Eine köstliche Extrawurst
„Die Komödie“ glänzte mit einer gelungenen Premiere
Die Frankfurter können stolz sein auf ihre „Komödie“ in der Neuen Mainzer Straße, im Herzen Frankfurts! Am Freitagabend hat das Theater ihnen bei der Premiere des gleichnamigen Stückes eine echt scharfe „Extrawurst“ gebraten, eine Komödien-Satire, die es in sich hat und reichlich mit gesellschaftlichem Tabasco gewürzt ist. Manchmal, so der Eindruck, getraute sich das Publikum im ausverkauften Saal nicht zu applaudieren, so heftig und deftig waren Schlag- und Meinungsaustausch über das soziale Mit- bzw. Gegeneinander in Deutschland. Ohne die listige Verpackung in die künstlerische Form einer Komödie wäre manches unaussprechlich gewesen.
Und darum geht es in dieser genialen Satire von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob: Eigentlich ist es nur eine ganz banale Formsache. Die Mitgliederversammlung eines Tennisclubs in der deutschen Provinz (hier zum Amüsement der lokalen Zuhörerschaft der Tennisclub von Frankfurts nördlichstem 5.000 Einwohner zählenden Stadtteil Nieder-Erlenbach) soll über die Anschaffung eines neuen Grills für die Vereinsfeiern abstimmen. Normalerweise kein Problem – gäbe es nicht den Vorschlag, auch einen eigenen Grill für das einzige türkische Mitglied zu finanzieren. Denn gläubige Muslime dürfen ihre Grillwürste bekanntlich nicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen.
Eine gut gemeinte Idee, die aber immense Diskussionen auslöst und den eigentlich friedlichen Verein vor eine Zerreißprobe stellt. Wie viele Rechte muss eine Mehrheit einer Minderheit einräumen? Muss man Religionen tolerieren, auch wenn man sie ablehnt? Gibt es auch am Grill eine deutsche Leitkultur? Und sind eigentlich auch Vegetarier seine Glaubensgemeinschaft.
Ein genialer Gedanke war es, auch die Zuschauer als Vereinsmitglieder in den direkten Teil des Geschehens mit einzubeziehen und sie so noch direkter miterleben zu lassen, wie sich eine Gesellschaft komplett zerlegen kann. Auf der Bühne gab es gar Ohrfeigen, Schubser und Zubodenstoßen, von verbalen Beleidigungen gar nicht erst zu reden. Langweilig jedenfalls ist es in keiner Sekunde und gelacht wurde natürlich auch sehr viel, wenngleich man manchmal schon etwas ins Nachdenken geriet. Aber das sollte man ja wohl.
Sei´s drum. Man kann diese Extrawurst auf die Formulierung zurecht braten: Wer sie nicht verspeist, ist selber schuld, denn eine köstlichere mentale Labung wird man schwerlich irgendwo anders finden. Und dazu sorgten neben dem Stoff die fünf kongenialen Darsteller Madelaine Niesche, Martin Armknecht, Maximilian Claus, Thomas Jansen und Mehmet M. Yilmaz, die unter der bewährten Regie von Stefan Schneider ein perfektes Team bildeten.
Gewandet von Monika Seidl, die bei der Kostümauswahl wiederum ihr sicheres Händchen bewies, und Tom Grashoff, der geschickt ein für den Spielablauf übersichtliches und dennoch einem Vereinsmilieu entprechendes Bühnenbild zauberte, war auch der optische Rahmen perfekt – und die Zuschauer erkannten das wohl, denn sie quittierten die Leistungen am Ende mit langanhaltendem, teilweise sogar rhythmischen Applaus und Bravorufen. Zu Recht!
(Aufführungen noch bis 8.11.2026, info@diekomoedie.de, www.diekomoedie.de, 069/284580 (Kasse), 069/284330 (Büro), Fax: 069/1284838, Neue Mainzer Str. 14-18, 60311 Frankfurt am Main)
Weitere Artikel aus der Kategorie: