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Letzte Aktualisierung: 18.06.2024

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Feldhamster fühlen sich in Bergen-Enkheim wohl

von Ilse Romahn

(29.09.2023) Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig hat zum Hessischen Tag der Nachhaltigkeit am 29. September gute Neuigkeiten zum Auswilderungsprojekt. Auf dem Acker in Bergen-Enkheim leben bereits 52 Jungtiere.

Immer im Blick: Auch über Wildkameras werden die Feldhamster beobachtet
Foto: Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz, HGON
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Der Feldhamster gilt als weltweit vom Aussterben bedroht und auch in Hessen gibt es nur noch wenige Vorkommen der etwa meerschweingroßen Nager. Im Frankfurter Stadtgebiet sah es ebenfalls düster aus für die „Architekten unter dem Acker“. Nur ein einziger Bau konnte im Frühjahr in Bergen-Enkheim noch nachgewiesen werden – auf jener Fläche, auf der wenig später 14 Feldhamster der AG Feldhamsterschutz der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) in Begleitung der Unteren Naturschutzbehörde zur Bestandsstützung ausgewildert wurden.

Besonders erfreulich ist daher das Ergebnis am Ende der Feldhamstersaison im September: 52 Jungtiere und ein bereits ausgewachsenes Tier, welches sich sehr wahrscheinlich schon vor der Auswilderung auf der Fläche befand, konnten sicher nachgewiesen werden. Das freut auch Klima- und Umweltdezernentin Heilig: „Artenschutz beginnt bei uns zu Hause. Frankfurt leistet mit dieser erfolgreichen Auswilderung einen großen Beitrag zum Erhalt des Feldhamsters. In Zeiten des globalen Artensterbens zählt jede Art, die gerettet werden kann.“

Frankfurt hat für insgesamt 59 Arten eine besondere Verantwortung übernommen, sie haben – wie der Feldhamster – höchste Priorität bei Schutzmaßnahmen. Um die biologische Vielfalt in Frankfurt nachhaltig zu fördern, müsse jedoch an vielen Stellen gleichzeitig gehandelt werden, sagt Heilig.

Im Mai wurden die Feldhamster auf der speziell hierfür angelegten und gegen Fressfeinde wie den Fuchs eingezäunten Fläche ausgewildert. Das Projekt dient der Umsetzung des Arten- und Biotopschutzkonzepts (ABSK) der Stadt Frankfurt und wird mit deren Haushaltsmitteln gefördert. Nach der Auswilderung von Lilly, Justus und Co. wurden die Tiere bis in den September hinein intensiv gemonitort.

 „Wir führen verschiedene Begleituntersuchungen durch. Zum einen sind fünf der ausgewilderten Tiere mit einem Telemetriehalsband ausgestattet und werden einmal pro Woche geortet. Zum anderen gehen wir alle vier Wochen für drei Nächte raus, um die Tiere mittels Lebendfallen wieder zu fangen“, erklärt Julia Heinze, Tierärztin und Referentin für Feldhamsterschutz bei der HGON. Alle Tiere bekamen einen Mikrochip unter die Haut und können so genau unterschieden werden. „Außerdem werden alle Jungtiere, die wir während unserer Rückfänge zu Gesicht bekommen, ebenfalls gechippt und vermessen“, ergänzt Valentina Baumtrog, Biologin und Referentin für Feldhamsterschutz bei der HGON. Die Vermessungen dienen der Ermittlung des Körperfettgehalts, denn nur gut genährte Tiere vermehren sich. „Die Auswilderungsfläche haben wir als sogenanntes ‚Hamsterhotel‘ mit verschiedenen Kulturen angelegt“, erklärt Heike Kühmichel vom Amt für den ländlichen Raum Bad Homburg. „So haben die Hamster ein reich gedecktes Buffet.“ Die Fläche konnte zudem durch eine Förderung vom Land Hessen über eine HALM H2-Maßnahme (Hessische Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen) nochmal erweitert werden, um den Feldhamstern noch mehr Platz bieten zu können.

Bewirtschaftet wird die Auswilderungsfläche vom Landwirt Ralf Buchenhorst, der sich ebenfalls freut, dass das Projekt so gut gestartet ist. Denn nicht immer sah es so gut aus: „Die ersten Tiere haben wir durch die Telemetrie direkt kurz nach der Auswilderung im Mäusebussard-Horst gefunden“, erinnert sich Baumtrog, „da dachten wir kurzzeitig, dass es das jetzt war.“ Doch die verbliebenen Tiere zeigten ein gutes Überleben und sorgten für reichlich Nachwuchs. Die ausgewilderten Feldhamster Ilse, Johanna, Caro, Katrin und Justus haben sogar bis zum Ende überlebt. Für die Feldhamster geht es nun langsam in Richtung Winterschlaf. Ab Sonntag, 1. Oktober, darf die Fläche bearbeitet und für das nächste Jahr vorbereitet werden. Im Frühjahr 2024 sollen zu den hoffentlich vielen Überlebenden noch weitere Feldhamster zur weiteren Bestandsstützung ausgewildert werden, die bereits in diesem Jahr von der AG Feldhamsterschutz gezüchtet wurden. Denn der Feldhamster soll in Bergen-Enkheim schließlich auch langfristig überleben. (ffm)