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Fliegende Künstler machen Zwischenlandung

Die fliegenden Künstler Janosch Feiertag, Dawid Liftinger, Sophia Mix, Ghaku Okazaki und Damaris Wurster machen eine Zwischenlandung im Crespo Open Space in Frankfurt. Sie zeigen rund 30 Arbeiten, die während ihres Aufenthalts als Artists-in-Residence in den fliegenden Künstlerzimmern in Pohlheim, Wolfhagen, Battenberg, Wehretal-Reichensachsen und Nidda entstanden sind.

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Ausstellung „Zwischenlandung"
Foto: Crespo Foundation

Während ihrer ein- bzw. zweijährigen Residency an Schulen im ländlichen Raum Hessens haben sich die fünf fliegen­den Künstler gemeinsam mit den Schulklassen mit Fragen zu Identität, Lebenswirklich­keit und künstlerischem Ausdruck auseinander gesetzt. Die Ergebnisse dieses gemeinsamen Prozesses sind in der Ausstellung „Zwischenlandung“ von Freitag, dem 29. August 2025, bis Sonntag, dem 14. September 2025, im Crespo Open Space zu sehen.

„Zwischenlandung heißt: innehalten, wahrnehmen, Kraft schöpfen – bevor die Reise weitergeht“, sagte Erik Gebbert, Projektreferent der Crespo Foundation im Programm „Das fliegende Künstlerzimmer“, anlässlich der Ausstellungseröffnung am Don­nerstag, dem 28. August 2025, im Crespo Open Space in Frankfurt. Die Arbeit in einem neuen Umfeld, jenseits des gewohnten Ateliers oder der vertrauten Strukturen, bringe für viele Künstler neue Perspektiven mit sich. Die Begegnungen mit den Schülern, der Austausch und das gemeinsame Arbeiten verlangten nicht selten ein Umdenken – eine Möglichkeit, die eigene Praxis zu hinterfragen, zu erweitern und neue Verbindungen zu schaffen, so Gebbert weiter. Die rund 30 ausgestellten Arbeiten reflek­tieren dieses wechselvolle Verhältnis der eigenen künstlerischen Positionen und dem ländlichen Raum, in dem die fliegenden Künstler wirken bzw. gewirkt haben.

Die Schaufenster-Gestaltung des Crespo Hauses etwa erinnert an ein Modeatelier. Ge­meinsam mit den Schulkindern der Adolf-Reichwein-Schule hat der fliegende Künstler Janosch Feiertag eine Modekollektion entworfen, die textile Arbeiten mit eigenen Grafi­ken und Illustrationen kombiniert. Im Fenster nebenan sind Collagen von Motorrädern und Mopeds zu sehen. Die ortsspezifische Arbeit von Dawid Liftinger, entstanden in Zusammenarbeit mit den Schülern der Walter-Lübcke-Schule in Wolfhagen, be­schäftigt sich mit Mobilität aus der Perspektive junger Menschen. Durch ihre von außen sichtbaren Arbeiten ermöglichen die beiden Künstler einen Zugang zu künstlerischen Prozessen jenseits der oft exklusiven Kunstkontexte. Das Crespo Haus und der Open Space sind dabei Orte der Begegnung und des Austauschs – offen für alle Teile der Stadtgesellschaft.

In den aktuellen Arbeiten der interdisziplinären Künstlerin Sophia Mix geht es um ihre Diskussionen über Religions- und Kunstfreiheit mit Schülern und Lehrkräften an der Gesamtschule Battenberg. Gegenüber ihren eigenen Arbeiten, in denen sie sich mit feministischer Kritik an patriarchalen Strukturen in der Religion beschäftigt, steht eine Soundarbeit, die die thematische Auseinandersetzung der Jugendlichen widerspiegelt. In Ergänzung dazu bot Mix den Schulkindern Raum für eigene praktische Experimente mit plastischen Skulpturen, wie beispielsweise beim Anfertigen von Weidenreusen oder Cyanotypien auf Kissenbezügen.

Mithilfe von Malerei, Skulptur und Installation führt Ghaku Okazaki in eine Welt jenseits von Binaritäten und einengenden Dualismen. Seine Arbeiten sind farbenfroh, authen­tisch und unverstellt. Inspiriert von japanischer Philosophie hinterfragt Okazaki dabei die starre Trennung zwischen Natur und Kultur. Neben Gemälden, die maßgeblich wäh­rend seiner Residency entstanden sind und seine künstlerische Entwicklung sowie den Austausch mit den Schülern widerspiegeln, zeigt Okazaki auch ein mit einer Klasse der Paul-Moor-Schule angefertigtes Gemeinschaftsbild.

Mit einer Rauminstallation im Untergeschoss des Crespo Hauses führt die Künstlerin Damaris Wurster in die Geschichte des erdähnlichen Planeten X179 ein, dessen Bewohnern von ihrer eigenen künstlichen Intelligenz ausgelöscht wurden. Angesichts der jüngsten Nachrichten chemischer Verbindungen auf dem Exoplaneten K2-18b, die auf der Erde bislang nur von lebenden Organismen produziert werden, wirkt Wursters Zu­kunftsszenario erschreckend nah. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine kollaborative Arbeit, in der Wurster den Schülern der Gesamtschule Nidda ihren künstlerischen Prozess der digitalen Zersetzung von Videomaterial zugänglich machte.

www.fliegendes-kuenstlerzimmer.de