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Finanzberater und ihre Aufgaben: Welche Tätigkeiten erbringen die Finanzexperten?

In der Finanzmetropole Frankfurt am Main wird das Berufsbild des Finanzberaters noch deutlich stärker als in anderen Teilen Deutschlands oder Europas gefragt sein: Nicht grundlos, denn der Kapitalmarkt, mit all seinen unterschiedlichen Instrumenten und Fallstricken, kann speziell Laien schnell überfordern. In dieser Problemlösung fußt zugleich das Tätigkeitsfeld von Finanzberatern.
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Foto: Unsplash / micheile henderson

Allgemeines zum Tätigkeitsfeld und der Ausübung

Im Deutschen heißen sie "Finanzberater", im internationalen Raum "Financial Advisors" - und ihre Arbeit üben diese Finanzexperten entweder auf selbständiger, freier Basis oder als Angestellter in einem Unternehmen der Finanzbranche aus, seltener stellen auch internationale Konzerne abseits des Finanzwesens derartige Experten an. Zu den häufigsten Arbeitgebern gehören beispielsweise Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften oder Vermögensverwalter. Der Kundenstamm von solchen Experten beschränkt sich nicht nur auf Privatpersonen, auch Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen könnten sie betreuen, ebenso wie Vereine und Stiftungen.

Ebenfalls wichtig zu wissen: Es gibt in Deutschland keinen einheitlichen Ausbildungsweg dafür. Stattdessen durchlaufen die meisten Finanzberater entweder eine kaufmännische Ausbildung oder ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. Quereinstiege sind aber ebenso denkbar, dann sollte man aber schon entsprechende Referenzen und Berufserfahrung mitbringen - schließlich muss ein Finanzberater auch ein gewisses Maß an Vertrauen von seinen Klienten einfordern, wenn er über finanzielle und wirtschaftliche Entscheidungen berät.

Aufgaben eines Finanzberaters

Das Aufgaben- und Tätigkeitsfeld leitet sich von den sogenannten "Hard Skills" und den "Soft Skills" ab. Letztere umfassen beispielsweise Beratungstalent, aber auch Empathie, Geduld und Flexibilität. Insbesondere bei einem Kundenkreis, der hauptsächlich aus Privatpersonen besteht, werden viele Laien mitunter nicht auf Anhieb verstehen, warum eine bestimmte die richtige Entscheidung ist. Der Finanzberater muss also auch gewisse rhetorische Fähigkeiten mitbringen, um komplexe finanzielle Zusammenhänge und Entscheidungen gegenüber Laien nachvollziehbar und verständlich zu erläutern.

Die "Hard Skills" meinen das konkrete Fachwissen, das ein Finanzberater mitbringen muss. Er muss die teils hochkomplexen Produkte am Kapitalmarkt verstehen, in der Lage sein Probleme zu lösen und Risiken aufschlüsseln. Des Weiteren ist natürlich ein allgemeines Interesse an Kapitalmärkten sowie der Wirtschafts- und Finanzpolitik empfehlenswert, ebenso wie mindestens grundsolide mathematische Fähigkeiten.

Allgemein gesprochen gehören zu den essenziellen Aufgaben diese:

  • Aufklärung über unterschiedliche Finanzprodukte, welche Aufgabe diese erfüllen, welches Risiko damit übernommen wird und warum sich ein bestimmtes Produkt lohnt oder nicht lohnt
  • auch Kredite als Finanzberater vermitteln gehört zum täglichen Berufsalltag
  • Konzepte zur Baufinanzierung oder beispielsweise Altersversorge (auch in Bezug auf Schließung der Rentenlücke) entwickeln
  • aufklärend zum Thema Brutto-Netto-Management tätig sein
  • Vermögenspläne erstellen und beraten, wie Vermögen vermehrt oder dessen Kaufkraft erhalten werden kann

Finanzberater, die auch Institutionelle oder privatwirtschaftliche Unternehmen beraten, müssen typischerweise noch mehr Fachwissen und Erfahrung mitbringen, da die dort genutzten Instrumente einerseits weitaus komplexer sind und andererseits die größeren Kapitalsummen besondere Anforderungen mitbringen. Auch da könnte der Finanzberater verschiedene Kreditprodukte vermitteln, zum Beispiel für eine Finanzierung der Gewerbeimmobilie, oder individuelle Finanzierungspläne entwerfen, um eine Finanzierung aus Unternehmenssicht wirtschaftlich und steuerlich vorteilhaft zu strukturieren.

Szenarien, in denen ein Finanzberater aktiv wird

Der Kapitalmarkt ist ebenso vielfältig wie Anliegen aus dem Finanzsektor oder der Wirtschaft. Entsprechend vielfältig sind auch die tatsächlichen Szenarien in der Praxis, mit denen sich Finanzberater konfrontiert sehen. Eine Schlüsselrolle spielt hierbei auch die persönliche und fachliche Ausrichtung des Finanzberaters. Selten übernehmen diese pauschal jede erdenkliche Aufgabe, die in irgendeinem Zusammenhang mit dem Kapitalmarkt steht - dafür ist das Themenfeld schlicht zu umfassend und die benötigte Expertise zu tiefgreifend.

