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Letzte Aktualisierung: 27.05.2020

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Gegenwartskunst ab 1945

Städel in Frankfurt öffnet Archive

von Karl-Heinz Stier

(20.05.2020) Nahezu ein Jahrzehnt nach der Eröffnung der Gartenhallen wird die Sammlung Gegenwartskunst im Städel Museum zum ersten Mal neu präsentiert.

Bildergalerie
Sammlungsleiter Martin Engler erläutert Daniel Richters „Horde“
Foto: Karl-Heinz Stier
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Ausstellungsansicht
Foto: Städel Museum - Norbert Miguletz
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Ausgehend vom zentralen Platz der rund 3000 Quadratmeter großen Halle und beginnend mit Hauptwerken der jüngeren und jüngsten Zeitgenossenschaft fächert sich eine Geschichte der Kunst nach 1945 auf. Rund 230 Arbeiten von 170 Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Schulen, Stilen und Gruppen werden unter dem Titel „Zurück in die Gegenwart. Neue Perspektiven, neue Werke“ gezeigt. Sie eröffnen überraschende Vergleiche, Blickwinkel und Sichtweisen zwischen der unmittelbaren Gegenwart und ihre Wurzeln in den zurückliegenden Jahrzehnten.

Aus diesem Anlass ist auch eine Vielzahl an jüngsten Neuerwerbungen und Schenkungen zum ersten Mal zu sehen, etwa Arbeiten von Miriam Cahn („Muttertier“ 1998), Michel Majerus ("MoM Block nr.27"), Thomas Scheibitz („EX“ 1997) oder Thomas Demands selbst gebauten oder fotographisch festgehaltenen Räumen ("Büro" 2007).

Die Sammlung ist bewusst nicht chronologisch, sondern thematisch erfahrbar gemacht. Die Auflösung des abgebildeten Gegenstandes in abstrakte, formlose Malereien wird ebenso Dekaden übergreifend vermittelt wie der Einzug der gestischen Malerei und deren Nachwirkung auf die nachfolgenden Jahrzehnte. Das Publikum kann nachvollziehen, wie die Figur wieder zurück ins Bild findet, die Malerei den – realen – Raum erobert oder die scheinbar konkurrierenden Medien Malerei und Fotografie zu einem wechselseitigen Austausch finden.

„Seit der Gründung des Museums sammeln wir zeitgenössisch. In den letzten Jahren konnten wir durch das starke Engagement unserer Förderer und Förderinnen und eine entschlossene Ankaufspolitik die Sammlung signifikant ausbauen. Es ist eine Einladung für alle, eine besondere Sammlung und sieben Jahrzehnte-Gegenwartskunst mit anderen Augen zu sehen“, sagt Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums. So etwa Yves Klein Schwamm-Relief eponge bleu 1960 oder Gerhard Richters „Kahnfahrt“ von 1965, eine malerische Produktion eines Zeitungsfotos von 1932, ein vielfach reproduziertes und vergrößertes Dokument bis es zum Unikat wurde.

Martin Engler, Sammlungsleiter der Abteilung Gegenwartskunst, erläuterte anhand eines Großbildes von Daniel Richter mit dem Titel „Horde“ von 1962, wie dem Betrachter Innenleben, Hass und Aggression als Gegner auftreten und welche möglichen Gefahren davon ausgehen. Es ist eines der wenigen Bilder mit einer direkt politischer Dimension. 

Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10 bis 18 Uhr.  Do + Fr 10 bis 21 Uhr. Vor dem Besuch soll online ein Zeitfenster gebuchet werden.

Eintritt in das Städel Museum im Schaumainkai 63: 14 Euro, Kinder unter 12 Jahren zahlen keinen Eintritt. Die aktuellen Corona-Hinweise des Museums sind zu beachten.

Weitere Infos unter (069)605098-200 oder www.staedelmuseum.de