»Eines langen Tages Reise in die Nacht« von Eugene O‘Neill im Schauspielhaus
Ein Familienfoto: James Tyrone, der Vater, einst ein erfolgreicher Schauspieler. Neben ihm Mary, seine Frau, versunken, ihr Lächeln fast unsichtbar. Die Söhne: Jamie, der Ältere, selbstbewusst und anscheinend lässig; Edmund, der Jüngere, nachdenklich, etwas blass, beobachtend. Das Licht ist weich. Ein nebliger Tag im August. Eine Momentaufnahme.
Nicht im Bild: James’ von Angst getriebener Egoismus und Geiz, Marys Abhängigkeit, Jamies Selbstzerstörung, Edmunds lebensbedrohliche Krankheit. Nicht im Bild: Die Gespräche und Wortgefechte, die sich wiederholen wie ein Ritual aus Vorwurf und Beschwichtigung, aus Nähe und Abwehr. Nicht im Bild: Die Zeit, die Stunde um Stunde tiefer in immer dieselben Konflikte führt. Die Nacht, die ihre Schatten vorauswirft.
Eugene O’Neill verarbeitet in seinem erst posthum uraufgeführten Drama die eigene Familiengeschichte und seine lebenslange Auseinandersetzung mit Schuld, Abhängigkeit und Krankheit. Dabei schrieb er aber nicht nur autobiografisch, sondern rekonstruierte Erinnerung als Konfliktraum – also als subjektiv erlebte, immer wieder durchgespielte Vergangenheit. Max Lindemann (»Phädra, in Flammen«, »Süßer Vogel Jugend«) widmet sich in seinen Regiearbeiten bevorzugt den seelischen Tiefen, Schattenseiten und Obsessionen seiner Figuren.
Regie Max Lindemann Bühne Signe Raunkjær Holm Kostüme Cédric Mpaka Dramaturgie Jana Fritzsche
mit Christoph Bornmüller, Heide Ecks, Miguel Klein Medina, Uwe Zerwer
Premiere am 3. Oktober, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus, die nächsten Vorstellungen 10./ 15./ 21./ 29. Oktober
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