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Eine erstaunliche Entdeckung

Blutdrucksenkung: Eine Spritze wirkt ein halbes Jahr

Auf dem Kongress der Amerikanischen Herz-Gesellschaft (AHA) in Philadelphia hat am 11. November 2023 George Bakris aus Chicago die Ergebnisse der KARDIA-1 Studie mit Zilebesiran vorgestellt. Zilebesiran ist ein RNA-Interferenz-Wirkstoff (RNAi). Durch eine einmalige subkutane Injektion von Zilebesiran (Fa. AInylam Pharmaceuticals) wurde der systolische Blutdruck über sechs Monate um etwa zehn mm Hg unter den Ausgangswert gesenkt.

Dazu erklärt Prof. Helmut Schatz, Bochum, in den Medizinischen Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie Folgendes: „Zilebesiran bindet mit hoher Affinität an den Asialo-Glykoprotein-Rezeptor und reduziert die Synthese von Angiotensin, den einzigen Präkursor aller Angiotensin-Peptide. Man hofft, dass zufolge einer Wirkung nur in der Leber die extrahepatische Expression von Angiotensin erhalten bleibt, so dass unerwünschte Effekte auf Niere und andere Gewebe einen therapeutischen Einsatz nicht limitieren.

Methodik

Für die KARDIA-1 – Studie wurden 394 Patienten mit milder bis mäßiger Hypertonie rekrutiert (systolischer Blutdruck 135 – 160 mm Hg, mittlerer Ausgangswert 142 mm Hg) und randomisiert mit vier verschiedenen Dosen von Zilebesiran (150, 300 oder 600 mg 1x in sechs Monaten und 300 mg alle zwei Monate) oder mit Plazebo kontrolliert. Ausgewertet wurden 377 Patienten (56 Prozent männlich, 25 Proszent Schwarze).

Ergebnisse

Zilebesiran bewirkte eine anhaltende Erniedrigung von Serum-Angiotensinogen um 88 bis 98 Prozent während der sechs Monate. Der über 24 ambulant gemessene systolische Blutdruck nahm unter allen Dosierungen von Zilebesiran ab, die mittlere Senkung betrug in den drei höchsten Verum-Dosierungen ~10 mm Hg, und insgesamt gegenüber Plazebo 14 mm Hg. Die Zilebesiran-Patienten erreichten über 24 Stunden in einem höheren Prozentsatz systolische Werte  =/< 130 mm Hg nach sechs Monaten. Unerwünschte Nebenwirkungen, die zum Studienabbruch führten: Zweimal orthostatische , einmal Blutdruckerhöhung und einmal Hautreaktionen an der Injektionsstelle. Sechs Prozent der Patienten erlitten Hyperkaliämien, die meist mild waren und keiner Intervention bedurften. Es wurden keine klinisch relevanten Veränderungen von Leber und Niere beobachtet. Einmal kam es zu einem Todesfall durch Herzkreislaufstillstand, der nicht auf Zilebesiran zurückgeführt wurde.

Kommentar

In der Diskussion wies Prof. Keith Ferdinand von der Tulane-Universität in New Orleans darauf hin, dass nur die Hälfte aller Hypertonie-Patienten nach einem Jahr noch die verordneten blutdrucksenkenden Medikamente einnähmen. Deshalb könnte die nur einmal halbjährliche Injektion zu einer besseren Compliance führen und möglicherweise die Zielorgane besser schützen. Die KARDIA1-Studie rekrutierte Hypertonie-Patienten mit milder oder moderater Hypertonie bis systolisch 160 mm Hg. In der jetzt anlaufenden KARDIA-2 – Phase II – Studie soll die Wirkung von Zilebesiran als add-on zur bisherigen Therapie mit Antihypertonika geprüft werden.

Keith Ferdinand betonte, dass nun ein therapeutische Ansatz auf den ersten Schritt im Angiotensin-System, das Angiotensinogen möglich erscheint, welcher zu einer sechsmonatigen Blutdrucksenkung führen könnte.

Diese Studie belegt erneut, wie relevant das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) für die Blutdruckregulation ist. Zilebesiran reiht sich in weitere neue Antihypertensiva ein, wie Baxdrostat (Aldosteronsynthase-Hemmer) und Finerenon (Mineralokortikoidrezeptorantagonist).

(Helmut Schatz, Bochum, und Martin Reincke, München)