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Letzte Aktualisierung: 12.08.2022

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Er säuft wie hunnert Löcher

Barock am Main mit „Worschtmichels Traum“ ist wieder da

von Karl-Heinz Stier und Ingeborg Fischer

(28.07.2022) Nach zweijähriger Pandemie-Unterbrechung erobert Michael Quast und sein Barock am Main Ensemble wieder die Bretter der Open Air-Bühne und locken mit dem „Worschtmichel“ ihr Publikum zur Spielstätte in der Höchster Porzellan-Manufaktur. Es war ein dankbares Publikum an dem milden Sommerabend, an dem bewiesen wurde, dass Possen-Theater Freude macht.

Der Worschtmichel residiert als König von Frankfurt mit seinen Untertanen - in Maskenverkleidung.
Foto: Andreas Malkemus
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Rainer Dachselt hat mit Motiven aus einem Stück des dänischen Barockdichters Ludvig Holberg eine Komödie in Frankfurter Mundart verfasst, so recht nach dem Geschmack all der Menschen, die Quasts „Barock am Main“ immer wieder gerne besuchen.

Der Saufaus, ewiger Metzgergeselle und dem Wachholderschnaps zugetaner Worschtmichel (Michael Quast) ist ein Tunichtgut, der regelmäßig „de Buckel vollgehaache“ bekommt von seiner resoluten Frau Käthche (Ulrike Kinbach). Quast und Kinbach laufen zur Höchstform auf, was Mundart und Körpersprache betrifft.

Als Michel wieder einmal „besoffen“ auf einem Misthaufen schnarcht, kommt eine feine Frankfurter Gesellschaft vorbei, ein Herr von Schöneck (Ulrich Sommer), eine Madame Bimbernell (Claudia Jacobacci), Jettchen, die Dienerin der Bimbernell (Pirkko Cremer) und ein Herr Seckel, der Stadtsyndikus (Pascal Thomas für den erkrankten Dominic Betz). Der Trupp Adliger will sich amüsieren und kommt so auf die Idee, den Betrunkenen  in feine Kleider zu stecken und ihm als dem „König von Frankfurt“ in feinen Gemächern zu huldigen.

Der Worschtmichel wacht auf, weiß nicht ob er das alles träumt, aber als er merkt, dass alle um ihn herum das tun, was er sagt, nutzt er seine vermeintliche Macht. „Wenn ich König von Frankfort wär, da deht sich mancher umgucke!“ Er hält sogar Gericht, will den Gastwirt Konrad und andere verurteilen. Staunend bemerken die feinen Damen und Herren: „De Salomon war ja en Simbel gesche den!“ Erik Lenke spielt den Gastwirt „einbeinig“ mit Stumpf, und sein anderes Bein ragt, wenn man genau hinsieht, nach hinten weg. Herrlich, dieser Gag!

Das vergnügliche Spiel auf der Bühne nimmt seinen Lauf, das Publikum klatscht mit, wenn ein Vierer-Ensemble auf seinen Barock-Instrumenten aufspielt, und es freut sich über Anspielungen, die Frankfurter Stadtteile oder auch die Vorkommnisse im Römer betreffen. Ob letzteres sein musste, sei dahingestellt.

Der beleibte und beliebte Alexander J.Beck ist auch mit von der Partie als Zunftvorstand der Metzger und „füllt“ seinen Part sehr glänzend aus.

Dass „Der König von Frankfurt“ dann nicht gewillt ist, seine Macht wieder abzugeben, versteht sich. Und als er verlassen auf seinem Thron sitzt seufzt er „Wer einsam herrscht, kann niemand anherrsche!“

Ja, es löst sich dann alles zum Schluss in Wohlgefallen auf. Und die Protagonisten haben sich in Bestform gezeigt, unterstützt durch ihre skurillen Kostüme, die abstrusen Perücken und von der Kunst der Maskenbildner, die – wie gewohnt – die Gesichter völlig verfremdet haben!

Barock am Main ist noch bis zum Sonntag, dem 14. August 2022, zu sehen.

Regie führt Sarah Groß, für die Kostüme ist Anna-Sophia Biersch zuständig, Maskenbild Katja Reich und ihr Team.