Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 27.11.2020

Werbung
Werbung

Frankfurter Volksbank zieht es nach Bayern

von Ilse Romahn

(23.10.2020) Die VR-Bank Alzenau (VRB) und die Frankfurter Volksbank (FVB) haben einen Kooperationsvertrag geschlossen und streben nach erfolgreicher Zusammenarbeit eine Verschmelzung im Frühjahr 2021 an.

Dr. Hans-Martin Blättner, Sigrid Werner, Ralf Pakosch und Eva Wunsch-Weber
Foto: Frankfurter Volksbank
***

Mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages haben die Vorstände der beiden Bankhäuser den Grundstein gelegt. Zuvor hatten die Aufsichtsräte der Institute diese Vereinbarung jeweils einstimmig befürwortet. 

Das vereinbarte Ziel ist es, durch die geplante Verschmelzung die Marktposition der VR-Bank Alzenau in der Region weiter zu stärken und gemeinsam mit der Frankfurter Volksbank ein Angebot an Finanzdienstleistungen für Mitglieder und Kunden der Bank zur Verfügung zu stellen, das auch in Zukunft die Privat- und Firmenkunden überzeugt. Kernpunkte der Vereinbarung sind die Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeiter der VR-Bank Alzenau für die nächsten fünf Jahre und der Erhalt des Filialnetzes bis mindestens 31.12.2025. 

Durch die besondere geografische Lage der VR-Bank Alzenau an der Landesgrenze zwischen Hessen und Bayern ergibt sich die Situation einer Verschmelzung zweier Genossenschaftsbanken über Ländergrenzen hinweg – wobei diese Grenze im Zusammenleben der Menschen und im Wirtschaften der Unternehmen innerhalb der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main längst eine untergeordnete Rolle spielt. Die Vorstandsvorsitzende der VR-Bank eG Alzenau, Sigrid Werner, und die Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank eG, Eva Wunsch-Weber, zeigten sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt von der Richtigkeit der Entscheidung überzeugt: „Wir sind sicher, dass schon die Kooperation und erst recht die Fusion den Mitgliedern und Kunden vor allem im Geschäftsgebiet der VR-Bank Vorteile bringen und zugleich die Leistungsfähigkeit der Frankfurter Volksbank als zweitgrößte deutsche Volksbank noch weiter erhöhen wird. Auch werden für die Mitarbeiter der VR-Bank Alzenau neue Entwicklungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten geschaffen.“ 

„Die hohe Leistungsfähigkeit und das gute wirtschaftliche Fundament unserer Bank zeichnen uns aus, aber die Herausforderungen für eine Genossenschaftsbank unserer Größenordnung werden von Jahr zu Jahr zahlreicher. So wird der Aufwand zur Umsetzung immer komplexer werdender aufsichtsrechtlicher Regelungen ständig höher“, erläutert die Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Alzenau. Zudem habe sich gezeigt, dass sich am Niedrigzinsniveau entgegen aller Hoffnungen mittelfristig nichts ändern werde. In diesem Umfeld werde der Spagat zwischen der Bereitstellung von Finanzdienstleistungen in höchster Qualität und der von der VR-Bank Alzenau stets gelebten Sparsamkeit immer schwieriger. Auch die voranschreitende Digitalisierung, die eine permanente Anpassung an veränderte Kundenbedürfnisse verlange, sei für das Institut mit großen Herausforderungen verbunden. „Wer uns kennt, weiß, dass wir uns die Entscheidung für einen Zusammenschluss nicht leicht gemacht haben. Aber oberste Priorität müssen immer die Interessen unserer Mitglieder und Kunden haben, denen wir uns vollumfänglich verpflichtet fühlen. Wir sind deshalb auf die Frankfurter Volksbank zugegangen und haben in den letzten Wochen und Monaten vertrauensvolle und konstruktive Gespräche geführt“, so Sigrid Werner. Die Entscheidung für eine Kooperation sei wohlüberlegt: „Wir starten zum richtigen Zeitpunkt mit einem starken Partner – der Frankfurter Volksbank.“ 

Synergien heben – Leistungsangebot steigern
Eva Wunsch-Weber erläuterte das Zusammengehen aus Sicht ihrer Bank: „Mit einer guten Zusammenarbeit und einem partnerschaftlichen Miteinander wollen wir bereits in der jetzigen Kooperationsphase. Synergien heben, um Kosten und Belastungen, die sich aus den verschärften Anforderungen an das Bankwesen ergeben, gemeinsam langfristig zu reduzieren. 

“Durch den Zusammenschluss vergrößert sich zudem das Leistungsspektrum, das die VR-Bank Alzenau ihren Mitgliedern und Kunden bieten kann – insbesondere im Bereich der Vermögensverwaltung sowie im Immobilien- und Auslandsgeschäft. Auch damit trage man zur Stärkung der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit bei. 

