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Frankfurt – Werbehochburg im Wandel der Zeit

Frankfurt am Main war in den 1950er- bis 1990er-Jahren eine der zentralen Werbemetropolen Deutschlands. Internationale Giganten wie Young & Rubicam, J. Walter Thompson, Ted Bates, Saatchi & Saatchi und Ogilvy & Mather prägten die Ära der klassischen Werbung. Sie entwickelten ikonische Printkampagnen und TV-Spots für Marken wie Lufthansa, Henkel, Procter & Gamble, Jacobs, Nestlé und Mercedes-Benz. Damals war Werbung ein Synonym für Kreativität auf Papier, im Radio und im Fernsehen, flankiert von groß angelegten Media-Buchungen.

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Werbeagenturen in Frankfurt am Main, Symbolbild
Foto: Poppe Prompt

Die Umsätze spiegelten die Bedeutung der Branche wider: In den 1990er-Jahren erwirtschafteten deutsche Werbeagenturen insgesamt rund 15 Milliarden Euro, wobei Frankfurt neben Hamburg und München zu den Top-Standorten zählte. Hamburg dominierte mit seiner Nähe zu Konsumgüterkonzernen, München profitierte von Automobilkunden, doch Frankfurt war das Zentrum für Banken und Finanzdienstleister. Wiesbaden spielte ebenfalls eine Rolle: Die dort ansässige Mediaagentur HMS war ein wichtiger Player und betreute unter anderem die traditionsreiche Marke Henkell Söhnlein, die für ihre Sektwerbung berühmt war.

Mit dem digitalen Wandel ab den 2000er-Jahren veränderte sich die Landschaft radikal. Heute sind datengetriebene Strategien, Social Media und Programmatic Advertising die Treiber des Geschäfts. Frankfurt ist weiterhin stark, vor allem durch internationale Netzwerke und spezialisierte Digitalagenturen. Namen wie Scholz & Friends, C3 Creative Code and Content, Mediaminds und Mindmedia stehen für Content-Marketing und digitale Plattformen. Die großen Mediaagenturen haben ihre Macht ausgebaut: Mindshare, Teil der WPP-Gruppe, gehört zu den führenden Akteuren und erzielte 2024 in Deutschland Billings von 1,55 Milliarden Euro, während die Spitzenreiter wie EssenceMediacom sogar über 2,5 Milliarden Euro verbuchten. 

Die Branche ist heute ein Milliardenmarkt: 2024 lag der Gesamtumsatz der Kommunikations- und Werbeagenturen in Deutschland bei rund 27 Milliarden Euro, trotz eines leichten Rückgangs gegenüber dem Vorjahr. Frankfurt behauptet sich im Wettbewerb mit Hamburg und München, wobei Hamburg traditionell stark im Konsumgüterbereich bleibt und München durch Automotive-Kunden glänzt. Frankfurt punktet mit Finanz- und Technologieunternehmen – und mit einer wachsenden Zahl an Digitalagenturen, die KI und datenbasierte Kampagnen in den Mittelpunkt stellen. 

Die Begriffe haben sich gewandelt: Kreativagenturen sind heute Ideengeber für Markenwelten, Mediaagenturen steuern komplexe Buchungen über alle Kanäle, und Digitalagenturen sind die Architekten der Online-Kommunikation. Doch eines bleibt: Frankfurt ist und bleibt ein Hotspot für Werbung – nur die Spielregeln haben sich geändert.