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Letzte Aktualisierung: 12.08.2020

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Entwürfe für neuen Campus der Bundesbank

Wettbewerbsergebnisse sind im Deutschen Architektenmuseum zu sehen

von Karl-Heinz Stier

(17.07.2020) 29 Architektenbüros haben an dem Wettbewerb für die geplanten Neubauten auf dem Gelände der Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt-Ginnheim teilgenommen. Daraus hat ein 13-köpfiges Preisgericht aus namhaften Architekten, Vertretern der Bundesbank sowie der Stadt Frankfurt unter seinem Vorsitzenden Arno Lederer aus den Entwürfen sechs Preisträger und zwei Anerkennungen ausgewählt.

Bildergalerie
Erster Wettbewerbspreis für Morger Partner Architekten AG aus Basel
Foto: Karl-Heinz Stier
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Preisübergabe an die Sieger durch Bundesbankvorstand Dr. Beermann
Foto: Karl-Heinz Stier
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An der Pressekonferenz nahmen teil (v.l.n.r.): Preisgerichtsvorsitzender Arno Lederer, Bundesbankvorstand Dr. Beermann, der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef und Günter Hofmann vom Gestaltungsbeirat der Bundesbank
Foto: Karl-Heinz Stier
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Mit dem ersten Preis wurde der Entwurf des Baseler Büros Morger Partner Architekten AG ausgezeichnet. Dr. Johannes Beermann, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank, hob bei dieser Arbeit besonders die Weiterentwicklung des städtebaulichen Rahmenplanes hervor. Das Bürogebäude West wurde auf die gleiche Weise wie die beiden anderen Büro-Neubauten verkürzt. Nach Westen wird ein viergeschossiger Baukörper ergänzt, der ein „spannungsvolles Gegengewicht zum Hauptkassengebäude bildet und dieses so neu in Szene setzt. Die linear angeordneten, sehr klaren und schlichten Baukörper unterstreichen die Solidität der Bundesbank“.

Nach Auffassung des Preisgerichts gehen Architektur und Funktionalität eine Symbiose ein. Wertige, moderne Architektur des Büros Morger treffen auf nüchterne Effizienz bei gleichzeitig hoher Arbeitsplatzqualität. „Die neue Architektur spiegelt mit dem Haupthaus und den drei identischen Scheiben rechtwinklig davor die Deutsche Bundesbank auch in ihrer Entwicklung wider: Unabhängig und stark aus Tradition – Teil des Eurosystems mit anderen nationalen Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank“, so  Dr. Beermann.

Neben dem architektonischen Vorzügen hat der Neubau mit seiner 100 000 Quadratmeter oberirdischen Bruttogrundfläche für Büros, ein Konferenzzentrum, Sportstätten, eine Kita, ein Gastronomiepavillon, Tiefgaragen, ein Logistikzentrum und die zugehörige Infrastruktur, einen weiteren Vorteil: nach Fertigstellung können die 2 500 bisher noch verstreut im Stadtgebiet beschäftigten Mitarbeiter alle auf dem eigenen Gelände arbeiten. Man rechnet dann mit 5 000 Beschäftigten. Es wird die Vermutung geäußert, dass das Bauprojekt wahrscheinlich eines der größten öffentlichen Hochbauprojekte in der Bundesrepublik ist.

Den Rahmen für alle Entwürfe des Architektenwettbewerbs, die auch in einer Ausstellung im Deutschen Architektenmuseum, Schaumainkai 43, bei freiem Eintritt bis zum 18. Oktober zu sehen sind, bildete das städtebauliche Gestaltungskonzept in der Art eines parkartigen Geländes mit altem Baumbestand von Architekt Ferdinand Heide. Das Haupthaus der Bundesbank-Zentrale wurde 1967 bis 1972 erbaut.

Doch zurück zum Wettbewerb. Preisgericht und Gestaltungsbeirat der Bundesbank haben dem Vorstand der Bundesbank einstimmig empfohlen, alle geplanten neuen Bürogebäude auf der Basis der Morger-Pläne umzusetzen und weiterzuentwickeln. Der Vorstand folgte inzwischen auch den Empfehlungen. Das anstehende Verhandlungsverfahren wird voraussichtlich im Sommer 2021 abgeschlossen. Dann sollen die Verträge unter Dach und Fach sein.

Vor der offiziellen virtuellen Ausstellungseröffnung haben in einer Pressekonferenz auch Beteiligte des Preisgerichts das Wort ergriffen. Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef meinte: „Der Wettbewerb hat die gewünschte Campuslösung konkretisiert, das zentrale Hauptgebäude wird durch neue Gebäude gerahmt und verliert somit nichts von seiner Wertigkeit“. Die Bundesbank habe die richtige Wahl getroffen. Der Standort erhalte im städtischen Gefüge mit Grünburgpark, Niddapark, der erneuerten Platensiedlung, den Sportflächen, der geplanten Ringstraßenbahn und der Verlängerung der U 4 eine attraktive Umgebung und werte diese auf.

Preisgerichtsvorsitzender Arno Lederer  vertrat die Auffassung, dass mit dem ersten Preis die städtische Vorgabe intelligent fortgeschrieben wurde. „Das Preisgericht hat der Bank einstimmig den Morger-Plan  zur Grundlage der weiteren Bearbeitung empfohlen“.

Die weiteren Preisträger sind: KSP Jürgen Engel Architekten (zweiter Preis),  Schenker Salvi Weber Architekten ZT GmbH & Franz und Sue Architekten ZT GmbH aus Wien (dritter Platz), Ortner & Ortner Baukunst GmbH (vierter Platz), Wittfoht Architekten bda aus Stuttgart (fünfter Platz) und RKW Architektur + Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH aus Düsseldorf (sechster Platz).