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Letzte Aktualisierung: 17.06.2021

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Fake News aus 1001 Nacht

Enthüllungsbuch über arabische Medien von Suliman Aktham

von Norbert Dörholt

(02.06.2021) Im Nahen Osten wird der Krieg nie rosten. Diese Prophezeiung bedarf keiner besonderen seherischen Fähigkeit. Erst dieser Tage wieder flogen die Fetzen und Raketen, die Trümmer auf beiden Seiten rauchen noch, und die Fronten stehen sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Krieg ist eben keine Lösung, gebiert stattdessen neue Aufgaben. Vor diesem Hintergrund erlebt das Buch von Aktham Suliman „Krieg und Chaos in Nahost: eine arabische Sicht“ aus dem Jahr 2017 neue Aktualität.

Foto: Nomen Verlag Frankfurt am Main
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Für den früheren Korrespondenten des arabischen Propagandasenders Al-Dschasira ist der zweite Golfkrieg 1991 der Ausgangspunkt für alle folgenden Entwicklungen im arabischen Raum und der Einfluss des Westens entscheidend für die heutige Situation in Nahost. Soweit nichts Neues. Neu sind die explizit arabische Perspektive des Buchs und die sehr persönlich und emotional gefärbte Analyse der Ereignisse vor allem im Irak und Syrien in den letzten 25 Jahren. Ein Hauptaugenmerk richtet Suliman dabei auf Probleme der Berichterstattung in den Medien, die westliche Kriegspropaganda und die Wahl falscher Dialogpartner. Angesichts der Zustände im Nahen Osten und der Position des Westens müsse man von einem 3. Weltkrieg sprechen.

Für Suliman zeichnet sich ein Muster hinter all dem Chaos in der Region ab, das er mit zahlreichen Beispielen und seinen – aus westlicher Sicht häufig politisch unkorrekten - Interpretationen herleitet. Ergänzend zu anderen Darstellungen eine interessante Lektüre, wie Aktham Suliman in „Krieg und Chaos in Nahost" beschreibt, wie arabische Medien die Öffentlichkeit manipuliert haben und welche Rolle westliche Regierungen übernehmen. Der Leser gewinnt Einsichten, die auch hartgesottene Kenner der Region frösteln lassen.

Mit Demokratie habe der Arabische Frühling nichts zu tun gehabt, sagt Aktham Suliman. Al Jazeera habe zum Beispiel die Wahlen in Ägypten so manipuliert, dass nur eine Partei gewinnen konnte: die Muslim-Brüder. Dazu eien Fernsehteams gezielt benutzt worden. Auch Aktham Suliman war bei solchen Reportagen dabei: „Bei dem Arabischen Frühling hat Al Jazeera so gelogen, dass die ganze Welt an die Demokratiebewegung glaubte, an friedliche Demonstranten in Libyen. Dem war aber nicht so!" Die westliche Sichtweise, dass es sich beim Arabischen Frühling um einen Aufstand für die Demokratie gehandelt habe, sei völlig falsch, eine Verzerrung des Bildes.

Al Jazeera wurde 2011, im Arabischen Frühling, zum Propagandasender umgebaut, berichtet der Autor. Der Herrscher von Katar, Emir Hamad bin Khalifa al Thani, unterstützte die Muslim-Brüder. Er mischte sich mehr und mehr in die redaktionellen Inhalte ein und schrieb den Journalisten vor, was sie zu senden und zu sagen hätten. Die Wahrheit scheine besonders im Nahen Osten leicht auf der Strecke zu bleiben.

Aktham Suliman deckt die Lügen und Fakes auf, die von den verschiedenen Spielern eingesetzt werden.Heute arbeitet er als freier Journalist in Berlin. Er wirkt in der Tat freier als früher, als er das Wort des Emirs von Katar in die Welt senden musste. Sein Buch eröffnet wertvolle Einblicke in die Kriege und Konflikte des Nahen Ostens, aus denen der Journalist Suliman selbst berichtet hat. Der Leser gewinnt hier so mancherlei staunenswert machende Einsichten.

(Suliman Aktham: „Krieg und Chaos in Nahost : eine arabische Sicht“, Frankfurt am Main : Nomen, [2017], 224 Seiten, Karte schwarz-weiß, 21 cm, ISBN 978-3-939816-40-9 kt., 17.90 Euro)

Viel berichtet zu diesem Thema, auch über das Buch, hat seinerzeit der Deutschlandfunk. Wer mehr wissen möchte, kann sich über folgende Links informieren:

http://www.deutschlandfunkkultur.de/enthuellungsbuch-ueber-arabische-medien-fake-news-aus-1001.1013.de.html?dram:article_id=395015

Israels Regierung contra Al-Jazeera - Keine Belege für Hetze
(Deutschlandfunk, @mediasres, 14.08.2017)

Abstieg von Al Jazeera - Einst Stimme der Unterdrückten - und heute?
(Deutschlandfunk, @mediasres, 13.06.2017)

Vor 20 Jahren - Al Jazeera geht auf Sendung
(Deutschlandfunk Kultur, Kalenderblatt, 01.11.2016)

Der ägyptische Schriftsteller Ahmed Naji - Zwei Jahre Haft für eine schlüpfrige Szene
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 16.03.2016)

Ägyptens neues Parlament - Handzahm und regierungstreu
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 11.01.2016)

Ägypten - Drei Jahre Haft für eine Karikatur
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 24.11.2015)