarn. Der Preisvorteil für Implantate, Brücken und Kronen kann sich auf bis zu 70 % erstrecken. Aufgrund des hohen Aufwands bietet sich die Einbettung der Prozedur in einen Urlaub an.

Nachteilig ist bei solchen Eingriffen, dass Patienten bei nicht fachkundig ausgeführten Behandlungen auf ihren Kosten sitzen bleiben und eine teure Nachbehandlung auf sich nehmen müssen. Der Patient entscheidet bei einer Abwägung der Risiken und Chancen.

Zahnersatz zum Nulltarif
Ist der Einsatz eines Zahnimplantats erforderlich, kann die gesetzliche Krankenkasse zur vollständigen Kostenübernahme motiviert werden, wenn sich für einen günstigen Zahnersatz aus anderen Ländern entschieden wird. Dieses Privileg ist aber nur nach zehn durchgängig ausgefüllten Jahren im Bonusheft möglich. Überdies sollte der Zahnarzt mit einem Labor im Ausland zusammenarbeiten, um an den preiswerten Zahnersatz zu gelangen.

Nutzung einer Uniklinik
Zahnoperationen und Zahnimplantate in Unikliniken sind grundsätzlich günstiger als in anderen Zahnarztpraxen, weil man als Patient zur Ausbildung der Studierenden beiträgt. Die Behandlung wird sehr engmaschig und unter Aufsicht von Oberärzten durchgeführt. Sie dauert etwas länger als bei anderen Zahnärzten oder Krankenhäusern. Dafür ist sie besonders gründlich.

Teilnahme an Zahnauktionen
Viele Patienten wissen gar nicht, dass es in Deutschland ein System von „Zahnauktionsportalen“ gibt. Das, was sich auf den ersten Blick ein wenig befremdlich anhört, kann sich als spürbarer Kostensenker herausstellen. Die Auktionsportale bieten dem Nutzer nach der Registrierung die Möglichkeit, seinen Fall einzugeben und diesen einem Netzwerk von Dentisten zugänglich zu machen.

Auf diese Weise kann der Patient mit einer Reihe von Angeboten für eine Zahnbehandlung rechnen und sich dann für die günstigste Intervention entscheiden. Eine Gebühr für die Nutzung der Zahnauktionsportale ist obligatorisch.

Viele Wege führen zur Entlastung
Die Möglichkeiten, direkt und indirekt für Zahnbehandlungen Geld zu sparen, sind enorm. Sie müssen nur genutzt werden. Der Königsweg ist die Abschöpfung aller Regelleistungen durch die Zahnärzte, auf die gesetzlich Versicherte ein Recht haben. Dies betrifft auch die Beratung und Prophylaxe. Besonders effektiv ist das regelmäßige Abstempeln des Bonusheftes, denn bei Kosten von bis zu 3.000 EUR ist die Frage, ob die Krankenkasse eine Kostenübernahme von 60 % oder 75 % leistet, alles andere als irrelevant.

Doch selbst wenn eine teure Operation und der Einsatz eines Implantats unumgänglich sind, können Patienten hohe Summen einsparen, indem sie etwa Zahnauktionen nutzen, sich im Ausland behandeln lassen oder nach einem Zahnarzt in Deutschland suchen, der Zahnersatz zum Nulltarif anbieten kann.