Frauennotruf Frankfurt veröffentlicht Jahresbericht 2023
205 Frauen wandten sich nach Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung oder sexueller Nötigung an die Beratungsstelle. Häufig kamen die Täter aus dem privaten Umfeld der Betroffenen, wie (Ex-) Ehemänner, (Ex-) Partner, Freunde, Verwandte oder Bekannte. Mit 56 Fällen stieg die Zahl der Beratungen zum Thema sexuelle Belästigung an (2022: 46). Rund die Hälfte der Betroffenen erlebte die Belästigung am Arbeitsplatz oder in der Ausbildung. Am häufigsten wandten sich Frauen bezüglich Körperverletzungsdelikten unterschiedlicher Schwere an die Beratungsstelle – 326 Frauen und Mädchen wurden zu diesen Themen beraten.
Der Versorgungsverbund Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung feierte im vergangenen Jahr sein 10-jähriges Bestehen. 71 Frauen nutzten 2023 nachweislich das Angebot des Versorgungsverbundes in Frankfurt, wobei von einer höheren Dunkelziffer auszugehen ist. Auch die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt hatte Grund zum Feiern und beging das 41-jährige Bestehen ihres Vereins mit einem Sommerfest.
Insgesamt nahmen die Beraterinnen des Frauennotrufs bei vielen Klientinnen ein hohes Stress- und Bedrohungsgefühl wahr. Existenzängste aufgrund von steigenden Lebenshaltungskosten und globalen Krisen kamen zur erlebten Gewalt und deren Auswirkungen hinzu. Trotz dieser Herausforderungen betont die Geschäftsführerin des Frauennotrufs, Angela Wagner: "Wir erleben bei den Betroffenen ein hohes Maß an Stärke und Durchhaltevermögen. Wir sind oft tief berührt von ihrer Bereitschaft, mutige Schritte zu gehen."
Die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt gestaltet ihre Beratung zunehmend inklusiv und baut Zugangsbarrieren ab. Um Frauen mit Lernschwierigkeiten zu erreichen und über die verschiedenen Formen von Gewalt und das Beratungsangebot zu informieren, wurde 2023 ein Theaterstück in Leichter Sprache entwickelt und in verschiedenen Werkstätten der Behindertenhilfe aufgeführt. Materialien in Leichter Sprache wurden entwickelt und an zahlreiche Einrichtungen versandt. 2024 wurde das Beratungsangebot für hörbeeinträchtige und taube Frauen und Mädchen ausgebaut.
Der Jahresbericht 2023 widmet sich unter anderem den Auswirkungen digitaler, insbesondere smarter Gewalt. In einem Interview mit einer Spezialistin für Cybercrime und Datenauswertung wird das Thema fachlich beleuchtet, ein Fallbeispiel zeigt die Dimension dieser Gewaltform.
Interessierte finden den Jahresbericht auf der Homepage der Beratungsstelle www.frauennotruf-frankfurt.de (ffm)
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