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Letzte Aktualisierung: 20.09.2021

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Frankfurt gratuliert Ernst Gerhardt zum 100. Geburtstag

„Mit seinem Lebenswerk Frankfurt verpflichtet und von der katholischen Soziallehre geprägt“

von Ilse Romahn

(10.09.2021) Ernst Gerhardt gehörte von 1960 bis 1989 dem hauptamtlichen Magistrat an, zuletzt als Stadtkämmerer. Am Freitag, 10. September, begeht er seinen 100. Geburtstag. Frankfurt ehrt den Stadtältesten und sein Lebenswerk am selben Tag mit einem Empfang in der Paulskirche.

Aus dem Archiv: Oberbürbermeister Peter Feldmann gratuliert Ernst Gerhardt im Jahr 2016 zu dessen 95. Geburtstag.
Foto: Stadt Frankfurt am Main, Foto Bernd Kammerer
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Zu seinen besonderen Verdiensten gehört neben anderen die Schaffung der Museumslandschaft. „Ernst Gerhardt ist ein Grandseigneur der Frankfurter Kommunalpolitik. Die Stadt gratuliert ihm und verneigt sich vor seiner Lebensleistung“, würdigt Oberbürgermeister Peter Feldmann den Jubilar.
 
Der gläubige Katholik wuchs in Bockenheim auf, wo er eine kaufmännische Lehre absolvierte. Die Nazis lehnte er ab und trat nicht in die Hitlerjugend ein. Nachdem er als Soldat aus dem Zweiten Weltkrieg in seine Geburtsstadt zurückgekehrt war, fand er seine politische Heimat bei der CDU. Es war die katholische Soziallehre und ihr prominenter Vertreter Oskar von Nell-Breuning – dieser lehrte in Frankfurt an der philosophisch-theologischen Hochschule St. Georgen – die ihn anzog.
 
„Es war nicht so, dass die anderen mich nicht angesprochen haben, doch die halt am meisten“, erinnerte er sich einmal während einer städtischen Veranstaltung. So verwundert es auch nicht, dass ihm ein kollegialer Umgang mit anderen im Frankfurter Politikbetrieb sehr wichtig war und ist. 1956 wurde er ihn die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Vier Jahre später stieg er in den hauptamtlichen Magistrat auf, zunächst als Dezernent für Gesundheit und Ordnung. Mit fast 30 Jahren in der Stadtregierung nimmt er einen Spitzenplatz in der Amtszeit hauptamtlicher Magistratsmitglieder ein.
 
Gerhardt machte sich zugleich als durchsetzungsstarker Politiker einen Namen und übernahm während seiner Laufbahn verschiedene Dezernate. 1978 wurde er Kämmerer und war fortan für die kommunalen Finanzen verantwortlich. Zusammen mit dem gerade neu ins Amt gekommenen christdemokratischen Oberbürgermeister Walter Wallmann, Kulturdezernent Hilmar Hoffmann und Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf – beide von der SPD – brachte er das Museumsufer und andere Kultureinrichtungen auf den Weg. Er verschaffte den notwendigen politischen und finanziellen Rückhalt. „Das wäre ohne mich nicht zustande gekommen“, erinnerte er sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Während seiner Amtszeit entstanden die Fachwerkhäuser der rekonstruierten Ostzeile auf dem Römerberg und die Alte Oper wurde wiederaufgebaut.
 
Gerhardt ging 1990 nach dem Ablauf der Amtszeit in den Ruhestand. Im gleichen Jahr erhielt er für seine kommunalpolitischen Verdienste für Frankfurt den Titel „Stadtältester“.  Der neue Lebensabschnitt bedeutete nicht das Ende seines politischen Wirkens. Er blieb der Stadt, ihren Institutionen und seiner Partei auf vielfältige Art und Weise verbunden. Die Aussöhnung mit Israel und die Städtepartnerschaft Frankfurts mit Tel Aviv liegen ihm besonders am Herzen. Er unterstützt die dortige Universität aktiv, die ihm als Anerkennung für seine Verdienste die Ehrendoktorwürde verlieh. „Mit seinem Lebenswerk Frankfurt verpflichtet, von der christlichen Soziallehre geprägt und aus Überzeugung weltoffen“, beschreibt Oberbürgermeister Peter Feldmann den Stadtkämmerer a.D. und dankt ihm für seine Verdienste. (ffm)