Kultur

Feierliches Ende des Lichter Filmfest

Das Leitungsduo des Festivals, Gregor Maria Schubert und Johanna Süß, resümierte: „Wir haben der Filmkunst alle Ehre erwiesen und fragen uns gerade, wie wir das im kommenden Jahr noch toppen sollen!“ und spielte damit neben dem Jahresthema der diesjährigen Festivalausgabe auch auf den großen Zuspruch an: 20 Prozent mehr Ticketverkäufe im Vergleich zum Vorjahr.

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Produzent Arno Steinborn nahm den Langfilmpreis von den Jurymitgliedern Ann Roller und Gina Henkel entgegen.
Foto: Maksim Finogeev

Der regionale Wettbewerb

Aus zehn Beiträgen im Regionalen Langfilm-Wettbewerb wurde „In Case We Never Meet Again“ von Noaz Deshe mit dem LICHTER-Bembel geehrt. Der von der Frankfurter Produktionsfirma Telos Pictures produzierte sowie von Hessen Film & Medien geförderte Dokumentarfilm feierte bei LICHTER seine Deutschlandpremiere. Er erzählt von Menschen in der Ukraine, die trotz Krieg versuchen, Liebe, Familie und Alltag zu bewahren. Der Produzent Andro Steinborn nahm den mit 3.000 Euro dotierten Regionalen Langfilmpreis der Dr. Marschner Stiftung im Festivalzentrum MASSIF E entgegen. 

„‚In Case We Never Meet Again‘ zeigt uns, dass, wenn die Gegenwart surreal erscheint, Träume umso realer werden. […] Durch seinen hybriden Ansatz, die schmerzhafte Nähe der Kamera und seine assoziative Dramaturgie entsteht ein poetisches und wuchtiges Porträt des Krieges, das lange nachhallt.“ So begründet die Jury ihre Entscheidung, bestehend aus Anna Roller(Regisseurin), Gina Henkel (Schauspielerin) und Torsten Neumann (Festivalleiter). 

Im regionalen Kurzfilm-Wettbewerb zeichnete die Jury, bestehend aus Sabrina Amali (Schauspielerin), Jasper Wiedhöft(Produzent) und Behrooz Karamizade (Regisseur), „Die Unvorzeigbarkeit dessen, was nie hätte geschehen sollen“ von Silke Schönfeld mit dem LICHTER-Bembel und einem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro aus – ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Im Film spürt die Regisseurin gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Tante den Kontinuitäten nationalsozialistischer Erziehungsideale nach. Zur Entscheidung sagte die Jury: „In einem begrenzten örtlichen Setting findet er Bilder, die Wurzeln schlagen und Abgründe sichtbar machen. Und trotz dieser Schwere zeigt er zugleich zwei unfassbar liebenswürdige Protagonistinnen, die sich in- und auswendig kennen, so vieles teilen – und doch entstehen Momente, in denen diese beiden Frauen etwas Neues über sich erfahren oder anders erinnern.“ 

Nachwuchspreis des Filmhaus Frankfurt

Bereits zum fünften Mal verlieh das Filmhaus Frankfurt auf dem LICHTER Filmfest einen Nachwuchspreis zur Förderung außerordentlicher Talente. Das „Filmhaus-Gerippte“ und ein Seminar- und Technikgutschein im Wert von 500 Euro gingen an den regionalen Kurzfilm „Harika“ von Seyit Beran Ergün – ein sommerlicher Film über zwei Jungs und ihre liebevolle Beobachtung kleiner Alltagsmomente.

Der LICHTER-Publikumspreis 

Wie in den vergangenen Jahren konnte das Publikum auch diesmal wieder seinen Favoriten wählen: Nach jeder Vorstellung vergaben die Besucherinnen und Besucher Schulnoten von 1 (großartig) bis 5 (geht gar nicht). Die Wahl fiel hauchdünn auf „Ensemble Modern – Why We Play“ – ein Dokumentarfilm über das Wirken des Frankfurter Ensemble Modern, eines der weltweit führenden Musikerkollektive. Der Film fängt die sinnliche Atmosphäre der Probenarbeit ein und zeigt nicht nur das Ergebnis auf der Bühne, sondern den Weg dorthin – das Suchen, Verwerfen und gemeinsame Finden einer musikalischen Sprache. Regisseur Thorsten Schütte darf sich über den LICHTER-Bembel und ein Preisgeld von 2.000 Euro freuen. Knapp dahinter, mit nur 0,09 Prozent Unterschied, lag „Fat Years Of Fatmull“ des nordhessischen Filmemachers Maxi Buck

Der 10. VR Storytelling Award 

Auch der VR Storytelling Award des LICHTER Filmfest wurde wieder als Publikumspreis vergeben. Nach vier Tagen immersiver Screenings in der Location display entschied sich das Publikum für „Romancecar“ von Jonathan Haggard. Der Film erzählt von der Zuglinie Odakyu Romance Car, die seit den 1960er Jahren Tokio mit Naherholungsgebieten wie Hakone verbindet. In handgezeichneten 360-Grad-Panoramen verfolgt Haggard über mehrere Jahrzehnte die Veränderungen von Zug, Landschaft und den Menschen, die ihn nutzen – eine detailverliebte und stilistisch herausragende VR-Erfahrung. Ausgezeichnet wurde er mit dem LICHTER-Bembel und einem Preisgeld von 1.000 Euro.

Der 16. LICHTER Art Award 

Eine Woche lang waren die fünf nominierten Arbeiten für den LICHTER Art Award im haistudio ausgestellt. Am Sonntag kürte die Jury den Gewinner: Artūras Ustinovas erhielt für seine Videoarbeit „Father Says“ den LICHTER-Bembel sowie ein Preisgeld von 1.000 Euro. In seinem performativen Videowerk setzt er sich mit der Beziehung zwischen Vater und Sohn auseinander. Über die Stimme des Vaters entfaltet sich ein Monolog über das Ungesagte. Die Jury – bestehend aus Filmemacherin Sita Scherer und den Kuratoren Leonie Emeka und Saul Judd – würdigte insbesondere die Verbindung von Bild, Ton und performativer Geste sowie die Auseinandersetzung mit Identität, Erinnerung und familiären Strukturen.

LICHTER Filmfest Frankfurt International