Frankfurt bleibt Europas Datenmotor
Hessen baut seine Rolle als führender Rechenzentrumsstandort in Kontinentaleuropa weiter aus. In Frankfurt stellten Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus sowie Vertreter von DE‑CIX, der IHK Frankfurt und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände die Ergebnisse der neuen Agenda „Rechenzentren in Hessen“ vor.
Ziel ist es, den Standort strategisch zu stärken – von Flächenplanung über Energieversorgung bis zur Fachkräfteentwicklung.
Frankfurt ist dabei das Herzstück: Rund 60 Prozent aller deutschen Rechenzentrumsleistungen konzentrieren sich im Rhein‑Main‑Gebiet. Mehr als 70 große Rechenzentren befinden sich allein im Frankfurter Stadtgebiet, hinzu kommen über 600.000 Quadratmeter IT‑Fläche im Umland. Die Branche beschäftigt in Hessen direkt und indirekt über 20.000 Menschen – von IT‑Technikern über Energieexperten bis zu Sicherheitsdiensten.
Der Energiebedarf ist enorm: Rechenzentren im Großraum Frankfurt verbrauchen jährlich rund 4 Terawattstunden Strom, was etwa dem Bedarf einer Großstadt wie Mainz entspricht. Gleichzeitig versorgen sie weltweit Millionen Nutzerinnen und Nutzer – von Cloud‑Diensten über Streaming bis zu KI‑Anwendungen. Frankfurt ist zudem Heimat des DE‑CIX, des weltweit größten Internetknotens nach Datenvolumen.
„Latenz ist eine neue Währung“
Digitalministerin Sinemus betonte die strategische Bedeutung der Branche:
„Rechenzentren sind das Fundament der Digitalisierung, Motor für Innovation und für wirtschaftliches Wachstum.“
Der weltweite Bedarf an Rechenleistung steige rasant, insbesondere durch KI und Quantentechnologien. Hessen müsse daher seine Infrastruktur weiter ausbauen, um im globalen Wettbewerb nicht zurückzufallen.
Laut Bitkom wird die Leistung deutscher Rechenzentren 2026 erstmals die Marke von 3.000 Megawatt überschreiten – ein Drittel davon entfällt auf Frankfurt. Bis 2030 soll sich die Kapazität bundesweit verdoppeln, die KI‑Leistung sogar vervierfachen.
Doch der Ausbau stößt zunehmend an Grenzen: fehlende Flächen, begrenzte Netzanschlüsse, langwierige Genehmigungen. Die Agenda sieht deshalb ein landesweites Potentialflächenkataster, standardisierte Musterverträge für Kommunen sowie einen Musterbebauungsplan vor. Zudem sollen Energieanbindung und Abwärmenutzung verbindlicher geregelt werden.
Frankfurt als globales digitales Ökosystem
Ivo Ivanov, CEO des DE‑CIX, unterstrich die internationale Bedeutung des Standorts:
„Die Rechenzentrumsstrategie Hessens ist ein wichtiger Impuls, um die Position von Frankfurt und dem Rhein‑Main‑Gebiet als eines der weltweit führenden digitalen Ökosysteme weiter zu stärken.“
Er verwies darauf, dass erst die Kombination aus Rechenzentren und leistungsfähiger Konnektivität echte digitale Souveränität ermögliche.
Auch die Wirtschaft fordert verlässliche Rahmenbedingungen. Die IHK Frankfurt betont, dass Flächen mit gesicherter Stromversorgung entscheidend seien, während die VhU wettbewerbsfähige Energiepreise und schnellere Genehmigungen verlangt.
Kommunen im Fokus – und Frankfurt als Modellregion
Die hessische Agenda setzt bewusst auf einen „bottom‑up“-Ansatz: Kommunen, Betreiber, Energieversorger und Industrie wurden in Workshops und Dialogformaten eingebunden. Frankfurt spielte dabei eine zentrale Rolle – hier startete bereits 2025 die Auftaktveranstaltung mit über 100 Teilnehmern.
Mit dem bestehenden Rechenzentrumsbüro und dem Leitfaden zur nachhaltigen Ansiedlung verfügt Hessen schon heute über Strukturen, die bundesweit als Vorbild gelten. Bis Juni soll die finale Agenda vorliegen.
Für Frankfurt bedeutet dies: Der Standort soll weiter wachsen – aber geordnet, energieeffizient und im Einklang mit Stadtentwicklung und Klimazielen. Denn eines ist klar: Ohne die Rechenzentren des Rhein‑Main‑Gebiets würde Europas digitale Wirtschaft stillstehen.
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