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Letzte Aktualisierung: 21.06.2021

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Frankfurt startet Initiative für medizinisches Cannabis

von Bernd Bauschmann

(10.06.2021) In Frankfurt ist es zu schwierig, an Cannabis heranzukommen. Das findet zumindest das Drogenreferat der Stadt. Die Behörde startete kürzlich gemeinsam mit dem Gesundheitsdezernat eine Offensive, die zum Ziel hat, den Cannabiskonsum in der Region zu steigern.

Symbolfoto
Foto: Pixabay / Alissa De Leva
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Ein Novum in Deutschland, schließlich ist es normalerweise Aufgabe des Staates, genau das zu verhindern. Selbstverständlich geht es in diesem Fall nicht darum, die ganze Bevölkerung in einen Rauschzustand zu versetzen. Die Initiative soll vielmehr dazu führen, dass Kranke bei Bedarf besseren Zugang zu medizinischem Cannabis erhalten. Im Zentrum der Bemühungen stehen daher Ärzte und Apotheker. Kürzlich fanden erstmalig Video-Fortbildungen rund um das Thema Cannabis statt. Auch eine Aufklärungswebseite ist Teil des Projekts.

Mangelndes Wissen über Cannabis
Das Thema Cannabis als Medizin steht erst seit einigen Jahren auf dem Studienplan. Viele Ärzte und Apotheker haben daher in ihrer Ausbildung keinerlei Kenntnisse über dieses Thema erhalten. Das ist ein wichtiger Grund für Zurückhaltung beim Thema Cannabis. Zum einen ist der mögliche Nutzen oft nicht bekannt, zum anderen bestehen oft Sorgen, mit den Krankenkassen in Konflikt zu kommen. Das erschwert Patienten den Zugang zu Cannabis erheblich. Dabei ist die Sachlage im Grunde genommen gar nicht kompliziert. Apotheker müssen sich nicht mit der Frage befassen, welche Autoflowering Züchtungen am ertragreichsten sind, ob Indica-Züchtungen den Sativa-Varianten überlegen sind oder welche saisonalen Einflüsse beim Anbau eine Rolle spielen. Denn die Herstellung von medizinischen Cannabis-Produkten ist in Deutschland einigen wenigen Lizenznehmern übertragen. Das sorgt für eine gleichbleibende Qualität. Und auch Ärzte müssen sich keine Sorgen vor rechtlichen Problemen machen, solange sie Cannabis nicht übermäßig oft verschreiben. Denn letztendlich liegt diese Entscheidung in ihrem Ermessen.

Ziel der Initiative
Die städtischen Behörden hoffen zum einen, mit den Fortbildungen zum Thema Cannabis einen Austausch in der medizinischen Gemeinde anzuregen. Zum anderen möchten sie auch Patienten darüber informieren, wann eine Behandlung mit Cannabis sinnvoll sein kann. Dadurch sollen Hemmungen abgebaut werden, denn gerade ältere Patienten scheuen sich nach wie vor, das Thema Cannabis bei ihrem Arzt anzusprechen. Letztendlich sollen alle Beteiligten praxisrelevantes Wissen erhalten, sodass der bedarfsgerechte Einsatz von medizinischem Cannabis voranschreitet. Natürlich geht es dabei nicht nur darum, die Verschreibung von Cannabis zu fördern. Ärzte müssen auch in der Lage sein, Fälle zu identifizieren, in denen Patienten unter einem Vorwand versuchen, an Cannabis zu kommen. Zudem sollten sie auch dafür sensibilisiert werden, unter welchen Umständen eine Behandlung mit Cannabis nicht sinnvoll ist.

Anlaufschwierigkeiten bei medizinischem Cannabis
Auch vier Jahre nach der Einführung von Cannabis auf Rezept ist der Bewusstseinswandel zu dem Thema noch nicht abgeschlossen. Die Krankenkassen lehnen immer noch bei rund einem Drittel aller Anträge die Kostenübernahme für Cannabis ab. Und auch bei der Polizei gibt es bislang keine klaren Richtlinien zum Umgang mit Cannabis-Patienten. Betroffene berichten von häufigen Personenkontrollen. Gelegentlich wird medizinisches Cannabis fälschlicherweise konfisziert, obwohl den Beamten eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt wurde. Die Initiative der Stadt ist daher ein wichtiges Signal, dass die Politik in Frankfurt hinter der Verwendung von medizinischem Cannabis steht. Ob diese Einstellung sich auch auf den Rest der Bundesrepublik ausdehnt, bleibt abzuwarten.