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Letzte Aktualisierung: 12.08.2022

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Frankfurts neuer Jazzstipendiat spielte mit Septett in der Romanfabrik

von Ilse Romahn

(13.05.2022) Der mit dem Frankfurter Jazzstipendium 2021 ausgezeichnete Bassist Ivan Habernal hat mit seinem Septett am 11. Mai für ein fulminantes Stipendiatenkonzert gesorgt. Im Vorfeld des Konzertes nahm Kulturdezernentin Ina Hartwig die von der Stadt Frankfurt vergebene Auszeichnung vor, die aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden musste.

„Mit ihrem Votum für Ivan Habernal hat sich die Jury für eine Bewerbung entschieden, die allein aufgrund der Größe des Ensembles herausragte. Das Ivan Habernal Orchestra ist ein Jazzseptett plus Streich-Quartett – ich freue mich sehr, dass wir mit ihm ein herausragendes Talent der lokalen Jazzszene und dessen musikalische Projekte fördern können“, sagte Kulturdezernentin Hartwig.
 
Das Frankfurter Jazzstipendium ist mit 10.000 Euro dotiert und wird seit 1990 jährlich von der Stadt vergeben. Es wurde zur Unterstützung der regionalen Jazzszene eingeführt und soll Jazzmusikerinnen und -musikern sowie Jazzgruppen dabei helfen, sich nach ihren persönlichen Vorstellungen weiter zu qualifizieren. Zudem sollen sie in ihrem Bestreben nach einem individuellen künstlerischen Profil ermutigt werden.
 
Die Jury lobte den in im Jazz nicht oft anzutreffenden Klangfarbenreichtum und die kluge Dramaturgie der Arrangements, deren überraschenden Details beeindrucken:

„Das aus elf Musikerinnen und Musikern bestehende Orchester schlägt durch seine Instrumentierung u.a. mit vier versierten Bläsern und vier Streichern eine Brücke zwischen zeitloser Jazz-Ästhetik und Einflüssen der Klassik. Für sie alle hat Ivan Habernal sehr durchdachte, komplexe Arrangements geschrieben. Sie beeindrucken mit überraschenden Details, einem im Jazz nicht oft anzutreffenden Klangfarbenreichtum und einer klugen Dramaturgie. Mit der Vergabe des Frankfurter Jazzstipendiums an Ivan Habernal möchte die Jury den Musiker dazu ermutigen und darin unterstützen, sein couragiertes Orchester weiterzuführen.“ 
 
Habernal ist 1983 in der Nähe der tschechischen Stadt Pilsen geboren und begann seinen musikalischen Weg als Fünfjähriger in einer klassischen Pianoschule.  Mit zwölf entdeckte er den Jazz und wechselte das Genre, nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeiten zur freien musikalischen Improvisation und Entfaltung, wie er einmal bemerkt hat. Drei Jahre später wechselte er zudem das Instrument und wurde schnell zu einem gefragten Bassisten in der Pilsener Musikszene.
 
Er absolvierte ein Studium der Computerwissenschaft und begann parallel ein Studium am Konservatorium für Jazz und populäre Musik in Prag. Bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in New York nahm er Privatunterricht bei den Bassisten Hans Glawishnig, John Patitucci und anderen. Er konzertierte mit internationalen Jazzgrößen wie Randy Brecker und Vincent Mendoza ebenso wie mit dem bekannten tschechischen Sänger Karel Gott.
 
Seit 2013 lebt Habernal in Frankfurt und arbeitet als Computerwissenschaftler an der TU Darmstadt. Schnell hat er sich in der Frankfurter Jazzszene eingelebt, gründete sein eigenes Quartett und ist Bassist in weiteren Jazzensembles. So ist er auch Mitglied der Gruppe „The J-Sound Project“, die 2015 das Frankfurter Jazzstipendium erhalten hat.
 
Habernal möchte das Stipendium zur Weiterentwicklung des Ivan Habernal Orchestra – ein Jazzseptett plus Streich-Quartett – nutzen und weitere Konzerte und Aufnahmen mit dem Ensemble realisieren. (ffm)