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Letzte Aktualisierung: 24.04.2024

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Frankfurt steht an der Seite der iranischen Frauen

von Ilse Romahn

(01.02.2023) Die Solidarität mit der Revolutions-Bewegung und der Wunsch nach dem Ende des Mullah-Regimes im Iran sind ungebrochen. Das wurde am Montag, 30. Januar, bei der Veranstaltung „Frauenrechte und Demokratie“ auf eindrucksvolle Weise deutlich. Die Paulskirche platzte aus allen Nähten, für die letzten, die kamen, blieben nur noch Stehplätze übrig.

Der vollbesetzte Plenarsaal der Paulskirche mit Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner, Frauendezenentin Rosemarie Heilig, Moderator Michel Friedman, Deniz Yücel, EZB-Direktorin Christine Lagarde, Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (v.l.)
Foto: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß
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Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg begrüßte die rund 700 Gäste: „Wir sprechen heute über ein Land, in dem die Barbarei herrscht. Ein Land, das von fanatischen Antisemiten regiert wird. Ein Land, in dem Frauen umgebracht werden, weil sie zwei Haarsträhnen zeigen.“

Eskandari-Grünberg kritisierte die EU-Außenministerinnen und -Außenminister, keine Schritte unternommen zu haben, die Revolutionsgarde auf die Terrorliste zu setzen: „Man kapituliert vor bürokratischen Hürden, während die Menschen im Iran nicht einmal im Angesicht von Folter und Mord kapitulieren. Das ist ein ungeheurer Affront gegen die mutigen Protestierenden im Iran, die jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen.“ Einen Weg zurück zur Normalität könne es nicht geben: „Die Protestierenden fordern keine Reformen oder Konzessionen, sie fordern ein Ende der islamischen Republik. Sie fordern Demokratie und Menschenrechte.“

Unter den Gästen in der Paulskirche waren Vertreterinnen und Vertreter von zivilgesellschaftlichen Vereinen und Initiativen sowie aus Politik, Kultur und Wirtschaft – unter anderem die Direktorin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde.

Als Hauptredner des Abends erklärte der Journalist Deniz Yücel: „Die islamische Revolution ist gescheitert.“ Der Aufstand schließe an vergangene an, erschüttere das Mullah-Regime aber wie kein Protest in den vergangenen 43 Jahren, sagte der frühere Vorsitzende des PEN-Clubs Deutschland. Der Ursprung der Proteste sei die Lage der iranischen Frauen: „Unterdrückt zu sein, ist nicht dasselbe, wie schwach zu sein. Die Frauen des Irans sind unterdrückt, aber nicht schwach. Sie bedürfen der Solidarität, nicht des Mitleids.“

Der Westen, fuhr Yücel weiter, könne die revolutionäre Umwälzung der iranischen Gesellschaft nicht aktiv herbeiführen, jede Komplizenschaft mit dem iranischen Regime müsse jedoch aufgekündigt werden.

„Die frauenfeindliche Staatswillkür in Iran und auch die immer weiter fortgesetzte Entrechtung von Frauen und Mädchen in Afghanistan fordern unsere Solidarität und Unterstützung“, sagte Frauendezernentin Rosemarie Heilig. Der beeindruckende Widerstand, die Kraft und der Mut der Frauen in Iran zeigten aber auch, wie stark gemeinsames und solidarisches Handeln wirken können.

In zwei Panels besprachen Journalistinnen und Künstlerinnen aus dem Iran und der Zivilgesellschaft – Parastou Forouhar, Shahrzad Osterer, Mihan Rusta, Shahnaz Morattab, Nasrin Jalali und Valerio Krüger – die Lage in dem Land und Chancen auf einen Wandel. Die Gesprächsrunden moderierte der Publizist Michel Friedman. Für den musikalischen Rahmen sorgte des Geflüchteten-Orchester Bridges.

Von außen erstrahlte in den Abendstunden ein Schriftzug an der Fassade der Paulskirche: „Frau. Leben. Freiheit. Jin. Jiyan. Azadî.“ (ffm)