Es war, als ob ein großes symphonisches Orchester aufspielte
Die aus London stammende Academy of St Martin in the Fields beendete ihre diesjährige Residenz beim Rheingau Musik Festival mit ihrem fünften Konzert. Das Spitzenorchester trat dabei in Besetzungen von 40 bis acht Musikerinnen und Musikern auf.
Foto: Ralph Delhees
Ein besonderer Höhepunkt war der Auftritt des Camber Ensemble unter der Leitung von Tomo Keller, denn Streichoktette sind nur selten zu erleben. Im ausverkauften Fürst-von-Metternich-Saal auf Schloss Johannisberg erklang Felix Mendelssohn Bartholdys Streichoktett Es-Dur op. 20 für vier Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli. Die rund 35-minütige Aufführung erwies sich als außergewöhnlicher Hörgenuss.
Zur Einstimmung erklangen vor der Pause Werke von Henry Purcell und Johannes Brahms: Purcells „Caconne“ für zwei Violinen, Viola und Basso continuo in g-Moll Z 730 sowie Brahms’ Sextett Nr. 1 B-Dur op. 18 für zwei Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli. In Purcells Chaconne trat der typische Dreiertakt mit seiner Betonung deutlich hervor. Bei Brahms prägten walzerartige Melodien das „Allegro ma non troppo“, bevor das „Andante ma moderato“ lebhaft und bewegt weiterführte. Die harmonischen Linien waren klar hörbar; das „Scherzo. Allegro molto – Trio. Animato – Tempo primo“ wirkte leicht rokokohaft, während das „Rondo. Poco allegretto e grazioso“ einen serenadenhaften Ton anschlug.
Das Streichoktett ist ein Geniestreich des erst 16-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy. Darin spiegelt sich die Jugend des Komponisten wider: Im „Allegro moderato ma con fuoco“ entfaltet sich wilde Leidenschaft, während das anschließende Andante in c-Moll melancholisch von wiegenden Rhythmen geprägt ist. Dämonisch, elfenhaft und tänzelnd wirkt das „Scherzo. Allegro leggierissimo“; im abschließenden „Presto“ flattert die erste Geige, gespielt von Tomo Keller, der auch Direktor und Konzertleiter der ASMF ist, federleicht auf – und alles aus der Geisterwelt ist zerstoben.
Im Zusammenspiel klang Mendelssohns Oktett wie ein großes symphonisches Orchester: Piano- und Forte-Passagen wurden präzise eingehalten und markant herausgearbeitet. Tomo Keller hatte das Ensemble dabei souverän im Griff und führte es allein durch Augenkontakt und Kopfnicken.
Es war ein mitreißendes, anspruchsvolles Konzert, gespielt mit spürbarem Enthusiasmus von drei Musikerinnen und fünf Musikern, denen Anstrengung und Spielfreude gleichermaßen anzusehen waren. Mit minutenlangem Applaus dankte das Publikum dem Ensemble, das als Zugabe die „Moonlight Serenade“ aus der „West Side Story“ spielte.
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