Frankfurter Kammermusikverein begeht seine Dernière mit einem großen Abschlusskonzert
Am Mittwoch, 6. Mai, findet mit dem Konzert der Preisträger des 28. Kammermusikwettbewerbs der Polytechnischen Gesellschaft zugleich das letzte öffentliche Konzert des Vereins zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker e.V. statt.
Der 1959 gegründete Verein, vielen als „Kammermusikverein“ bekannt, ist ein Tochterinstitut der Polytechnischen Gesellschaft, die in enger Zusammenarbeit mit der Frankfurter Sparkasse seine Aktivitäten über viele Jahre finanziert hat. Das Abschlusskonzert findet im Kundenzentrum in der Neuen Mainzer Straße statt, der langjährigen Hauptspielstätte des Vereins.
Das Konzert der Preisträger des von der Polytechnischen Gesellschaft ausgelobten Kammermusikpreises stellt in jedem Jahr einen Höhepunkt der Saison dar. Es wird vom Kammermusikverein im Rahmen seiner Konzertreihe und in Kooperation mit der Frankfurter Sparkasse ausgerichtet. Beim 28. Wettbewerb am 9. Dezember 2025 hatten elf Ensembles um den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preis gespielt. Die Jury unter dem Vorsitz der Polytechnikerin Dr. Christa Ratjen hatte den 1. Preis dem Trio Babella zuerkannt. Die Ensemblemitglieder Bodam Lee (Violine), Nana Kusaka (Klarinette) und Jiyun Kim (Klavier) konnten sich über ein Preisgeld in Höhe von 4.500 Euro freuen. Weitere Preisträger sind ein Duo für Viola und Klavier (2. Preis) sowie das Lotus-Ensemble (3. Preis).
Beim Preisträgerkonzert im Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse am Mittwoch, 6. Mai 2026, spielt das Lotus-Ensemble ein facettenreiches Programm italienischer Barockmusik mit Werken von Antonio Vivaldi, Marco Uccellini und Giuseppe Sammartini. Das Duo aus Ayaka Taniguchi (Viola) und Qiongdan Liang (Klavier) trägt die drei Romanzen op. 22 von Clara Schumann (1819-1896) vor sowie ein Werk des Frankfurter Komponisten Paul Hindemith (1895-1963). Das Trio Babella schließlich spannt den musikgeschichtlichen Bogen bis nahezu in unsere Gegenwart mit Werken von Aram Khachaturian (1903-1978) und Gian Carlo Menotti (1911-2007).
Mit diesem reichhaltigen Konzertabend gelangt zugleich eine Ära an ihr Ende: Der Verein zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker e.V., von Polytechnischer Gesellschaft und Frankfurter Sparkasse am 12. Dezember 1959 gegründet, hat zu Beginn des Jahres 2026 seine Selbstauflösung beschlossen und stellt seine Aktivitäten in der aktuellen Form mit Ende der laufenden Konzertsaison ein. Der Kammermusikpreis der Polytechnischen Gesellschaft bleibt jedoch erhalten.
In den über 65 Jahren seines Bestehens hat der Kammermusikverein zahlreiche junge Künstlerinnen und Künstler, insbesondere aus den Reihen der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK), gefördert. Mit seinem Engagement richtete er sein Augenmerk auf eine sensible Phase im Leben angehender Musiker, die Zeit des Übergangs von der Ausbildung in die Berufstätigkeit. Tim Vogler, Professor für Streichkammermusik an der HfMDK und künstlerischer Leiter des Kammermusikvereins, meint dazu: „Es war nie leicht, in der Musikbranche Karriere zu machen, weder in den 1950er Jahren noch heutzutage. Sie müssen talentiert sein, hart arbeiten und sich von der Konkurrenz abheben. Am Anfang brauchen Sie vor allem gute Gelegenheiten, um Ihr Talent zu zeigen.“ Ziel sei es, so Vogler weiter, den jungen Talenten Möglichkeiten zum professionellen öffentlichen Auftritt zu bieten, durch die sie Erfahrungen mit dem Konzertbetrieb sammeln können. Zur Professionalität gehört unter anderem eine einprägsame Selbstpräsentation und die Entwicklung eines starken eigenen Repertoires.
