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Letzte Aktualisierung: 03.04.2020

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Eine Lebensretterin feiert doppelten Ehrentag

OB Feldmann verleiht Annett Keller die Hessische Medaille für Zivilcourage

von Ilse Romahn

(19.03.2020) Es sind Szenen wie in einem Actionfilm, die Annett Keller aus heiterem Himmel zur Heldin machen: Als sie am 24. August 2018 wie üblich gegen halb sechs Uhr morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit im Supermarkt fährt, torkelt ihr am Mainkai plötzlich ein Mann vor die Füße und fällt direkt vor ihren Augen ins Wasser.

„Ich habe sofort angehalten, die Polizei angerufen und dann zwei Äste aus der Mauer am Ufer gerissen und den Mann über Wasser gehalten“, sagt Keller.

Minutenlang harrt die 51-Jährige Supermarktkassiererin auf dem Boden aus und versucht, den ihr Unbekannten aus seiner misslichen Lage zu befreien, ohne dabei selbst ins Wasser gezogen zu werden. Dass der Verunglückte nicht schwimmen kann und panisch gegen die Strömung ankämpft, macht die Sache für sie nicht einfacher. Nach einigen Minuten, die sich für Annett Keller wie Stunden anfühlen, trifft die Polizei ein und übernimmt. Zu dieser Zeit ist die Retterin selbst so entkräftet, dass sie kaum realisiert, was sie soeben vollbracht hat – einen Menschen vor dem Ertrinken zu retten. „Ich habe nicht nachgedacht, einfach gehandelt. Das ging Ratzfatz. Für mich war das eine Selbstverständlichkeit“, sagt die Einzelhandelskauffrau rund anderthalb Jahre später und geniert sich fast für ihre Tat.

Für ihre Verdienste wird Annett Keller nun mit der Hessischen Medaille für Zivilcourage geehrt. Oberbürgermeister Peter Feldmann wollte der Frankfurterin die Auszeichnung ursprünglich an deren 51. Geburtstag am Dienstag, 17. März, persönlich überreichen. Doch aufgrund der grassierenden Corona-Epidemie musste das Treffen vorerst verschoben werden. „Gerade in diesen Zeiten, in denen die Welt und unser Land von einer von vielen nicht für möglich gehaltenen Epidemie heimgesucht wird, ist ihr selbstloses Handeln für mich und viele Mitbürger ein Beispiel dafür, dass es Zeiten gibt, in denen man seine eigenen Interessen hintanstellen muss, wenn es darum geht, jenen zu helfen, die unverschuldet in Not geraten sind“, gratulierte das Stadtoberhaupt der Retterin stattdessen am Telefon – zu ihrer Auszeichnung und ihrem Geburtstag.

Für den Oberbürgermeister ist Keller gleich in zweierlei Hinsicht eine Heldin des Alltags. Er habe jüngst selbst im Supermarkt erlebt, wie sich die Kunden momentan auf die Waren stürzen. „Ich weiß, dass ihr Job derzeit sehr anstrengend ist. Sie sorgen dafür, dass wir alle trotz großer Unsicherheit täglich aus dem Vollen schöpfen können. Dafür möchte ich Ihnen ebenso danken wie für den Anlass dieser Würdigung“, lobte der Oberbürgermeister. „Frau Keller, Sie haben Ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um das Leben eines anderen, Ihnen völlig Unbekannten zu retten. Sie möchten nicht als Heldin bezeichnet werden, aber Sie sind ein großes Vorbild für unsere Gesellschaft“, sagte Feldmann abschließend und lud die Geehrte erneut zu einem Treffen im Römer ein. (ffm)