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Letzte Aktualisierung: 30.09.2020

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Felicitas Hoppe erhält Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

von Ilse Romahn

(07.09.2020) Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe wird im Jahr 2021 mit dem „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ ausgezeichnet.

Felicitas Hoppe
Foto: Sven Heine
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Der Preis, vergeben von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel, ehrt die Autorin für ihren feinen Humor, der als Haltung zur Welt und Quelle der Einbildungskraft ihrem einzigartigen Werk zugrunde liegt. Dies gab Oberbürgermeister Christian Geselle jetzt bekannt und beendete damit die Geheimhaltung der bereits Anfang März getroffenen Wahl. 

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“, gestiftet von dem Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner, wird seit 1985 jährlich vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und zeichnet Autoren und Autorinnen aus, deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Humor, Komik und Groteske geprägt ist. Der erste Preisträger war Loriot; nach ihm wurden z.B. Ernst Jandl, Irmtraud Morgner, Herbert Achternbusch oder Sibylle Berg und zuletzt Heinz Strunk ausgezeichnet. 

Die Preisverleihung findet, so wie die Corona-Pandemie es zulässt, am 27. Februar 2021 im Kasseler Rathaus statt. Die Laudatio auf Felicitas Hoppe hält der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Steffen Martus. 

Wer den mit 3000 Euro dotierten und auf Vorschlag von Verlagen vergebenen „Förderpreis komische Literatur“ erhält, wird im Oktober bekannt gegeben. Die Kasseler Sparkasse unterstützt den Preis großzügig. 

Begründung des Stiftungsrates
„Felicitas Hoppes einzigartigem und vielfältigem Oeuvre liegt auf allen Ebenen des Schreibens Humor als Haltung zur Welt und als Quelle literarischer Einbildungskraft zugrunde. Ihre faszinierende poetische Beweglichkeit hat sagen- und märchenhaft verdichtete Geschichten hervorgebracht, die von „Picknick der Friseure“ bis „Prawda“ reichen. Gelehrt und vergnüglich werden dabei viele volkstümliche und hochliterarische Traditionen eingeflochten und fortgesponnen. So wird erzählt und zugleich gewitzt gezeigt, wie Erzählen vor sich geht. Komik ist dabei Mittel zur Distanzierung wie zum Lustgewinn, fein dosiert und doch reichhaltig eingesetzt, ob nun als ironische Metafiktion, als Sprach-, Figuren- oder Situationskomik oder auch bloß als Kalauer. Das Grotesk-Komische und mit ihm Verfremdung und Verrätselung bescheren dem Lesepublikum eine entschleierte und erfrischte Wahrnehmung, ein waches Staunen bei der Erkundung von Fiktionen und Wahrheiten: Der groteske Humor von Felicitas Hoppes Sprachkunst eröffnet auf ausgesprochen zugewandte Weise einen neuen Zugang zur Lebenskunst.“ 

Felicitas Hoppe wurde am 22. Dezember 1960 in Hameln geboren, studierte Literatur, Rhetorik und Religionswissenschaft sowie Italienisch und Russisch in Tübingen, Berlin und an der University of Oregon. Sie lebt in Berlin und Leuk. Sie veröffentlichte Erzählungen, Romane, Kinderbücher, Feuilletons sowie Übersetzungen als eine der Klügsten und Beweglichsten unter den Autorinnen und Autoren der deutschen Literatur. Das gilt neben der Dichtung ebenso für den Diskurs bei ihren verschiedenen Gastprofessuren in Deutschland, den USA und China. So hatte sie im Jahr 2019 auch die „Brüder-Grimm-Poetikprofessur“ der Universität Kassel inne. Felicitas Hoppes humoristisches und selbstbezügliches Erzählen manifestierte sich brillant schon in dem mit dem „Aspekte-Literaturpreis“ ausgezeichneten Band „Picknick der Friseure“ (1996). Es entwickelte sich in ihren Romanen weiter, die u.a. Reise- oder Märchenmotive wie auch historische Stoffe verarbeiten wie „Pigafetta“ (1999), „Paradiese, Übersee“ (2003), „Johanna“ (2006), der Jugendroman „Iwein Löwenritter“ (2008) oder zuletzt „Prawda. Eine amerikanische Reise“ (2018). Außergewöhnlich ist dabei das changierende Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit, das vor ihrer eigenen Person nicht halt macht, wie ihre fiktive Autobiografie „Hoppe“ (2012) oder auch der Film „Felicitas Hoppe sagt“ (2018) zeigen. Für ihr Werk, das vornehmlich im S. Fischer-Verlag erscheint, erhielt sie hohe literarische Würdigungen, so im Jahr 2012 den Georg-Büchner-Preis. Anfang August wurde bekannt, dass sie im Oktober 2020 auch mit dem erstmals vergebenen „Großen Preis des deutschen Literaturfonds“ ausgezeichnet wird. 2016 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Leuphana Universität Lüneburg.  

„Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ und „Förderpreis Komische Literatur“
Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wurde der Stadt Kassel von der Stiftung Brückner-Kühner zum Geschenk gemacht und erstmals 1985 vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird deutschsprachigen Autor*innen (im ersten Jahrzehnt des Preises auch Literaturwissenschaftler*innen) zugesprochen, deren Werk sich auf hohem künstlerischen Niveau durch Humor, Komik und Groteske auszeichnet. Folgende Personen erhielten die Kasseler Auszeichnung: Loriot, Eike Christian Hirsch, Ernst Jandl, Wolfgang Preisendanz, Irmtraud Morgner, Ernst Kretschmer, Robert Gernhardt, Walter Hinck, Christoph Meckel, Volker Klotz, Hanns Dieter Hüsch, Karl Riha, Max Goldt, Franzobel, Ingomar von Kieseritzky, Peter Bichsel, George Tabori, Franz Hohler, Eugen Egner, Ror Wolf, Katja Lange-Müller, Gerhard Polt, F.W. Bernstein, Peter Rühmkorf, Herbert Achternbusch, Thomas Kapielski, Ulrich Holbein, Wilhelm Genazino, Dieter Hildebrandt, Frank Schulz, Wolf Haas, Karen Duve, Eckhard Henscheid, Sibylle Berg und zuletzt Heinz Strunk. 

Den gleichzeitig vergebenen „Förderpreis Komische Literatur“ in Höhe von 3000 Euro, gefördert von der Kasseler Sparkasse, erhielten Frank Schulz, Jochen Schmidt, Tilman Rammstedt, Jess Jochimsen, Philipp Tingler, Michael Stauffer, Rebekka Kricheldorf, Jan Neumann, Tino Hanekamp, Wolfram Lotz, Arno Camenisch, Kirsten Fuchs, Ferdinand Schmalz, Dagmara Kraus, Jakob Nolte und zuletzt Chrizzi Heinen. Die Förderpreisvergabe für das Jahr 2021 ist noch offen.  

Die Stiftung Brückner-Kühner wurde 1984 von den Schriftstellern Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner ins Leben gerufen, die 30 Jahre zusammen in Kassel lebten und dort 1996 kurz nacheinander verstarben. Die Stiftung wirkt heute als Literaturzentrum auf den Gebieten des Komischen und der international avancierten Poesie, und sie unterhält das Dichterhaus Brückner-Kühner als Literaturmuseum, um von hier aus die Erinnerung an das Stifterpaar wach zu halten.  https://brueckner-kuehner.de.