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Letzte Aktualisierung: 30.09.2020

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Fassade und Innenräume werden renoviert

Brentano-Haus in Oestrich erinnert an die Rheinromantik

von Karl-Heinz Stier

(28.08.2020) Für viele wird das Brentano-Haus in Winkel im Rheingau geschätzt für seine guten Weine und regionale Speisen in der Gartenlaube oder im Restaurant, doch das Haus mit seinen historischen Nebengebäuden ist primär ein Kulturdenkmal von besonderem historischen Interesse.

Bildergalerie
Ein Blick auf die renovierte Fassade, Fenster und Dach
Foto: Karl-Heinz Stier
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Die Auskunftgeber der Begehung: Staatsekretärin Asar, Frau Worms von der Verwaltung der Schlösser und Gärten, der Bürgermeister von Oestrich-Winkel Kay Tenge, und der Vorsitzende des Freundeskreises Prof. Dr. Gerd Weiß.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Der Umbau des Roten Salons ist im Gange
Foto: Karl-Heinz Stier
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Das Gemälde Achenbachs Kinder von 1862 und das Kinderporträt von Carl Joseph Brentano von 1818
Foto: Karl-Heinz Stier
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Der Freundeskreis schenkte einen Tafelaufsatz und ein Kreuz für die Erstkommunikanten an das Brentano-Haus.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Das 1751 erbaute Anwesen fand 1804 in den Frankfurter Kaufmannsleuten und Gebrüder Franz Dominicus Brentano und Georg Brentano neue Besitzer. Jene waren Brüder der Dichtergeschwister Bettine und Clemens Brentano, an die das gesamte Areal 1808 als Sommerdomizil ging. Durch die breiten gesellschaftlichen Verbindungen der Familie und seiner einzigartigen Lage in Rheinnähe zog es zahlreiche prominente Besucher an. Dazu zählten Johann Wolfgang von Goethe, die Brüder Grimm und Freiherr von Stein. Goethe verfasste hier 1814 in einem kleinen „Büroensemble“ einige Jahre unter anderem seine „Italienische Reise“ und schrieb seine Notizen zur „Rheinreise“. Das Brentano–Domizil entwickelte sich zu einem geistig-kulturellen Zentrum der Rheinromantik.

Über 200 Jahren war das Anwesen im Familienbesitz der Brentanos. Vor sechs Jahren verkaufte Udo Baron von Brentano das dringend sanierungsbedürftige Anwesen an das Land Hessen. Der Kaufpreis: 1,2 Millionen Euro für Areal, Gebäude und Weingut. Die Sanierungskosten für das Haupthaus in Höhe von 2,1 Millionen Euro wurden vom Land übernommen und die Liegenschaft an die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens in Bad Homburg übergeben.

Die Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ayse Asar, nahm nun ihren Besuch im Brentano-Haus zum Anlass, um sich über die Sanierungsfortschritte und jüngste Erwerbungen zu informieren. In der Zwischenzeit wurden nach Angaben Kirsten Worms, der Direktorin der Staatlichen Schlösser- und Gärtenverwaltung, Dach und Außenfassade erneuert und die Fenster und der Balkon so instandgesetzt, wie sie früher einmal waren.

Danach richtete sich die Aufmerksamkeit auf die Innenräume. Im Zuge der Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes („da ist geschichtlich und museal viel zu tun“) wird auch der „Rote Salon“ - der ehemalige Empfangsraum - wie zu Brentanos Zeiten wieder an seinen ursprünglichen Ort zurückversetzt. „Der Rote Salon entfaltet dann mit der rötlichen Tapete an seinem ursprünglichen Standort seine historisch verbriefte Strahlkraft“, betonte Dr. Verena Jakobi vom Landesamt für Denkmalspflege.

Die Staatssekretärin erfuhr auch von Ankäufen durch das Land: Aus dem engeren Familienkreis der Brentanos erwarb das Haus zwei Gemälde und einige Einrichtungsgegenstände, die sich früher nachweislich hier befunden haben. Kirsten Worms stellte zwei Ölgemälde vor: sie zeigen zum einen vom Romantik -Maler Achenbach dessen Kinder Helena und Gregor. Achenbachs Enkelin Marga von Heister brachte das Bild von 1862 ins Brentano-Haus, als sie den mittlerweile geadelten Nachkommen Franz von Brentano heiratete. Das zweite Bild ist ein Kinderportrait von Carl Joseph Brentano, dem 1813 geborenen jüngsten Kind von Franz und Antonia Brentano, dem damaligen Eigentümer des Hauses – gemalt 1818.

Zwischenzeitlich gründete die Stadt Oestrich-Winkel gemeinsam mit dem Freien Deutschen Hochstift eine gemeinnützige Trägergesellschaft, die nach Beendigung der Sanierung den musealen Betrieb übernehmen wird. Außerdem hat sich ein Freundeskreis Brentano–Haus unter Prof. Dr. Gerd Weiß gegründet, der neben dem Ankauf von früheren Gegenständen (bisher wurden 35 000 Euro zusammengetragen) auch Patenschaften für das Brentano-Haus ins Leben ruft und sich für die Restaurierung der Ausstellung verantwortlich fühlt. Außerdem plant er eigene Veranstaltungen. Aus Anlass der Begehung hat er einen Tafelaufsatz und ein Kreuz aus dem Jahre 1853 dem Museum übergeben, das Antonia Brentano anlässlich der Ersten Kommunion ihres Enkels verschenkt hat und das stets an die nächsten Erstkommunikanten der Familie weitergegeben wurde.

Bisher hat das Land 1,4 Millionen Euro für geschätzte Instandsetzungen und Restaurierungskosten von 830 000 Euro aufgebracht. Weitere Mittel in Höhe von 131 000 Euro kommen von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und 428 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Mit dem Abschluss der Restaurierungsarbeiten wird für das Jahr 2025 gerechnet.