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Letzte Aktualisierung: 07.05.2021

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Es geht voran mit dem Klinikum Höchst

Trotz höherer Kosten und Zeitplanverschiebungen

von Norbert Dörholt

(04.05.2021) Langsam kommt man auch voran, heißt es, aber immerhin, man kommt voran. So auch auf der derzeit teuersten Baustelle Frankfurts, dem ersten Bauabschnitt am Klinikum Höchst. Östlich des jetzigen Klinikareals entsteht in Richtung Windthorststraße ein sechs Stockwerke umfassendes Gebäude. Der aus vier Querriegeln bestehende Neubau in Passivhausbauweise hat eine Bruttogeschossfläche von rd. 79.000 Quadratmetern und eine Nutzfläche von rund 34 450 Quadratmetern.

 „Am Jahresende werden wir die Einweihung mit einer großen Feier begehen“, freut sich Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer. Integriert sind zehn OP-Säle und ein Hybrid-OP, der mit Spezialgeräten ausgestattet ist und über seine bildgebenden Modalitäten solche minimal-invasiven Eingriffe erlaubt, die für Patienten weniger belastend sind. Eine Besonderheit ist das so genannte „Höchster Zimmer“, in dem das hintere Bett aus dem Zimmer geschoben werden kann, ohne das andere Bett zu verrücken. Für Patienten und Pflegepersonal ist dies eine sehr große Erleichterung. Der laut Generalunternehmer 2021 bezugsfertige Neubau wird 666 Betten und 40 tagesklinische Plätze haben. Hinzu kommen die Betten der Kliniken für Augenheilkunde und Psychiatrie, die aktuell in anderen Bereichen auf dem Areal des Klinikgeländes untergebracht sind.

Bereits zweimal schon ist der Abschluss des ersten Bauabschnitts verschoben worden, erst von Herbst 2019 auf 2020, dann im vorigen Jahr auf Ende 2021, und nun wird auch noch einmal umgeplant, berichtete kürzlich die Frankfurter Neue Presse „Die teuerste Baustelle Frankfurts wird damit noch einmal um zehn Millionen Euro teurer“, schrieb FNP-Redakteur Holger Vonhof. Die Investitionskosten stiegen somit auf fast 60 Millionen Euro.

Medizinische und logistische Prozesse seien „neu bewertet“ worden, „um die langfristig zu hohen Kosten für den Klinikverbund“ zu reduzieren, heißt es laut FNP zur Begründung der Umplanung in einem Magistratsbericht. Schwierigkeiten machten etwa der „halbe Kilometer“ Abstand zwischen dem Neubau und dem sogenannten K-Bau, dem markanten, roten Gebäude am Entrée des Klinikums, in dem aktuell die Notaufnahme untergebracht ist.

Die überarbeiteten Pläne sehen vor, die Augenklinik und das Labor mit Blutbank in den Neubau zu integrieren, die ursprünglich in den K-Bau umziehen sollten. Ebenfalls im Neubau unterkommen sollen das Sozialpädiatrische Zentrum, die Speisenversorgung, die Sterilisation und ein Verwaltungs- und Konferenzbereich. In die heutige Notaufnahme sollen gemäß der neuen Pläne ein Ärztezentrum und ein ambulantes Operationszentrum einziehen. Neu ist auch: Die Zentralsterilisation soll künftig nicht mehr nur Höchst bedienen, sondern auch Hofheim und Bad Soden. Das bedeutet eine Kapazitäts-Verdopplung von 30 000 auf 60 000 Einheiten pro Jahr.

Stefan Majer betont: „Unser Neubau im Verbund mit den Main-Taunus-Kliniken wird die Versorgungssicherheit der Bürger noch besser gewährleisten als bisher. Er bildet den modernen und zukunftsorientierten Rahmen für eine Erhöhung der medizinischen und pflegerischen Versorgung in der Region, und bringt eine deutliche räumliche Verbesserung für das Krankenhauspersonal mit sich.“

Die Umplanungen sieht Majer samt der Mehrkosten entspannt: „Die Stadt kostet das nicht einen Cent mehr. Die Umplanungs- und Erweiterungswünsche zahlt die Klinikum Frankfurt Höchst GmbH aus ihren Eigenmitteln.“ Das sei vertraglich so festgelegt. Die Klinikum Frankfurt Höchst GmbH ist eine Tochter der Kliniken Frankfurt-Main-Taunus GmbH, also des Verbunds, zu dem auch die Krankenhäuser Hofheim und Bad Soden gehören. Insgesamt, so Majer, würden in allen Bauabschnitten mehr als 300 Millionen Euro investiert. Das sei eine Riesen-Investition.

