Frankfurt ringt um Alternative zum Obdachlosen-Zeltlager in den Wallanlagen
Seit einer Woche befindet sich in den Wallanlagen hinter dem Hilton-Hotel ein provisorisches Zeltlager für obdachlose Menschen. Auf einer etwa fußballfeldgroßen Fläche innerhalb der historischen Grünanlage wurden sechs große Zelte mit Feldbetten und sanitären Einrichtungen errichtet. Das Notquartier dient rund 100 Menschen als nächtliche Unterkunft. Weiß man wie lange noch?
Auslöser für die Einrichtung des Camps war die kurzfristige Schließung der Übernachtungsmöglichkeit in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor. Dort hatten die Betroffenen bislang übernachten können, bis eine neue brandschutzrechtliche Bewertung die Räumung erforderlich machte. Die Stadt sah sich daraufhin gezwungen, innerhalb kürzester Zeit eine Ersatzlösung bereitzustellen.
Nach Angaben des Sozialdezernats ist das Zeltlager ausdrücklich als Übergangslösung gedacht. Die Stadt bemüht sich intensiv um eine alternative Unterbringung, stößt dabei jedoch auf erhebliche Schwierigkeiten. In den vergangenen Tagen wurden zahlreiche private und städtische Immobilien auf ihre Eignung geprüft. Bislang konnte jedoch kein geeignetes Objekt gefunden werden.
Die Suche gestaltet sich auch deshalb komplex, weil das Sozialdezernat selbst nicht über entsprechende Liegenschaften verfügt und auf die Unterstützung anderer städtischer Bereiche angewiesen ist. Der Magistrat steht nun vor der Aufgabe, gemeinsam eine tragfähige Lösung zu entwickeln, die sowohl den Bedürfnissen der obdachlosen Menschen als auch den Anforderungen des Stadtbildes gerecht wird.
Besonders kritisch wird die Nutzung der Wallanlagen bewertet. Die historische Grünfläche gilt als wichtiger Erholungsraum sowie als bedeutender Bestandteil des Stadtklimas und der städtischen Biodiversität. Eine längerfristige Nutzung durch ein Zeltlager würde die Anlage zusätzlich belasten. Die Wallanlagen stehen zudem unter besonderem Schutz: Die sogenannte Wallservitut aus dem Jahr 1827 bewahrt den historischen Grüngürtel bis heute vor Bebauung.
Innerhalb der Stadtverwaltung besteht Einigkeit darüber, dass die Grünanlage keine dauerhafte Lösung sein kann. Vorrangig gesucht werden Gebäude oder Hallen, die den Betroffenen einen besseren und langfristig verlässlichen Schutz bieten könnten. Gleichzeitig wird eine engere Zusammenarbeit der beteiligten Dezernate gefordert, um geeignete Unterkünfte schneller bereitstellen zu können.
Zwar verfügt Frankfurt insgesamt über rund 600 Übernachtungsplätze für obdachlose Menschen in unterschiedlichen Einrichtungen. Diese sind jedoch überwiegend ausgelastet und teilweise bestimmten Zielgruppen vorbehalten. Eine Verteilung der etwa 100 Menschen aus der ehemaligen Unterkunft am Eschenheimer Tor auf bestehende Angebote erwies sich daher nach Angaben der Stadt nicht als realisierbar.
Damit bleibt das Zeltlager vorerst bestehen – als Notlösung in einer Situation, die den wachsenden Druck auf die bestehenden Hilfsangebote für obdachlose Menschen in Frankfurt deutlich macht.
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