Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 12.07.2024

Werbung
Werbung

Fußball und Frauenrechte: Lotte Spechts Impulse wirken bis in die Gegenwart

von Ilse Romahn

(17.06.2024) Großes Plakat am Steinernen Haus in der Braubachstraße 35 erinnert an die Gründung des 1. Deutschen Damen Fußballclubs in Frankfurt. Aus dieser Erinnerung erwächst ein starker Impuls für die Gegenwart.

„Mit Lotte Specht raus aus dem Abseits: Schon damals für Gleichberechtigung; gegen Rassismus und Hass“ ist auf dem großen Plakat zu sehen, das die Fassade des Steinernen Hauses in der Braubachstraße 35 ziert. Dort hatte Fußballpionierin Lotte Specht im März 1930 den 1. Deutschen Damen Fußballclub gegründet. Ihr Antrieb war vor allem „frauenrechtlerischer“ Natur, wie sie damals sagte. Heute betont Frankfurts Oberbürgermeister und Sportdezernent Mike Josef die verbindende Kraft des Sports und begrüßt die Plakataktion mit ihrem antirassistischen Appell. „Wir in Frankfurt sind weltoffene, liberale und demokratieliebende Bürgerinnen und Bürger, in unserer Stadt haben Hass und Fremdenfeindlichkeit keinen Platz.“

Nicht nur die Themen, sondern auch das Timing der Plakataktion passen bestens in die Zeit. Fußball wird mit Beginn der Europameisterschaft am 14. Juni im eigenen Land das bestimmende Thema, gerade in Frankfurt. In der Mainmetropole werden insgesamt fünf Partien der EM ausgetragen (vier Vorrundenspiele und ein Achtelfinale). Die Vereinsmitglieder von Lotte Specht e.V. freuen sich über die klaren Botschaften des Plakats, welche in Zeiten der EM umso wichtiger denn je sind. „Lotte Specht ist ein Symbol für freies und unabhängiges Denken, gepaart mit außerordentlichem Mut“, sagt Daniela Cappelluti, die Vorsitzende von Lotte Specht e.V.

Der Verein will Mädchen und Frauen im Fußball sichtbarer machen und Projekte zur Unterstützung von Mädchen- und Frauenfußball fördern. Darüber hinaus zählt der aktive Einsatz gegen Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie zu den ausdrücklichen Zielen des Vereins. Die Schirmherrschaft hat Rosemarie Heilig inne, Umwelt- und Frauendezernentin der Stadt Frankfurt.

Wenn es um starke Frauen geht, hat Dagmar Priepke als Vorsitzende der IG Braubachstraße einiges beizusteuern. Sie ist Expertin der 300 Meter langen urbanen Meile im Herzen der Stadt und bietet Führungen an, die die historischen Frauen der Braubachstraße in den Blick nehmen. Das sind neben Lotte Specht unter anderem die Galeristin und Kunstsammlerin Hanna Bekker vom Rath sowie die Malerin Ottilie W. Roederstein und ihre Lebensgefährtin, die Ärztin Elisabeth Winterhalter. Und weil es für Dagmar Priepke die Menschen sind, die einem Ort die je eigene Identität verleihen, stellt sie neben den historischen Frauenfiguren auch zeitgenössische Frauen in der Braubachstraße vor, die dort ihre eigenen Geschäfte betreiben, Inhaberinnen von Galerien sind oder an der Spitze wichtiger Stiftungen stehen.

Die DomRömer GmbH unterstützte die Initiative zur Erinnerung an das Wirken von Lotte Specht sehr gerne, so Projektleiterin Marion Spanier-Hessenbruch. In direkter Nähe der Altstadt befinde sich mit dem Steinernen Haus ein für die Frankfurter Geschichte sehr wichtiges Gebäude, über dessen Zukunft man sich Gedanken machen sollte. Die Ideen kreisen um eine Revitalisierung des Steinernen Hauses mit einer Kombination aus kultureller Nutzung, Büros und Wohnen. Dies könnte ein Baustein zum Werterhalt städtischer Liegenschaften mit historischer Bausubstanz sein.

Um noch mehr Aufmerksamkeit für die Ideen von Lotte Specht zu Gleichberechtigung und Antirassismus zu erzielen, planen die Organisatoren der Plakataktion im Kontext der EM eine kleine Veranstaltung; Details werden in Kürze bekanntgeben.

Weitere Informationen zu Lotte Specht e.V. gibt es unter www.lotte-specht.de.