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Letzte Aktualisierung: 08.12.2021

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Es müssen noch weniger Lebensmittel im Müll landen

von Karl-Heinz Stier

(18.11.2021) Das ist das Fazit des 5. Verbrauchertags der Verbraucherzentrale Hessen, an dem 80 Interessenten aus Politik, Landwirtschaft, Handel und der Gemeinschaftsverpflegung darüber debattierten, wie Lebensmittelwertschätzung besser gelingen kann.

­„Die Art und Weise wie wir uns ernähren hat Bedeutung. Denn unsere täglichen Konsumentscheidungen wirken sich nicht nur auf unsere persönliche Gesundheit aus, sondern auch auf die Gesundheit unseres Planeten. Wichtig dabei ist auch, ob wir unseren Teller leer essen. Leider landen immer noch sehr viele noch gute Lebensmittel im Müll. Das Land Hessen will diese Verschwendung unter anderem im Rahmen der Ernährungsstrategie bekämpfen. Sowohl die Verbraucherinnen und Verbraucher als auch die Wirtschaft können einen Beitrag zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung leisten. In Hessen haben wir ein kostenloses Beratungsprogramm für Kantinen und Großküchen entwickelt, das wir mit jährlich 200.000 Euro aus Mitteln des Integrierten Klimaschutzplans finanzieren. Damit wollen wir den vielen Einrichtungen der Außer-Haus-Verpflegung praxisorientiert aufzeigen, wie sie einen Beitrag zur Eindämmung der Lebensmittelverschwendung leisten können“, sagte Oliver Conz, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, betonte: „Wir brauchen auf der Seite des Handels und auf der Seite der Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Verständnis für krummes, nicht der Norm entsprechendes Gemüse und Obst. Die Natur kennt keine Normen, auch die zweiarmige Karotte schmeckt gut. Der Handel sollte daher auf seine Vorgaben an die Landwirtschaft zu Größe, Form und Aussehen von Obst und Gemüse verzichten. Allerdings sind die ambitionierten Reduktionsziele in Deutschland nach unserer Ansicht allein mit Selbstverpflichtungen und Appellen nicht zu erreichen.

Einkauf planen, Reste kreativ verwenden, sich bei Initiativen engagieren, eine Verpflichtung der Wirtschaftsbeteiligten, Abfälle zu vermeiden, mehr lose Ware nicht nur in Unverpacktläden oder kleinere Portionsgrößen in der Gastronomie – sind nur einige der Möglichkeiten, die bei der Podiumsdiskussion mit Fachleuten aus Politik, Landwirtschaft, Handel, der Gemeinschaftsverpflegung und Initiativen zur Sprache kamen. 

­Der mehrfache deutsche Poetry-Slam-Meister, Lars Ruppel, wechselte die Perspektive und stellte in seinem Videobeitrag sehr mitreißend die fehlende Wertschätzung von Lebensmitteln aus Sicht einer krummen Gurke dar. Er appellierte an alle, beim „Lebensmittel retten“ mitzumachen, denn „Kochen sei doch Lebensfreude und kein Schönheitswettbewerb.

Am Ende der Veranstaltung waren sich die Teilnehmenden einig: Zu der jetzigen Situation tragen alle bei. Landwirtschaft, Produzierende, Handel, Außer-Haus-Verpflegung und die Konsumierenden sind daher gleichermaßen gefordert, bewusster mit Lebensmitteln umzugehen. Erkennbar war auch: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher engagieren sich bereits und achten in ihrem Alltag darauf, Lebensmittel wert zu schätzen. Anderen waren die praktischen Tipps aus den Workshops eine große Hilfe.