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Letzte Aktualisierung: 26.02.2020

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Frankfurt und der „Neue Heimat“ – Wohnungskonzern

Planung für DAM-Gebäude schon im Frühjahr?

von Karl-Heinz Stier

(10.02.2020) Der Schwerpunkt unter seinen 13 neuen Ausstellungen für das Jahr 2020 - zugleich zeitgleich die längste Präsentation in diesem Jahr – ist die „Neue Heimat“ (1950 – 1982) – eine sozialdemokratische Utopie und ihre Bauten“.

Bildergalerie
Das DAM-Programm stellten vor: Direktor Peter Cachola Schmal und seine Stellvertreterin Andrea Jürges.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Neue Heimat-Siedlung Kranichstein.
Foto: Hamburgisches Architekten-Archiv
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Interims Oper am Willy-Brandt-Platz
Foto: Academy für Architectural Culture
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DAM-Domizil am Schaumainkai 43
Foto: Moritz Bernoully
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Die Neue Heimat war der größte und bedeutendste nicht-staatliche Wohnungsbaukonzern im Europa der Nachkriegszeit. In einem Zeitraum von über dreißig Jahren hat das Gewerkschaftsunternehmen mehr als 400 000 Wohnungen geplant und ausgeführt. Die Projekte der Neuen Heimat sind sowohl Ergebnis eines einzigartigen Zusammenspiels von wirtschaftlichen Interessen und Politik als auch Ausdruck und Spiegelbild der bundesdeutschen Sozialgeschichte.

 In Frankfurt realisierte die Baugesellschaft unter anderem das Nordwestzentrum, die Heimatsiedlung, das IG-Hochhaus und in Darmstadt die Wohnsiedlung Kranichstein, ein Ernst May-Projekt mit 9 Quartieren, das allerdings über die Verwirklichung von 2 Quartieren nicht hinauskam. „Im Ausland hat sich das Unternehmen u.a. mit dem Bau von französischen Feriendörfern und dem Monaco-Casino eine blutige Nase geholt“, so der Direktor des Deutschen Architektenmuseum (DAM) Peter Cachola Schmal. Ihr skandalträchtiger Zusammenbruch 1982  wirkte wie ein Schock auf die westdeutsche Bevölkerung und markierte das Ende einer Epoche. Die einzelnen Teile des Wohnungsbauunternehmens wurden dann an regionale Gesellschaften weiter vergeben, wie z. B. an die Nassauische Heimstätte. Der soziale Wohnungsbau war dann nach Beschluss der CDU im Bund kein Bestandteil mehr bei den Vermietungen, er wurde sogar abgeschafft - mit der Argumentation, es gäbe ein Überschuss an preisgünstigen Wohnungen. Trotzdem bleibt die Frage: Was war falsch und was richtig an der Gesamtkonstruktion der Neuen Heimat? „Der Ruf war nicht so schlecht wie er mal vor 20 Jahren war, wenn man den heutigen Wohnraummangel analysiert“, meine der Direktor. Die Gesellschaft habe ein eigenes Leben entwickelt und daher  lohne es sich,  dies heute zu analysieren und darüber nachzudenken. Die Ausstellung ist im DAM-Programm von 14. März bis 2. August.

Ein weiteres Frankfurter Thema: sollen die Neuen Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz bleiben und in welcher Form als Sanierung oder Neubau? Darüber hat es in der Mainmetropole bereits viele Diskussionen gegeben. Unter der Leitung des Architekten Prof. Jean Heemskerk haben Studierende des Master Architektur der FRA-AUS Ideen für beide Spielstätten oder auch nur für eine entworfen. Die Entwürfe reichen von der Großskulptur im städtebaulichen Zusammenhang, über Teilsanierung der Theaterdoppelanlage bis zu einem Bühnenhochhaus als weltweites Alleinstellungsmerkmal. Wettbewerb und Ausstellung (25. April bis 24. Mai 2020) wurden vom Dezernat für Kultur und Wissenschaft unterstützt.

Ein weiteres Projekt, das zum Um- und Erweiterungsbau ansteht, ist der Campus Deutsche Bundesbank (16. Juli bis 13. September 2020). Er wird in den kommenden Jahren revitalisiert und durch mehrere Neubauten ersetzt. Auf der Basis eines städtebaulichen Gestaltungsprinzips des Frankfurter Büros Heide Architekten hat die Bundesbank einen EU-weiten Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Dreißig internationale und nationale Büros erarbeiten architektonische Entwürfe für Neubauten auf dem Campus der Bundesbank-Zentrale. In der DAM-Ausstellung werde diese Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Das Playground Project – Architektur für Kinder“  reflektiert Spielplätze. Zwischen 1950 und 1980 war der Spielplatz ein kreatives Labor. In Städten der Industrienationen entstanden innovative, verrückte und aufregende Projekte. Landschaftsarchitekten, Künstler, Aktivisten und Bürger wollten Kindern den besten Spielort zur Verfügung stellen und zugleich Gemeinschaft und Stadt neu denken. Playground Project machte den Reichtum dieser Zeit, also in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebbar - durch Bilder, Modelle, Pläne, Bücher und zahlreiche Filme, aber auch durch Spielskulpturen zum Kriechen, Rutschen und Verstecken. Alle sind willkommen, ob Kinder, Eltern, Spielraumplaner, Pädagogen, Architekten oder Studenten, den Spielplatz von gestern zu entdecken und sich jenen von morgen auszudenken (bis 21. Juni 2020).

Hinzu kommen noch Ausstellungen wie „Architekt Böhm wird 100 – der Beton-Dom vom Neviges“, der DAM-Preis 2020 mit den 26 besten Bauten in/aus Deutschland, Einfach Grün – Greening in the City, der Internationale Hochhaus-Preis und die besten Reihenhäuser 2020.

Selbst betroffen ist das Museum aber auch mit seinem eigenen Gebäude am Schaumainkai 43. 2021 muss die Belegschaft selbst wandern, weil für den Umbau wahrscheinlich noch im Frühjahr der Bauantrag gestellt wird und danach die Ausschreibungen laufen. Für Sanierung und Umbau sind 12 Monate eingeplant. „Wir hoffen, dass es keine weiteren Verzögerungen geben wird und wir das 40jährige Jubiläum 2024 im renovierten Gebäude feiern können“, sagte Direktor Schmal zuversichtlich.

Rückblickend auf das Jahr 2019 zeigte sich das Museum zufrieden. Fast 90 000 Besucher suchten das DAM auf, das zweitbeste Ergebnis seit langem. Der Ausstellungsetat betrug 1,285 000 Millionen Euro, davon wurden selbst erwirtschaftet: 81 % (aus Drittmittel und Einnahmen). Die Eintrittsgelder erbrachten 253 000 Euro, die Stadt Frankfurt schoss 250 000 Euro zu - aus dem Kooperations- und Mobilisierungsfond. Über Spenden, Sponsoring, Zuwendungen von Unternehmen kamen 224 000 Euro zusammen.