Archiv-Kultur

Frankfurter Ensemble schafft neue Kunstform

Was geschieht, wenn Musik nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden kann? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Frankfurter „Ensemble in Transition“, das seit 2021 neue Wege zwischen zeitgenössischer Musik, Gebärdenpoesie und Tanz beschreitet. Das Ensemble entwickelt Aufführungen, die für hörende und taube Menschen gleichermaßen zugänglich sind und dabei eine eigene künstlerische Sprache entstehen lassen.

Gegründet wurde das Ensemble von der Flötistin Désirée Hall in Frankfurt am Main. Gemeinsam mit der Sopranistin Maren Schwier, der Cellistin Larissa Nagel und der tauben Gebärdenpoetin und Tänzerin Kassandra Wedel erforscht sie die Möglichkeiten einer Kunstform, in der Klang, Bewegung und visuelle Sprache gleichberechtigt nebeneinanderstehen. 

Bei einem Konzert im Frankfurt LAB präsentierte das Ensemble Werke, die die Grenzen herkömmlicher Konzertformen bewusst überschreiten. Im Mittelpunkt standen Kompositionen von Alexander Reiff, Gerhard Müller-Hornbach und die Uraufführung von Yukiko Watanabe. Die Aufführungen verbanden musikalische Klänge mit Gebärdensprache und körperlicher Bewegung zu einer vielschichtigen Performance. 

Besonders bemerkenswert ist der Ansatz des Ensembles: Es geht nicht darum, Musik nachträglich für gehörlose Menschen zu übersetzen. Stattdessen werden die Werke von Beginn an so entwickelt, dass sowohl hörende als auch taube Besucherinnen und Besucher eigene Zugänge finden können. Die Gebärdensprache wird dabei nicht als Hilfsmittel verstanden, sondern als eigenständige künstlerische Ausdrucksform. 

Diese Arbeitsweise fordert alle Beteiligten heraus. Die Musikerinnen orientieren sich an Bewegungen und visuellen Signalen, während die Gebärdenpoetin ihre Partien unabhängig von den hörbaren Klängen gestaltet. Das Ergebnis sind Aufführungen, bei denen verschiedene Wahrnehmungsformen miteinander in Dialog treten. 

Désirée Hall sieht darin auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Das Ensemble wolle zeigen, dass die Kulturen hörender und tauber Menschen gleichwertig seien und gemeinsam neue künstlerische Räume schaffen könnten. Die Produktionen bewegen sich daher zwischen Konzert, Performance, Tanz und gesellschaftlichem Diskurs. 

Gerade das teilweise Nichtverstehen wird dabei zum Teil des Erlebnisses. Hörer können nicht jede Gebärde entschlüsseln, taube Besucher nehmen andere Ebenen der Aufführung wahr. Aus diesem Spannungsfeld entsteht eine besondere Form der Begegnung – und eine Kunst, die in Deutschland bislang noch selten zu erleben ist.

Informationen

Ensemble in Transition
Gegründet: 2021 in Frankfurt am Main von Désirée Hall. Das Ensemble verbindet Neue Musik, Gebärdenpoesie und Tanz in inklusiven Performanceformaten. 

Veranstaltungsort
Frankfurt LAB
Schmidtstraße 12
60326 Frankfurt am Main 

Mit seinem innovativen Ansatz zeigt das Frankfurter Ensemble eindrucksvoll, dass Kunst neue Wege der Verständigung eröffnen kann – selbst dort, wo nicht alle dieselbe Sprache sprechen oder hören.