Deshalb haben die meisten Finanzberater auch bestimmte Themenfelder, auf die sie sich in ihrer eigentlichen Arbeit konzentrieren. Welche das in der Praxis sind, bestimmt schon die Ausrichtung der Klienten - ob es sich beispielsweise um Privatpersonen, Stiftungen, Banken oder Unternehmen handelt, vielleicht aber auch um sehr vermögende Individuen.

Der klassische Finanzberater - mit Hauptfokus auf Privatkunden

Das Gros der Finanzberater steht Privatverbrauchern Rede und Antwort. In Form einer freiberuflichen, unabhängigen Tätigkeit, können diese Experten einen umfassenden Überblick über den Markt und seine Möglichkeiten liefern, ohne ganz konkret an die Produkte eines einzelnen Unternehmens gebunden zu sein. Das ist ein Vorteil gegenüber festgebundenen Maklern, zum Beispiel aus der Versicherungsbranche, die dann nur Produkte der jeweiligen Versicherung vermitteln würden.

Finanzberater beraten Privatpersonen beispielsweise, wie sie ihr Kapital gewinnbringend anlegen. Dabei geht es auch darum zu berücksichtigen, wie viel Risiko die jeweilige Person übernehmen möchte, welche Ziele diese verfolgt und für welche Marktinstrumente die jeweilige Summe überhaupt geeignet ist. Bei solchen Finanzberatern liegt der Schwerpunkt dann auf der Anlage- und Vermögensberatung. Damit können sie Privatpersonen zum Beispiel helfen, eine größere Anschaffung oder Kapitalanlage korrekt zu finanzieren. Außerdem könnten solche Berater Produkte empfehlen, die für finanzielle Unabhängigkeit im Alter sorgen oder die zu erwartende Rentenlücke schließen.

Finanzberater können auch bei der Restrukturierung von Schulden helfen, wobei sie nicht konkret Schuldenberater sind. Ihre Aufgabe ist weniger, hochverschuldeten Menschen einen Ausweg aufzuzeigen, sondern eher für vermögende Personen Schulden steuereffizient und wirtschaftlich zu strukturieren. Speziell mit Hinblick auf die jüngst gestiegenen und noch immer steigenden Leitzinsen der EZB dürften derartige Restrukturierungen fortan wieder gefragter sein.

Finanzberater mit Fokus auf Corporate-Transaktionen

Diese Finanzberater haben Unternehmen oder Institutionelle als Kunden, seltener Privatpersonen - und falls doch, dann nur solche mit großem Vermögen oder einem eigenen Unternehmen. Sie beraten beispielsweise zum Kauf und Verkauf von Unternehmen, sind also im Private Equity Geschäft tätig. Dabei ist auch deren Aufgabe, Bewertungsmodelle zu erstellen und zu analysieren und zum Beispiel potenzielle Käufer oder Investoren auszuloten.

Eng damit verwandt sind Finanzberater, die sich auf Mergers & Acquisitions spezialisieren. Sie bieten Unternehmern und Unternehmen die Möglichkeit, eine Übernahme voranzubringen oder suchen nach geeigneten Investoren. Auch Fusionierungen zwischen mehreren Unternehmen betreuen sie, das aber natürlich nicht komplett in Eigenregie. Im Zuge von M&A-Tätigkeiten arbeiten Finanzberater eng mit den Vertretern des jeweiligen Unternehmens, Steuerberatern, Fachanwälten und anderen Experten ihres Fachs zusammen.

Derartige Finanzberater müssen aufgrund ihres gewählten Tätigkeitsfelds offensichtlich sehr tiefgreifende Kenntnisse mitbringen. Teilweise kommen freie Finanzberater und -experten daher auch mit entsprechender Erfahrung im Investmentbanking oder haben beispielsweise bei Fondsgesellschaften oder Ratingagenturen gearbeitet. Allgemein tätige Finanzberater, deren Hauptfokus auf Privatverbrauchern liegt, können bei solchen komplexen Vorgängen hingegen keine nennenswerte Hilfe abgeben, da ihnen dazu schlicht die Expertise fehlt.

Finanzberater ist ein Beruf mit vielen Facetten

Schon aufgrund der Komplexität ist es nicht verwunderlich, dass Finanzberater in der Praxis in unterschiedlichen Ausprägungen existieren. Wer sich mit einem bestimmten Anliegen an einen Finanzberater wenden möchte, muss daher auch sicherstellen, dass dieser die nötige Expertise und Erfahrung in dem jeweiligen Themenfeld mitbringt. Des Weiteren sollte das praktische Wissen des Finanzberaters auch gegenüber Privatpersonen einen echten Mehrwert generieren, damit diese ihr Honorar tatsächlich wert sind und rechtfertigen - zumal mittlerweile immer mehr, vor allem junge Menschen, durchaus einigermaßen grundlegende Kenntnisse bezüglich des Kapitalmarkts haben.