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Letzte Aktualisierung: 05.03.2021

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Frankfurt und Tel Aviv bekennen sich zum gemeinsamen Kulturerbe Moderne

von Ilse Romahn

(10.02.2021) Kulturdezernentin Ina Hartwig und Planungsdezernent Mike Josef sowie ihr Tel Aviver Amtskollege First Deputy Mayor Doron Sapir unterzeichnen anlässlich der 40-jährigen Städtepartnerschaft Frankfurts und Tel Avivs eine politische Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU).

Demnach bekennen sich die beiden Städte zum Kulturerbe der Moderne, das mit dem „Neuen Frankfurt“ und der „Weißen Stadt“ beide Orte bis heute prägt, sowie zu dessen Pflege und Fortentwicklung. Die Unterzeichnung findet im Rahmen der Onlinediskussionsreihe „Kontext, Kontrast, Kontinuität – Erhalt des kulturellen Erbes und Stadtentwicklung“ am Donnerstag, 11. Februar, um 19 Uhr statt, einem Kooperationsprojekt von Deutschem Architekturmuseum, Liebling Haus – White City Center (Tel Aviv-Yafo) und der ernst-may-gesellschaft (Frankfurt am Main) sowie ICOMOS und Do.Co.Mo.Mo Deutschland und Israel. Die vierte Ausgabe der Veranstaltungsreihe widmete sich den Welterbestätten und Welterbekandidaten des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland und Israel.

Kulturdezernentin Hartwig sagt: „Die Moderne ist ein vielschichtiges historisches Phänomen, das die Städte Tel Aviv und Frankfurt auf eine jeweils ganz eigene Weise geprägt hat – nicht nur architektonisch. Sie markierte einen internationalen Aufbruch und schuf die Grundlage unserer heutigen Sozialstaatlichkeit und kulturellen Diversität. Wir wollen dieses Kulturerbe gemeinsam pflegen und weiterentwickeln. Wie lohnend und anregend der Austausch auf diesem breiten Themenfeld sein kann, haben die Diskussionen des Onlinesymposiums ‚Kontext, Kontrast, Kontinutät‘ gezeigt. Das möchten wir mit dem Memorandum of Understanding politisch unterstreichen.“

Planungsdezernent Josef sagt: „Das ‚Neue Frankfurt‘ steht für Weltoffenheit, Internationalität und Fortschritt. Der damalige Oberbürgermeister Ludwig Landmann hat mit seinem Planungsstab um Ernst May in den 1920er Jahren auf dem Feld der Wirtschafts-, Verkehrs- und Wohnungspolitik wichtige Grundlagen geschaffen, auf denen noch heute der Wohlstand unserer Stadt aufbaut. Dieses Erbe möchten wir pflegen und weiterentwickeln. Dazu gehört für mich auch ein intensiver Austausch mit anderen Stätten der Moderne. Ich freue mich, dass der begonnene Dialog mit unserer Partnerstadt Tel Aviv-Yafo mit der Unterzeichnung des Memorandums verstetigt wird.“

First Deputy Mayor Doron Sapir betont die historischen Parallelen des „Neuen Frankfurt“ und der „Weißen Stadt“ in Tel Aviv: „The modern Avant Garde, which was further developed locally to adapt to the climatic conditions of the Levant, originated in Germany and in particular in Frankfurt, aiming to create better living conditions for the society while adapting new available technologies following the Industrial revolution. A prime example of such modernity can be found at the Ernst May estate in the form of the ‚Frankfurt kitchen‘ aiming to serve woman in particular and ease their household work, which transformed a feminist revolution. A similar layout of this new built in ‚Frankfurt Kitchen‘ can be found at the Municipal Max Liebling House which is serving as the ‚White City Center‘for the nominated world heritage, such kitchens can also be seen in almost every other modernist building of the 4000 other modernist buildings of the city. The similarities in design and shape are physical manifest of the many ties the two cities shared over the years.“

Das Memorandum of Understanding umfasst folgende Punkte
Die Städte Tel Aviv-Yafo und Frankfurt am Main nehmen das 40-jährige Jubiläum der gemeinsamen Städtepartnerschaft zum Anlass, folgende Punkte zu vereinbaren:

1. Die beiden Städte Tel Aviv-Yafo und Frankfurt am Main bekennen sich zu ihrem kulturellen Erbe der Moderne. Sie verpflichten sich, die materiellen und immateriellen Zeugnisse der Moderne zu pflegen und weiterzuentwickeln.

2. Die Städte Tel Aviv-Yafo und Frankfurt am Main begreifen die Moderne als ein weltweit relevantes historisches Phänomen mit vielen Bezügen zur Gegenwart. Sie wollen die Vernetzung der historischen Stätten dieses Kulturerbes vorantreiben und dabei die Zusammenarbeit mit Städten wie Haifa und Berlin oder Weimar, Dessau, Stuttgart, Magdeburg und Karlsruhe suchen und intensivieren.

3. Der Austausch zwischen Schulen, Universitäten, kulturellen Einrichtungen, Politik und Verwaltung beider Städte soll unter dem Leitthema „Moderne“ intensiviert werden.

4. Beide Städte richten jeweils eine Anlaufstelle zur Moderne ein. In Tel Aviv-Yafo ist dies das Liebling-Haus, in Frankfurt am Main dienen das Deutsche Architekturmuseum und das Forum Neues Frankfurt als zentrale Anlaufstelle.

5. Beide Städte bemühen sich um eine verlässliche Förderung der Moderne mit langfristiger Perspektive.

6. Beide Städte bemühen sich gemeinsam um die Akquise von Fördermitteln nationaler und internationaler Institutionen.

7. Beide Städte arbeiten eng mit Welterbeberatern der UNESCO wie ICOMOS, DOCOMOMO, etc. zusammen.

8. Im Wechsel sollen Fachsymposien zur Moderne in Tel Aviv-Yafo und Frankfurt am Mainstattfinden.

Im Anschluss an die Unterzeichnung nimmt sich die vierte Onlinediskussion der Veranstaltungsreihe „Kontext, Kontrast, Kontinuität – Erhalt des kulturellen Erbes und Stadtentwicklung“ der Welterbestätten und Welterbekandidaten des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland und Israel an. So werden aus beiden Ländern architektonische und städtebauliche Objekte von Weltrang präsentiert – sowohl eingetragene UNESCO-Stätten als auch mögliche zukünftige Bewerbungen. Gleichzeitig sucht die Veranstaltung Antworten auf die Frage nach positiven (und vielleicht auch negativen?) Impulsen und Langzeitentwicklungen des UNESCO Prädikats für Stadtentwicklung und Baukultur.

Die Veranstaltung wird von Andrea Jürges, Stellvertretende Direktorin des Deutschen Architekturmuseums, moderiert und findet in englischer Sprache statt. Sie wird per Livestream unter https://fb.me/e/1A0SjdEh6 übertragen. Zusätzlich kann der Stream auf dem YouTube Kanal und der Facebook Seite des Deutschen Architekturmuseums abgerufen werden. (ffm)