Archiv-Kultur

Gedenken an die Bücherverbrennungen

Ausstellungseröffnung und Veranstaltung in der Deutschen Nationalbibliothek am 9. Mai

Ab 9. Mai 2023 wird auf dem Vorplatz der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main die Ausstellung „Verbrannte Orte | Verbannte Worte“ zu sehen sein.

Die vom Deutschen Exilarchiv in Kooperation mit „Verbrannte Orte e.V.“ erarbeitete Ausstellung richtet den Blick auf die Bücherverbrennungen und die Indizierung von Literatur 1933 und fragt zugleich, wie es um die Meinungsfreiheit heute bestellt ist. Die Arbeiten des Fotografen Jan Schenck machen eindrucksvoll deutlich, dass die Orte der Bücherverbrennungen von damals heute längst wieder Teil des Alltags geworden sind. Zugleich weisen die Fotografien einmal mehr darauf hin, dass es neben der Bücherverbrennung in Berlin am 10. Mai 1933 eine Vielzahl weiterer Orte gab, an denen die Scheiterhaufen brannten.

Meinungsfreiheit ist ein zentrales Menschenrecht und eines der höchsten Güter liberaler Gesellschaften – autoritäre Systeme fürchten sie nicht ohne Grund. Vor 90 Jahren verbrannten die Nationalsozialisten an über 160 Orten in Deutschland Bücher. Meinungen und Weltanschauungen aus ihrer Sicht missliebiger Autoren sollten verstummen. Die Indizierung „unerwünschter Literatur“ wurde während der nationalsozialistischen Diktatur breit unterstützt, auch das eigene Haus, die damalige Deutsche Bücherei in Leipzig, war an der Erstellung „Schwarzer Listen“ aktiv beteiligt.

Auch heute ist Meinungsfreiheit keine Selbstverständlichkeit. An vielen Orten der Welt werden Menschen an der freien Meinungsäußerung gehindert, eingesperrt oder vertrieben, ihre Bücher zensiert und verboten. Damals wie heute treibt die Unterdrückung viele Betroffene ins Exil. In der Ausstellung „Verbrannte Orte | Verbannte Worte“ und mehreren Veranstaltungen setzt sich die Deutsche Nationalbibliothek mit den Themen Meinungsfreiheit und Zensur – damals und heute – auseinander.

Den Auftakt des Begleitprogramms bildet am 9.5., 19 Uhr, die Veranstaltung „Die verbrannten Dichter“ mit Jürgen Serke, dessen gleichnamiges epochales Buch im Wallstein-Verlag neu erschienen ist. Im Ersterscheinungsjahr 1977 löste Serke mit der Veröffentlichung eine Wiederentdeckungswelle aus. Viele der vorgestellten Schriftsteller sind vor dem Nationalsozialismus ins Exil geflohen. Jürgen Serke und Thedel von Wallmoden stellen die neu gestaltete und um Bildmaterial der Sammlung Serke erweiterte Neuausgabe vor. Der Schauspieler Hanns Zischler liest ausgewählte Texte.

In vielen Regionen der Welt werden aktuell Schriftsteller verfolgt, bedroht und eingesperrt oder durch Zensur und Gewalt zum Schweigen gebracht. Einer von ihnen ist der in China geborene Schriftsteller Liao Yiwu. Für sein 1989 verfasstes „Massaker“ wurde er vier Jahre in China inhaftiert und schwer misshandelt. 2011 gelang es ihm, China zu verlassen. Zu seinen beeindruckenden Werken gehören „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ (2009), „Für ein Lied und hundert Lieder“ (2011), „Drei wertlose Visa und ein toter Reisepass“ (2018), und „Wuhan“ (2022). Seit 2011 lebt und arbeitet der unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete Schriftsteller in Deutschland. Am 15.6., 19 Uhr, spricht er in der Deutschen Nationalbibliothek über die Bedeutung von Zensur und Meinungsfreiheit und über seine Erfahrungen in China.

„Verbrannte Orte | Verbannte Worte“
Eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933–1945 und Verbrannte Orte e.V.
Die Ausstellung ist vom 9. Mai bis 2. Juli 2023 auf dem Vorplatz der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main zu sehen.

Hintergrund: Das Deutsche Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek ist ein Ort der Auseinandersetzung mit den Themen Exil und Emigration während der Zeit des Nationalsozialismus. Neben der Sammlung von Exilpublikationen und –dokumenten nimmt die kulturelle und politische Bildung einen besonderen Stellenwert in der Arbeit des Exilarchivs ein: Durch Ausstellungen, ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm und Publikationen widmet sich die Einrichtung dem historischen Exil und schlägt Brücken in die Gegenwart.

Deutsche Nationalbibliothek, Adickesallee 1, Frankfurt am Main