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Er und sie und ein Roman

"Das Lächeln der Frauen" im Fritz-Rémond-Theater

Der Eiffelturm und der Invalidendom grüßen das Publikum im Rémond-Theater als Blick auf Paris vom Panorama-Fenster aus. Klug überlegt ist das Bühnenbild des 2-Personenstücks von Nicolas Barreau in der Bühnenfassung von Gunnar Dreßler.

Die verschiedenen Schauplätze für die Handlung befinden sich gleich alle vier auf der Bühne. Links ein Tisch des Restaurants „Le Tems des Cerises“ der Protagonistin Aurélie Bredin (Dominique Siassia), dann eine Couch als Andeutung ihrer Wohnung. Dominierend der Schreibtisch des Lektors André Chabanais (Hugo Grimm) und ein Tisch eines weiteren Restaurants.

Das Spiel kann beginnen! Von der Liebe enttäuscht erwirbt Aurélie ein Buch „Das Lächeln der Frauen“ und stellt verblüfft fest, dass der Roman ihr kleines Restaurant mit den rot-weiß gewürfelten Tischdecken seltsam genau beschreibt und die Hauptfigur ihr auffallend gleicht, bis hin zum roten Seidenkleid, das sie oft trägt. Ist das Zufall? Sie setzt nun alles daran, den englischen Autor aus London – Robert Miller- kennen zu lernen, weil sie sich beim Lesen des Romans zutiefst verstanden und angesprochen fühlt. Den Kontakt will sie über den „grantigen“ Lektor André Chabanais herstellen, doch dieser blockt alle ihre diesbezüglichen Versuche ab. Des Rätsels Lösung, das die Zuschauer längst  von André erzählt bekommen haben: er selbst hat unter dem Pseudonym Robert Miller den Roman verfasst, was er unbedingt auch vor seinem Verleger geheim halten muss. Immerhin – die Idee zum Roman kam ihm nach einem Blick auf Aurély durch das Fenster des Restaurants „Le Tems…“ , den er erhascht hatte und sich sofort verliebte.

Die Irrungen und Wirrungen um den nicht existierenden Autor und zwischen André und Aurélie konnten beginnen, und – keine Überraschung – es gibt ein Happy End. 

Leider zog sich die Handlung gleich zu Beginn an hin. Der Monolog von Dominique Siassia mit den Erklärungen über ihr Herzeleid, den Kauf des Buches ect. ect. war ziemlich ermüdend. Man wartete förmlich auf eine Unterbrechung, einen Gag, irgendeine Belebung auf der Bühne. Die mimische Leistung von Siassia war wohlgemerkt tadellos. An ihr lag es nicht, dass vom Publikum keine Reaktionen kommen konnten. Auch Hugo Grimm, der dann die Sicht des Lektors ausführlich erklärte, meisterte die Rolle gut. Allerdings war sie vielleicht nicht ganz so glücklich besetzt. Denn einen grantigen Lektor stellt man sich nicht unbedingt als jungen, netten, hübschen Mann vor, sondern vielleicht eckiger, etwas älter und natürlich unfreundlicher. Eine fetzige Tanzeinlage, bei der Grimm seinen Waschbrettbauch zeigen durfte und Dominique Siassia im zarten roten Unterhemdchen mittat, lockerte die zähen Passagen dann auf. Die Tanzeinlage erschloss sich allerdings nur schwer und konnte eigentlich mit der Handlung der Geschichte schwer in Einklang gebracht werden.

Nach der Pause wurde es lebendiger, die Handlung nahm Fahrt auf. Leider hatten allerdings etliche Premierenbesucher es vorgezogen, ihre Plätze nicht mehr einzunehmen.

Die beiden Mimen des 2-Personenstückes meisterten ihre Rollen ohne Fehl und Tadel. Dafür ernteten sie auch den wirklich sehr verdienten Applaus.

Für die Regie ist Karin Boyd zuständig, für die Ausstattung Eva Humburg.

Weitere Vorstellungen bis zum 26. Juni 2017 Dienstag-Samstag 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr, Montag spielfrei

www.fritzremond.de