Martin Menger ist Vorsitzender Geschäftsführer der Kliniken Frankfurt-Main-Taunus GmbH. Auch er betont die Notwendigkeit und den Nutzen des Neubaus: „Der aktuell entstehende Klinikneubau ist nicht nur enorm wichtig für die Bevölkerung, sondern auch eine nachhaltige Investition in die Zukunftsfähigkeit. Der interdisziplinäre Zentren-Ansatz kommt der patientennahen Versorgung zugute – mit insgesamt erstklassigen Bedingungen für die Patienten und unsere Mitarbeiter.“

Auch organisatorisch wird einiges vereinfacht und verbessert. Stefan Majer erklärt warum: Die Klinik GmbH wird von einem eigenen Geschäftsführer geführt, jetzt von Martin Menger. Vor ihm war Dr. Dorothea Dreizehnter Geschäftsführerin der Klinik GmbH, die sich mittlerweile beruflich nach Norddeutschland verändert hat. Gleichzeitig arbeiten in der Klinik bis heute noch Mitarbeiter, die bei der Stadt, sprich beim Eigenbetrieb Städtische Kliniken Höchst (SKFH), angestellt blieben, als seinerzeit die Kliniken GmbH gegründet wurde, weil sie nicht dorthin überwechseln wollten.

Das habe, so Majer, u.a. dazu geführt, dass beispielsweise für die Beschäftigten der GmbH ein Betriebsrat, für den Eigenbetrieb aber der Personalrat der Stadt zuständig gewesen sei. Auch wurde der Eigenbetrieb von einem eigenen Betriebsleiter geführt, da ja, wie gesagt, der Geschäftsführer der Klinik nur für die Mitarbeiter der GmbH zuständig war. Nach der Maxime „Alles in einer Hand“ wurde deshalb Anfang des Jahres auf seinen Vorschlag als Dezernent für Personal und Gesundheit und Empfehlung der Betriebskommission der Städtischen Kliniken Frankfurt am Main-Höchst Stefan Schad sowohl als geschäftsführender Verwaltungsdirektor als auch Betriebsleiter der Städtischen Kliniken Frankfurt am Main-Höchst vom Magistrat der Stadt Frankfurt am Main (Beschluss Nr. 266) mit sofortiger Wirkung bestellt, heißt es im Amtsblatt vom 23.3.2021/Nr. 12, 152. Jahrgang, auf Seite 339.

Stefan Majer handelte also klug und kostensparend, dass er jetzt die beiden Organisationseinheiten zusammenführte und so quasi von der höheren verwaltungstechnischen Bürokratiemathematik auf die klarer zu verstehenden Grundrechenarten vereinfacht. Mit dem nächsten Bauabschnitt soll übrigens begonnen werden, wenn der Neubau bezogen ist. Insgesamt wird es auf dem Gesundheitscampus einmal etwa 820 Betten geben.

Leistungsstarker Maximalversorger

Das Klinikum Frankfurt Höchst ist ein leistungsstarker Maximalversorger im größten kommunalen Klinikverbund der Region, der Kliniken Frankfurt Main-Taunus GmbH. In den 22 Kliniken, Instituten und Fachabteilungen werden allein am Standort Frankfurt Höchst jährlich mehr als 37.000 stationäre und 100.000 ambulante Patienten versorgt. Über 2.000 Mitarbeiter setzen sich täglich mit modernster Diagnostik und Therapie für die Gesundheit der Patienten ein. Fünf Schulen für pflegerische und nichtärztliche medizinische Fachberufe leisten einen wichtigen Beitrag zum Ausbildungsangebot in der Region.