Frankfurter Satire-Legende Hans Traxler mit 97 Jahren gestorben
Die deutsche Satire- und Karikaturenszene trauert um einen ihrer bedeutendsten Vertreter: Der Zeichner, Maler und Autor Hans Traxler ist am 24. August im Alter von 97 Jahren in Frankfurt am Main gestorben. Das teilten das Caricatura Museum Frankfurt und die Stadt Frankfurt im Namen der Familie mit.
Mit Hans Traxler verliert Frankfurt nicht nur einen berühmten Künstler, sondern auch einen der prägenden Köpfe der sogenannten „Neuen Frankfurter Schule“. Gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und Pit Knorr veränderte er das Verständnis von Satire und Komik in Deutschland nachhaltig.
Wahlheimat Frankfurt
Geboren wurde Hans Traxler 1929 im böhmischen Herrlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er über Regensburg nach Frankfurt, wo er an der Städelschule Malerei studierte und schließlich seine Wahlheimat fand.
Von hier aus begann seine außergewöhnliche Karriere. 1962 gehörte Traxler zu den Mitgründern des Satiremagazins „Pardon“, 1979 folgte die Gründung des Kultmagazins „Titanic“. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Wissenschaftsparodie „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“, die 1963 erschien und bei zahlreichen Lesern für Verwirrung sorgte, weil sie die satirische Absicht nicht erkannten.
„Birne“ für Helmut Kohl
Bundesweit bekannt wurde Traxler auch durch seine Zeichnungen für das Buch „Birne – das Buch zum Kanzler“, das 1982 gemeinsam mit Autor Pit Knorr entstand. Die Karikaturen prägten das öffentliche Bild des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl über Jahre hinweg.
Auch im hohen Alter blieb Traxler kreativ. Noch 2024 veröffentlichte er das Buch „Wie die Malerei verschwand“. 2025 folgten weitere Werke, darunter eine illustrierte „Ode an den Ammersee“ sowie die Sammlung seiner Bildgedichte.
Ein Vermächtnis für Frankfurt
Ein sichtbares Zeichen seines Wirkens steht bis heute im Frankfurter Grüngürtel: das von ihm entworfene ICH-Denkmal. Unter dem Motto „Jeder Mensch ist einzigartig“ lädt es Besucher dazu ein, selbst Teil des Kunstwerks zu werden.
Oberbürgermeister Mike Josef sagt: „Wir verlieren einen großen Künstler und eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Hans Traxlers kreatives Wirken hat tiefe Spuren nicht nur in Frankfurt hinterlassen. Als Mitglied der ‚Neuen Frankfurter Schule‘ war er federführend daran beteiligt, von Frankfurt aus die Komiklandschaft in Deutschland neu zu prägen. Als er in den 1980er Jahren den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl als Birne zeichnete, schuf er eine ikonische Bildsprache für das kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik. Mit dem ICH-Denkmal im Frankfurter Grüngürtel hat er der Stadt das vielleicht demokratischste aller Denkmäler geschenkt. Seit 2005 steht es gerade in Zeiten vieler gesellschaftlicher Probleme für die Wichtigkeit eines jeden Menschen. Unter dem Motto ‚Jeder Mensch ist einzigartig‘, ist es ein sichtbares Zeichen für Integration, Vielfalt und Toleranz. Als Wahlfrankfurter hat er unserer Stadt viel gegeben und von hier aus bundesweit gewirkt. Hans Traxler war für unsere Stadt eine feste Größe, was mit der Verleihung der Goethe-Plakette an ihn zum Ausdruck kam. Wir verneigen uns vor einem beeindruckenden Lebenswerk.“
„Der Abschied von Hans Traxler fällt schwer. Besonders haben mir seine Kinderbücher und seine Cartoons gefallen. Sein warmer, manchmal spitzer Humor hat zusammen mit seinen weichen und großartigen Zeichnungen immer ein perfektes Gesamtwerk ergeben“, sagt Stadtverordnetenvorsteherin Claudia Korenke. Mit seinem unverwechselbaren Werk habe Traxler die kulturelle Identität Frankfurts über Jahrzehnte mitgeprägt und der Stadt weit über ihre Grenzen hinaus eine eigene, humorvolle Stimme gegeben. Sein Wirken werde in Frankfurt ebenso weiterleben wie in den vielen Büchern, Zeichnungen und Geschichten, die Generationen begleitet haben. „Er wird uns sehr fehlen“, sagt Korenke.
Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, sagt: „Es stimmt mich sehr traurig, dass wir uns von Hans Traxler verabschieden müssen. Er gehörte zu den herausragenden Künstlern der Komischen Kunst – in Frankfurt, bundesweit und auch darüber hinaus. Es gab zahlreiche internationale Übersetzungen seiner Werke – wie beispielsweise im koreanischen, japanischen oder amerikanischen Sprachraum. Sein feiner Humor hat mir schon früh als Leserin der Titanic außerordentlich gefallen. Hans Traxler war Perfektionist und legte Wert auf höchste Qualität. Diese hohen Anforderungen an sich und andere führten zu außerordentlichen Ergebnissen. Das Werk von Hans Traxler wird weit über die Gegenwart hinaus Bestand haben und künftige Generationen inspirieren. Wir alle und insbesondere die Komische Kunst verlieren mit ihm eine große kreative Persönlichkeit.“
Der künstlerische Nachlass von Hans Traxler befindet sich im Caricatura Museum Frankfurt und umfasst rund 3.700 Zeichnungen, Illustrationen und Skizzen. Damit bleibt das Lebenswerk des Satirikers auch künftigen Generationen erhalten.
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