Als Konzertsaal diente dem Kammermusikverein das Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse in der Neuen Mainzer Straße, das mit seiner qualitätsvollen Architektur, seiner besonderen Atmosphäre, aber vor allem durch seine herausragende Akustik eine ideale Spielstätte darstellte. Mit der Konzertreihe, aber auch mit seinem Engagement im Rahmen des polytechnischen Kammermusikwettbewerbs hat der Verein über die Jahre eine beachtliche Zahl junger Künstler gefördert und unterstützt. Etliche exzellente Ensembles, deren Weg einst beim Kammermusikverein begann, sind heute weit über Frankfurt hinaus erfolgreich, etwa das Aris Quartett, das Eliot Quartett, das Malion Quartett, das Liv Quartett, das Oxalis Quartett, das Fabrik Quartett, das Astraios Quintett, das Hannari Trio oder das Trio Delyria.
Die meist eintrittsfreien Konzerte boten den Menschen in Frankfurt einen niedrigschwelligen Zugang zur Kammermusik. Seit 1970 fanden sie auch regelmäßig im Frankfurter Umland statt. Grundlage dieser erfolgreichen Konzerttätigkeit war die langjährige Kooperation zwischen der Polytechnischen Gesellschaft und der Frankfurter Sparkasse. Die Rahmenbedingungen haben sich zuletzt jedoch stark verändert. Der Verein verfügte nur über eine geringe Zahl eigener Mitglieder und wurde finanziell im Wesentlichen von der Polytechnischen Gesellschaft getragen. Im Zuge einer derzeit laufenden Überprüfung aller Aktivitäten ist die Polytechnische Gesellschaft zu der Entscheidung gelangt, die eigenständige Vereinsstruktur aufzugeben. Zudem wird das Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse künftig nicht mehr zur Verfügung stehen, da das Gebäude in baldiger Zukunft abgerissen werden soll.
Zentrale Inhalte der bisherigen Arbeit, etwa die Förderung junger Musikerinnen und Musiker durch den Kammermusikpreis, sollen jedoch auch künftig fortgeführt werden, erklärt Almut von Tresckow, stellvertretende Präsidentin der Polytechnischen Gesellschaft. „Inwiefern die Polytechnische Gesellschaft künftig ein eigenes Musikprogramm bieten wird, werden wir in den zuständigen Gremien mit interessierten Mitgliedern unserer Gesellschaft diskutieren. Wir wollen unser Engagement auf dem Gebiet der Musik fortführen, aber zugleich berücksichtigen, wie sich die Frankfurter Konzertlandschaft in den letzten 70 Jahren gewandelt hat.“ In der Saison 2026/2027 wird die Konzertreihe von den Polytechnikern in Eigenregie als Teil des polytechnischen Veranstaltungsprogramms weitergeführt. „Wir freuen uns sehr, dass sich mit Prof. Tim Vogler und Stefan Schmitt, dem künstlerischen Leiter der Frankfurter Orchestergesellschaft, zwei im Konzertbetrieb erfahrene Mitglieder unserer Gesellschaft dazu bereit erklärt haben, die Konzerte in der kommenden Saison ehrenamtlich zu betreuen“, so von Tresckow weiter.
Die regelmäßigen Besucherinnen und Besucher der Konzerte des Kammermusikvereins können sich auf der Website der Polytechnischen Gesellschaft für den kostenlosen Versand des Veranstaltungsprogramms anmelden, um über die Konzerttermine ab Herbst 2026 informiert zu bleiben.
Konzert der Preisträger des 28. Kammermusikwettbewerbs der Polytechnischen Gesellschaft am Mittwoch, 6. Mai, 20:00 Uhr im
Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße 49, Frankfurt.
Eintritt frei – um Spenden wird gebeten.
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