Der Genossenschaftsverband Bayern e.V., der bereits in einer frühen Phase in die Planungen einbezogen wurde, unterstützt das Fusionsvorhaben über die Landesgrenzen. Nach der erfolgreichen Fusion bleibt die Mitgliedschaft im Genossenschaftsverband Bayern bestehen. 

Filialen bleiben zunächst erhalten
„Unsere regionale Verbundenheit mit unseren Mitgliedern und Kunden in Alzenau und Umgebung steht auch zukünftig unverändert im Fokus“, versichert Sigrid Werner. Die etablierte Marke „my VR-Bank“ bleibt erhalten, genauso wie das Filialnetz mit den vier Geschäftsstellen in Alzenau, Karlstein, Kleinostheim und Schöllkrippen sowie der SB-Filiale in Alzenau-Michelbach. Ebenso wird die aktuell in der Umbauphase befindliche Geschäftsstelle in Schöllkrippen weiter modernisiert und bis zum zweiten Quartal 2021 fertiggestellt werden. 

Die beiden Vorstandsvorsitzenden betonten, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der VR-Bank Alzenau übernommen werden und eine Beschäftigungsgarantie für fünf Jahre erhalten. Den Kunden der VR-Bank Alzenau werden demnach auch in Zukunft ihre vertrauten Ansprechpartner für eine fachkundige Beratung und Betreuung zur Verfügung stehen. Zudem profitieren auch die Mitarbeiter ihrerseits von zusätzlichen Karriere-, Aufstiegs- und Fortbildungsmöglichkeiten im größeren Haus. 

Das vielfältige gemeinnützige Engagement der VR-Bank Alzenau für die Region wird durch die Frankfurter Volksbank weitergeführt, die in ihrem gesamten Geschäftsgebiet Vereine und ehrenamtliche Organisationen unterstützt. „Unsere starke regionale Verwurzelung, die mit einer engagierten Förderung des sozialen und kulturellen Lebens in der Region verbunden ist, gehört zu den genossenschaftlichen Grundprinzipien unserer beider Banken“, bekräftigte Eva Wunsch-Weber. 

Volle Rückendeckung durch die Aufsichtsräte
Von den beiden Aufsichtsratsvorsitzenden Ralph Ritter (VR-Bank Alzenau) und Hans-Dieter Hillmoth (Frankfurter Volksbank) kommt volle Rückendeckung für die geplante Neuaufstellung. „Die vielen Gespräche der letzten Monate haben gezeigt, dass es zwischen den beiden Instituten einfach ‚passt‘. Zugleich geht von einer solchen Entscheidung gerade in dieser Zeit der Unsicherheit eine positive Signalwirkung für die Zukunft aus“, hob Hillmoth hervor. Sein Kollege Ralph Ritter betonte: „Unser Ziel war es, natürlich in guter Partnerschaft die Interessen der VR-Bank zu wahren. Dies ist gelungen.“ 

Erhalt der Regionalität auch nach der Verschmelzung.
Nach einem Zusammenschluss beider Institute werden Vertreter der VR-Bank Alzenau über ihr Mitsprache- und Entscheidungsrecht in der Vertreterversammlung der Frankfurter Volksbank die Geschäftspolitik mit beeinflussen. Zwei Mitglieder des aktuellen Aufsichtsrats aus Alzenau sollen zur Wahl in den Aufsichtsrat der Frankfurter Volksbank vorgeschlagen werden. Um die Regionalität und die Kundeninteressen der VR-Bank Alzenau optimal zu berücksichtigen, wird der Zusammenschluss von einem Regionalbeirat aus Persönlichkeiten vom fränkischen Untermain begleitet. Auch ist nach der Verschmelzung eine regelmäßige, regionale Versammlung für Kunden und Mitglieder aus Alzenau, Karlstein, Kleinostheim und Schöllkrippen vorgesehen, in der über wichtige geschäftliche und genossenschaftliche Fragen informiert wird. 

Mit der Fusion soll die Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Alzenau, Sigrid Werner, Bereichsvorständin werden und für ihr vertrautes Geschäftsgebiet zuständig bleiben. Sie wird zudem Generalbevollmächtigte der Frankfurter Volksbank. Eva Wunsch-Weber und Sigrid Werner blicken optimistisch in die gemeinsame Zukunft: „Dieser Optimismus basiert auf den kunden- und mitarbeiterorientierten Vereinbarungen, die wir getroffen haben, auf der Expertise und wirtschaftlich starken Stellung beider Institute sowie unserer gemeinsamen Unternehmensphilosophie und -strategie.“ Beide Vorstandsvorsitzende freuen sich auf die vor ihnen liegende enge Zusammenarbeit und die anstehenden Neuerungen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir ein erfolgreiches neues Kapitel für die VR-Bank Alzenau und die Frankfurter Volksbank schreiben werden. Diese Kooperation wird sich positiv für alle Beteiligten auswirken und wir stellen mit ihr die Weichen für eine gemeinsame, erfolgreiche Zukunft.“