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Letzte Aktualisierung: 04.07.2022

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Energieversorgung ohne Öl und Gas – geht das?

Vortrag von Prof. Katzenbach

von Heide Noll

(18.05.2022) Eine große Ehre wurde dem Frankfurter Rolf Katzenbach zuteil. Der Professor der Technischen Universität (TU) Darmstadt hielt erster deutscher Wissenschaftler und Ingenieur die „Burmister Lecture“ der New Yorker Columbia University. Das ist eine Vortragsveranstaltung, die einmal im Jahr stattfindet und zu der die renommierte Universität nur die Besten der Besten der Bauingenieurdisziplin „Geotechnik • Bodenmechanik, Erd- und Grundbau“ nach New York holt.

Prof. Rolf Katzenbach vor der Columbia-Universität in New York
Foto: Katzenbach
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Die Einladung an Rolf Katzenbach sprach Professor Dr. Hoe I. Ling aus, der an der Columbia University lehrt und den Deutschen seit Jahren von zahlreichen internationalen wissenschaftlichen Kongressen und durch seine Hochhausforschungen kennt. „Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, als er mich zur 22. Burmister Lecture eingeladen hat“, sagt Professor Katzenbach, der in Frankfurt-Zeilsheim lebt.

Sein Vortrag stand unter dem Titel „The Foundation of High-Rise Buildings with CO2-minimized Foundation Technology“ (Hochhausfundamente mit CO2-minimierter Gründungstechnik). Fast alle neuen Frankfurter Hochhäuser sind durch seine Initiative mit sogenannten Energiepfählen ausgestattet, mit denen die geothermische Energieversorgung des Gebäudes realisiert wird.

Katzenbach, der auch Direktor des Energy-Centers der Technischen Universität Darmstadt war, legte den Schwerpunkt seiner „Burmister Lecture“ unter anderem auf die Energieversorgung ohne Öl und Gas. Er befasst sich seit langem mit der Geothermie als nahezu unbegrenzt zur Verfügung stehende erneuerbare Energie. „Vor allem auch deshalb, weil die Nutzung der Geothermie für die thermische Energieversorgung bei den amerikanischen Kollegen praktisch unbekannt ist“, erklärt er. In diesem Kontext thematisierte er die deutsche Abhängigkeit vom russischen Erdgas. „Diese Abhängigkeit hätten wir in Deutschland vermeiden können, wenn wir vor 25 Jahren konsequent den Ausbau und die Nutzung geothermischer Anlagen begonnen hätten“, betont der Professor. Damals veröffentlichte er erste maßgebliche Forschungsergebnisse zur Nutzung der Geothermie. Diese CO2-freie erneuerbare Energie war eines der Themen seiner Forschungen an der TU Darmstadt.

„Wenn bereits damals die Geothermie entsprechend gefördert worden wäre, gäbe es heute nicht die große Sorge um die Energieversorgung in Deutschland, weil es dann nicht die große Abhängigkeit von den russischen Gaslieferungen geben würde“, sagt Professor Katzenbach. Leider hätten damals die politische Willensbildung und die geo- und energiepolitische Sicht der Dinge anders ausgesehen als heute. Deshalb sei es nun umso wichtiger, den Ausbau der Geothermie nun mit aller Kraft voranzutreiben.