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Erhöhen Magensäurehemmer Demenzrisiko?

Das lassen die Ergebnisse einer ARIC-Studie vermuten

Bei Sodbrennen oder einer Entzündung der Magenschleimhaut verordnen Ärzte oftmals Medikamente, um den Ausstoß von Magensäure zu reduzieren. Diese sollen auch bei längerer Einnahme von Schmerzmitteln den Magen schützen. Sie werden aufgrund ihres Wirkmechanismus als Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) bezeichnet. Doch kann eine Einnahme von PPI – die in niedriger Dosis auch ohne Rezept erhältlich sind – das Demenz-Risiko erhöhen? Dies legt eine aktuelle Studie aus Großbritannien nahe.

Im Medizinische Kurznachrichtendienst der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie nimmt Prof. Helmut Schatz, Bochum, dazu eingehend Stellung und schreibt „Herzkreislaufleiden, Nierenerkrankungen und Demenz werden schon seit Längerem mit der Einnahme von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) in Verbindung gebracht. Die Studienergebnisse sind für die Demenz allerdings widersprüchlich.

Zwei neuere Metaanalysen, die aber methodisch kritisiert wurden, fanden für die Demenz keinen Zusammenhang mit einer PPI-Einnahme. Diese untersuchten nicht gezielt die Langzeiteinnahme von PPI. Das war jedoch der Fall bei der hier vorgestellten ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk In Communities., Lit.3).

Methodik

In die prospektive bevölkerungsbasierte longitudinale ARIC-Studie von 1987 bis 2019 wurden 15.792 Männer und Frauen von 45-64 Jahren eingeschlossen. Der PPI-Gebrauch wurde in dieser Zeitspanne bei planmäßigen Krankenhausbesuchen und jährlichen, seit 2012 halbjährlichen Telefonaten erfasst. Beim 5. Besuch wurden 5.700 teilnehmende Personen (~75 Jahre, 58 Prozent weiblich) analysiert. Studienendpunkt war das Vorliegen einer Demenz. Anschließend wurde 5.5 Jahre nachbeobachtet. Einflussfaktoren wie weitere Erkrankungen und die Medikation wurden statistisch berücksichtigt.

Ergebnisse

Die niedrigste kumulative PPI-Einnahmedauer betrug 112 Tage; wer beim 5. Besuch aktuell PPI verwendete, hatte kein höheres Demenzrisiko als Personen ohne PPI. Bei einer kumulativen PPI-Einnahme von mehr als 4.4 Jahren war das Risiko um etwa ein Drittel höher (Hazard Ration 1.3) als bei Personen ohne PPI. Wenn PPI weniger als (kumulativ) 4.4 Jahre lang eingenommen wurden, fand sich kein signifikant erhöhtes Risiko.

Diskussion

Wenn auch für die Dauereinnahme von PPI keine Zulassung besteht, so ist der chronische PPI-Gebrauch dennoch weit verbreitet, zumal kleine Dosen von PPI nicht rezeptpflichtig sind. PPI werden weltweit auch von Ärzten breit verordnet. Von 2002-2009 verdoppelte sich in den USA die PPI-Einnahme. Auch bei uns ist der PPI-Gebrauch ständig gestiegen. Die Demenz-Daten der ARIC-Studie müssen durch weitere Untersuchungen gesichert werden, und auch pathophysiologische Mechanismen für eine mögliche Kausalität. Ärzte sollten Patienten auch auf das mögliche Demenz-Risiko eines Dauergebrauchs von PPI hinweisen, ebenso die Apotheker bei den frei verkäuflichen, wenn auch niedriger dosierten Präparaten.“