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EZB: 2,75 Prozent könnten erst der Anfang sein

Vor wenigen Wochen schien ein Einlagensatz von 2,25 Prozent noch plausibel. Inzwischen spricht mehr für 2,50 Prozent am Donnerstag und 2,75 Prozent bis Jahresende. Doch genau dort könnte die EZB nicht ankommen, sondern erst vorbeiziehen.

Der Grund ist nicht nur die Inflation. Es ist die erstaunliche Robustheit der Wirtschaft. Die neuen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen zeigen: Das reale BIP des Euroraums wuchs im zweiten Quartal um 1,2 Prozent zum Vorjahr. Noch wichtiger ist das nominale BIP. Es legte um 3,6 Prozent zu.
 
Der Leitzins wirkt weniger streng, als er aussieht
Diese Zahl ist geldpolitisch brisant. Natürlich muss der Leitzins nicht dem nominalen Wachstum entsprechen. Doch die Relation zeigt, wie restriktiv Geldpolitik tatsächlich wirkt. Wenn Einkommen, Umsätze und Wirtschaftsleistung schneller steigen als Finanzierungskosten, ist der Druck auf Unternehmen und Haushalte geringer. Schulden lassen sich leichter bedienen, Nachfrage hält sich besser, Preiserhöhungen bleiben eher durchsetzbar.
 
Das Problem für die EZB
Das nominale Wachstum könnte in den kommenden Quartalen Richtung 5,0 Prozent laufen. Frühindikatoren verbessern sich, die deutsche Fiskalpolitik dürfte anschieben, und selbst der Energiepreisschock des Iran-Kriegs hat die Wirtschaft bislang nicht aus der Bahn geworfen. Gleichzeitig lag die Inflation im August schon bei 3,3 Prozent.
 
Damit verschiebt sich der Zinspfad. 2,75 Prozent wären dann nicht der Endpunkt, sondern nur die nächste Marke. Bleibt das nominale Wachstum hoch und der Inflationsdruck über dem EZB-Ziel, rückt ein Einlagensatz von 3,5 Prozent im Jahr 2027 in den Blick.
 
Die Frage ist nicht ob, sondern wie weit
Für die EZB geht es daher nicht mehr nur um die Zinserhöhung am Donnerstag. Die eigentliche Frage lautet: Wie weit muss sie gehen, wenn die europäische Wirtschaft stärker ist, als viele bislang glauben?