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Letzte Aktualisierung: 26.11.2022

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Es ist WM und keiner schaut hin?

Studie: Viele wollen gar nicht erst einschalten

von Lutz Ziegler

(18.11.2022) Am 20. November startet die Fußball-WM in Katar. Ein Forschungsprojekt der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaft der Fachhochschule Dortmund und der Meinungsforschungsapp FanQ hat im Verlauf des Jahres in drei großen repräsentativen Studien ein Stimmungsbarometer erstellt. Im Längsschnitt geben die Ergebnisse Aufschluss darüber, wie sich die Bereitschaft zum Boykott der umstrittenen Veranstaltung entwickelt hat.

Die Umfragereihe der Würzburger Forscher rund um die Fußballweltmeisterschaft in Katar, bei der Fans nach ihren Einstellungen zum nahenden Turnier befragt wurden, ergab: Viele wollen gar nicht erst einschalten. „Wir haben diese Weltmeisterschaft sehr früh in den Blick genommen und können mit unseren Zahlen belegen, wie sich die ohnehin schlechte Stimmungslage im Laufe des Jahres immer weiter verschlechtert hat“, sagte dazu Professor Harald Lange, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft an der JMU. Sowohl die Verbände, DFB und FIFA, als auch die beteiligten Sponsoren hätten demnach erhebliche Imageschäden zu verzeichnen.

Dritte Studie erschienen

Im nun veröffentlichten dritten Teil der Studie wurden mehr als 5700 Fußballfans befragt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vorfreude auf eines der größten Sportereignisse der Welt einen Tiefpunkt erreicht hat. Während die verantwortlichen Sportfunktionäre das Turnier weiterhin verteidigen, hoffen Politiker zumindest auf eine positive Wirkung bezüglich der Menschenrechtsthematik im Emirat. Die Medien versuchen sich derweil am Spagat zwischen kritischer Berichterstattung und Übertragung der Spiele.

Wenig überraschend belegt die Umfrage, dass sowohl das Image der WM als Wettbewerb als auch das der FIFA unter der umstrittenen Vergabe gelitten hat. Das sehen jeweils über 90 Prozent der Befragten so. Ein positiver Effekt auf die Wahrnehmung des Gastgeberlandes sei ebenfalls nicht zu beobachten – im Gegenteil. Diesen häufig als „Sportswashing“ bezeichneten Versuch nehmen knapp 75 Prozent mindestens als „eher negativ“ wahr. Trotz dieser deutlichen Tendenzen bleibt die große Frage, ob sich diese Ablehnung auch dort niederschlagen wird, wo es den Veranstaltern besonders wehtut: bei den Einschaltquoten.

Die Umfrageergebnisse lassen nichts Gutes erahnen

Die Umfrageergebnisse lassen jedenfalls für Veranstalter und Übertragende nichts Gutes erahnen. 70,7 Prozent der befragten Fans wollen demnach die Live-Berichterstattung nicht ansehen. 54,4 Prozent beabsichtigen sogar, den Fernseher komplett ausgeschaltet zu lassen. Sie wollen nichts davon wissen, wenn das Kunstleder im deutschen Spätherbst über die Rasenflächen klimatisierter Edelstadien im Wüstenstaat rollt.

Harald Lange rechnet besonders bei Spielen ohne deutsche Beteiligung mit starken Verlusten bei den Einschaltquoten. Grund dafür, „dass die Rückgänge womöglich nicht so stark sein werden, wie es die ermittelten Zahlen vermuten lassen“, sei ein Konflikt zwischen der grundsätzlichen Ablehnung des Turniers und der „über Jahrzehnte gewachsenen Leidenschaft und Verbundenheit zum Fußball.“ Mit diesem Zwiespalt müssen und werden sich viele der kritischen Fans in den kommenden Tagen und Wochen auseinandersetzen. Letztlich werden einige wohl doch einschalten.

Was die Spiele der DFB-Elf im Speziellen angeht, werde auch das sportliche Abschneiden eine entscheidende Rolle spielen: „Spielen sie gut, werden die Rückgänge geringer ausfallen. Geht aber etwa das Auftaktspiel verloren, werden auch hier die Quoten einbrechen“, prognostiziert der Fanforscher.

Viele weitere Umfrageergebnisse und Differenzierungen nach weiteren Faktoren, wie zum Beispiel dem Konsumverhalten, finden sich in der frei zugänglichen Studienauswertung auf fanq.com. idw.-