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Letzte Aktualisierung: 16.04.2024

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Frankfurt gedenkt der Opfer der Luftangriffe auf die Stadt im März 1944

von Ilse Romahn

(20.03.2024) Zwischen dem 19. und dem 22. März 1944 erfolgten die wohl schwersten Luftangriffe auf Frankfurt am Main, denen rund 1000 Menschen zum Opfer fielen und die nahezu die gesamte Altstadt zerstörten. Sie jähren sich in diesem Jahr zum 80. Mal.

Oberbürgermeister Mike Josef sagt: „5559 Menschen starben während des Zweiten Weltkriegs bei Luftangriffen auf Frankfurt, unsere Stadt gehörte zu den am schwersten bombardierten deutschen Kommunen überhaupt. Wenn wir heute dieser Opfer gedenken, können wir dies aber nicht tun, ohne an die Opfer des Endkriegs in ganz Europa zu erinnern. Dieser Krieg wurde vom nationalsozialistischen Deutschland begonnen, der Zerstörung Frankfurts gingen beispiellose Angriffe der deutschen Luftwaffe voraus. Wer heute die Frankfurter Bombenopfer instrumentalisiert, um sie gegen die Opfer des nationalsozialistischen Angriffskrieges aufzurechnen und diesen Krieg zu relativieren, handelt infam und geschichtsvergessen. Auch aus diesem Grund gedenkt Frankfurt diesem Jahrestag dezentral und in Formaten, die keinen Raum lassen für revisionistischen Pathos.“
 
Zahlreiche Veranstaltungen erinnern an diesen stadthistorischen bedeutenden Jahrestag. So lädt der Magistrat am Freitag, 22. März, um 10 Uhr zu einer kurzen Gedenkstunde ein. Oberbürgermeister Josef wird an der im letzten Jahr neu verlegten Bodengedenkplatte sprechen, Stadtrat Christian Setzepfandt erläutert das historische Geschehen und bietet im Anschluss an die Veranstaltung eine entsprechende Führung durch die Altstadt an. Die Gedenkstunde wird musikalisch gerahmt durch die Musikschule Frankfurt. Treffpunkt ist die Bodengedenkplatte am Domplatz zwischen Domturm und dem Haus Goldene Waage. Seit 1978 erinnert eine Gedenkplatte an die Bombardierungen Frankfurts während des Zweiten Weltkriegs und die damit verbundenen Opfer und Zerstörungen, ursprünglich war sie auf dem Römerberg, zuletzt vor dem technischen Rathaus verlegt. Nach Fertigstellung der neuen Altstadt beschloss der Magistrat 2019, die Gedenkplatte nahe des Doms neu zu verlegen und mit einem ergänzenden Ring aus Metall einzufassen, der darauf hinweist, dass die Luftangriffe Folge eines von Deutschland entfesselten, globalen Vernichtungskrieges waren.
 
Weitere Veranstaltungen in der Stadt erinnern zwischen dem 18. und dem 22. März an die Ereignisse im März 1944:
Am Mittwoch, 20. März, gibt es um 18 Uhr eine Andacht an der Bodengedenkplatte, die von der Evangelischen Sankt Paulsgemeinde, dem Dommuseum und der Dompfarrei Sankt Bartholomäus veranstaltet wird und vom Blechbläserquintett „High Five“ der Frankfurter Bläserschule unter der Leitung von Sunhild Pfeiffer musikalisch gestaltet wird. Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff wird für den Magistrat teilnehmen. Im Gemeindehaus der Sankt Paulsgemeinde, Hinter dem Lämmchen 8, ist dazu ein kurzer Film, unter anderem mit Fotos der zerstörten Altstadt, zu sehen. Eine Zeichnung der Künstlerin Lina von Schauroth zeigt die Ruine der Paulskirche unmittelbar nach dem Krieg.
Für Freitag, 22. März, 21 Uhr, laden die evangelische und katholische Kirche zu einem Gedenkgottesdienst in den Dom Sankt Bartholomäus am Domplatz ein, der vom katholischen Stadtdekan Johannes zu Eltz und dem evangelischen Stadtdekan Holger Kamlah gehalten wird.
Zum historischen Zeitpunkt des Bombenangriffs am 22. März ab circa 21.40 Uhr läuten die Glocken der Paulskirche für rund 15 Minuten, um des Angriffs zu gedenken.
Von Montag, 18. März, bis zum Sonntag, 16. Juni, ist in der Kaiserpfalz franconofurd die Ausstellung „18. März 1944: Zerstörung eines Museums“ zu sehen. Beim Luftangriff der britischen Royal Air Force am 18. März 1944 wurde das Dominikanerkloster, in dem seit 1937 das „Museum für heimische Vor- und Frühgeschichte“ untergebracht war, fast vollständig zerstört. Die Präsentation stellt die Geschichte des Museums, die Auswirkungen der Zerstörung, das Schicksal der Karmeliterkirche – heutiger Standort des Museums – und die Archäologie des Luftkrieges vor.
Bereits am 18. März machte eine Vorführung von Originalfilmen im Institut für Stadtgeschichte die immense Zerstörung der Stadt anschaulich. Eine anschließende, von Matthias Alexander, FAZ, moderierte Podiumsdiskussion mit Prof. Christoph Cornelißen, Goethe Universität Frankfurt; Jun.-Prof. Nicole Kramer, Universität zu Köln; Stadtrat Bernd Heidenreich und Niklas Schörnig, Peace Research Institute Frankfurt, widmete sich Reaktionen der NS-Führung und der Bevölkerung auf den Bombenkrieg sowie der späteren Erinnerung an das Geschehen und schlug einen Bogen zu heutigen Konflikten. (ffm)