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Gärtnern ohne Chemie in Rhein-Main: warum das milde Klima hier ein Vorteil ist

Wer in Frankfurt und Umgebung einen Garten, eine Parzelle im Kleingartenverein oder auch nur einen gut bestückten Balkon hat, kennt das Ende des Sommers vor allem als Zeit der kleinen Ärgernisse. Gelbe Flecken im Rasen, die sich seit August ausbreiten.

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Symbolfoto
Foto: Pixabay / Alexas_Fotos

Kleine schwarze Mücken über den Zimmerpflanzen. Löcher in den Blättern der Kübelpflanzen auf der Terrasse.

Der Griff zum Spritzmittel ist dabei seltener geworden, und das hat nicht nur mit Überzeugung zu tun. In vielen Kleingartenvereinen schränkt die Gartenordnung den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ein, und wer Gemüse für den Eigenbedarf anbaut, denkt ohnehin zweimal nach. Die Frage ist also weniger, ob man biologisch arbeitet, sondern wie man es so macht, dass es tatsächlich wirkt.

Der regionale Vorteil, über den selten gesprochen wird

Das Rhein-Main-Gebiet gehört klimatisch zu den mildesten Regionen Deutschlands. Für Gärtner bedeutet das zunächst das Offensichtliche: eine längere Saison, frühere Blüte, mehr Auswahl bei den Pflanzen.

Es bedeutet aber auch etwas, das für die biologische Schädlingsbekämpfung direkt relevant ist. Der Boden erwärmt sich hier im Frühjahr früher und kühlt im Herbst später ab. Und Bodentemperatur ist bei nützlichen Bodenorganismen nicht eine von vielen Bedingungen, sondern die entscheidende.

Die Kehrseite gehört zur Ehrlichkeit dazu: Was für die Nützlinge gilt, gilt auch für die Schädlinge. Mildere Winter und wärmere Böden begünstigen auch deren Entwicklung. Wer in Rhein-Main gärtnert, hat also nicht weniger Probleme als anderswo, sondern ein längeres Zeitfenster, in dem sich etwas dagegen unternehmen lässt.

Was Nematoden eigentlich sind

Die gängigste biologische Methode gegen Larven im Boden sind Nematoden, auf Deutsch Fadenwürmer. Das sind mikroskopisch kleine Rundwürmer von etwa einem Millimeter Länge, die natürlicherweise in fast jedem Boden vorkommen.

Für die Schädlingsbekämpfung wird eine bestimmte Gruppe genutzt: Arten, die auf Insektenlarven parasitieren. Sie dringen über natürliche Körperöffnungen ein, geben Bakterien ab, die zum Absterben der Larve führen, und vermehren sich anschließend darin. Dieser Vorgang läuft in jedem Boden ohnehin ab. Beim gezielten Einsatz wird lediglich die Zahl dieser natürlichen Gegenspieler für eine Weile erhöht.

Wichtig ist dabei, dass es keine Universallösung gibt. Jede Art ist auf bestimmte Ziele spezialisiert, und die falsche Art wirkt nicht schwächer, sondern gar nicht. Wer nematoden bestellen möchte, findet die Produkte deshalb nach Schädling sortiert: Steinernema feltiae gegen Trauermückenlarven und Thripse, Heterorhabditis bacteriophora gegen Engerlinge, Steinernema kraussei gegen Dickmaulrüsslerlarven, Phasmarhabditis-Arten gegen Nacktschnecken. Der Schädling sollte also vor dem Kauf feststehen.

Die Bodentemperatur entscheidet, nicht das Wetter

Hier liegt der häufigste Fehler, und er kostet die gesamte Anwendung. Maßgeblich ist die Temperatur des Bodens, nicht die Luft an einem sonnigen Tag.

Die Untergrenzen unterscheiden sich je nach Art deutlich. Manche Arten arbeiten bereits ab etwa 5 Grad Bodentemperatur, Heterorhabditis bacteriophora gegen Engerlinge braucht dagegen mindestens 12 Grad. Ein warmer Apriltag in Frankfurt sagt über den Boden wenig aus, der hinkt der Lufttemperatur um Wochen hinterher.

Der September und der frühe Oktober sind aus diesem Grund in unserer Region ein günstiges Zeitfenster. Der Boden trägt noch die Wärme des Sommers, und die Larven, die im Spätsommer geschlüpft sind, sind noch klein und empfindlich. Im Frühjahr hat man es mit denselben Tieren zu tun, dann allerdings deutlich größer und gefräßiger.

Drei Regeln, an denen es scheitert

Nematoden sind lebende Organismen, und daraus erklären sich sämtliche Anwendungsvorschriften.

Kein direktes Sonnenlicht. UV-Strahlung tötet sie schnell ab. Ausgebracht wird morgens, abends oder an einem bedeckten Tag.

Feuchtigkeit, und zwar wochenlang. Nematoden bewegen sich ausschließlich im Wasserfilm zwischen den Bodenpartikeln. Trocknet die obere Schicht aus, erreichen sie die Larven nicht mehr. Nach dem Ausbringen sollte der Boden mehrere Wochen feucht bleiben, was in einer trockenen Phase aktives Wässern bedeutet.

Frisch verwenden. Die Haltbarkeit liegt auch gekühlt bei wenigen Tagen. Bestellen Sie erst, wenn Sie in den nächsten Tagen tatsächlich Zeit haben, und nicht kurz vor einem verlängerten Wochenende.

Was realistisch zu erwarten ist

Sofortwirkung gibt es nicht. Üblicherweise vergehen zwei bis drei Wochen, bis die Larven absterben, und sichtbar ist das zunächst gar nicht, weil sie schlicht im Boden verschwinden. Bei Rasenschäden ist das erste verlässliche Zeichen meist, dass Amseln und Krähen aufhören, die Fläche umzugraben.

Kahle Stellen wachsen nicht von selbst zu. Die werden nachgesät, aber erst danach. Wer umgekehrt vorgeht, füttert die frischen Graswurzeln direkt an die Larven, die noch im Boden sitzen.