Archiv-Kultur

Frankfurt liest ein Buch: Henry Jaeger, Jakob auf der Leiter

Frankfurt liest ein Buch geht von Montag, 19. April, bis Sonntag, 2. Mai 2027, in eine neue Runde. Das 18. Jahr des Lesefestivals ist auch das Jahr, in dem der Schriftsteller Henry Jaeger vor 100 Jahren in Frankfurt-Bornheim geboren wurde. Grund genug, seinen großen Frankfurt-Roman Jakob auf der Leiter – erstmals 1973 erschienen – in den Mittelpunkt von Frankfurt liest ein Buch 2027 zu stellen.

Mit diesem Buch wollte sich der bis dahin als erfolgreicher Bestsellerautor angesehene Henry Jaeger als ernstzunehmender Schriftsteller etablieren. Stil, Konzeption und Struktur des Jakob-Romans weisen klare Unterschiede zu seinen vorherigen Werken auf. Der Roman spielt weitestgehend in Frankfurt am Main. Die Geschichte taucht ein in die Altstadt, ins alte Bornheim und Ostend, führt zur Offenbacher Schleuse, über die Alte Brücke bis zum Gefängnis Klapperfeld. Beschrieben wird die Zeit von 1927 bis etwa 1970. Jakob wächst, wie Jaeger selbst, in Bornheim unter schwierigen familiären Verhältnissen auf. Parallel schildert Jakob auf der Leiter eindrücklich sowohl die politischen Umwälzungen der Weimarer Zeit als auch das Leben im Arbeitermilieu während der Wirtschaftskrise. Der Wahnsinn des Krieges und der Neubeginn im zerstörten Frankfurt sind ebenso Thema wie die amerikanische Besatzung, die Wirtschaftswunderzeit und die Revolte der 1970er Jahre.

Jakob auf der Leiter beschreibt auf packende Weise ein Stück Zeit- und Stadtgeschichte.

Zum Inhalt: Jakob auf der Leiter (B3-Verlag)

Jakob stirbt. Jakob liegt im Krankenhaus und fantasiert. Wie im Traum zieht sein Leben an ihm vorbei. Personen, Orte, Ereignisse reihen sich scheinbar wirr aneinander. Das Leben Jakobs war das Leben eines Versagers – nichts ist ihm gelungen. Von Kindheit an scheint ihm alles zu missglücken. Er ist weder ein guter Schüler noch wird aus ihm ein ordentlicher Handwerker. Er versagt in der Ehe wie auch als Vater. Beruflich fehlt es ihm an Ehrgeiz und den notwendigen Fähigkeiten. Er wird schließlich Kellner in einer Bar, wo er in dem Amerikaner Jimmy immerhin einen Gefährten findet. Vom Leben hat er sich zurückgezogen.

Gleichzeitig entlarvt Jakob die Anforderungen an ihn als von Menschen erfundene Maximen. Wozu soll er ein guter Schüler sein, weshalb ein gehorsamer Soldat? Wem dienen die vielen Anschaffungen für die Familie, wem sein Erfolg im Beruf?

In einer lakonisch pointierten Sprache wird das einfache Leben von Jakob erzählt. Und je mehr ihm misslingt, je öfter er scheitert, umso deutlicher tritt die Frage hervor, wer über den Erfolg letztlich entscheidet. Unterm Strich steht die Frage nach dem Wert des Menschen. Wie und von wem wird dieser bemessen? 

Der Autor Henry Jaeger, eigentlich Karl-Heinz Jäger, wurde am 29. Juni 1927 in Frankfurt Bornheim geboren. 1944 eingezogen und an die Westfront geschickt, kehrte er nach kurzer Gefangenschaft 1945 nach Frankfurt zurück. Zwischen 1948 bis 1955 war er Kopf der »Jäger-Bande«. 1956 gefasst und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, entstand hinter Gittern sein erster Roman Die Festung, der zu einem Millionenerfolg wird. 1963 begnadigt, arbeitete Jaeger zunächst als Redakteur bei der Frankfurter Rundschau. Ab 1965 lebte er dauerhaft als freier Schriftsteller in Ascona, wo er zum Kreis um Erich Maria Remarque gehörte. Insgesamt verfasste er mehr als 20 Romane, dazu Erzählungen, Reportagen, Drehbücher und Fortsetzungen. Bis zu seinem Tod im Februar 2000 blieb er im Tessin.  

Erste Informationsveranstaltung für Veranstalterinnen und Veranstalter sowie Interessierte findet am Montag, 14. September, 20 Uhr, in der Zentralbibliothek der Stadt Frankfurt, Hasengasse 4, statt.