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Letzte Aktualisierung: 21.06.2024

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Ein völlig verrückter Heimsieg

Skyliners besiegen Düsseldorf nach 19 Punkte-Rückstand

von Norbert Dörholt

(13.11.2023) Es ist der verrückteste, lauteste und wildeste Sieg der Saison! Die Frankfurter Profi-Basketballer Fraport Skyliners liegen gegen die ART Düsseldorf Giants zwischenzeitlich mit 19 Punkten zurück, treffen kein Scheunentor und verteidigen schwach. Doch im vierten Viertel kommen alle Frankfurter Tugenden (Verteidigung, Teambasketball, individuelle Stärken) zusammen und Düsseldorf kann dem Druck nicht Stand halten. Vor 3520 lautstarken, anfeuernden, feiernden Fans gelingt der 71:65 Heimsieg, bei dem der ehemalige Düsseldorfer Booker Coplin mit 14 Punkten Topscorer wird.

Foto: Fraport Skyliners
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Schon am kommenden Sonntag steht das nächste Heimspiel auf dem Programm für die Fraport Skyliners. Am 19. November empfangen die Frankfurter dann um 15 Uhr die Nürnberg Falcons um den ehemaligen Nationalspieler Bastian Doreth in der Süwag Energie Arena. Tickets für alle Heimspiele gibt es über www.fraport-skyliners.de/tickets, telefonisch über 069-928 876 16 und die Vorverkaufsstellen von Adticket.

Auf einen Blick

·  Viertelstände: 10:25 – 14:15 – 13:15 – 34:10

·  Topscorer: Booker Coplin – 14 Punkte

·  Toprebounder: David Muenkat – 13 Rebounds

·  Topassists: Booker Coplin – vier Assists

·  Mit einer Wurfquote von 29 Prozent (19:66) ein Spiel zu gewinnen, ist in der Geschichte der Fraport Skyliners vermutlich einmalig und auch im Basketball allgemeine eine absolute Kuriosität. Cameron Henry konnte aufgrund eines leicht verknacksten Knöchels nicht mitspielen. Auch Bruno Vrcic (Knie) pausiert weiterhin. Noch nicht auf dem Parkett, dafür aber bereits wieder im Teamtraining steht derweil Nolan Adekunle.

Stimmen zum Spiel

Denis Wucherer, Headcoach der Fraport Skyliners: „Ich möchte die Glückwünsche von Florian gerne zurückspielen. Sein Team war in der ersten Halbzeit sehr stark, hat uns alles weggenommen und uns das Leben schwer gemacht. Damit hätten sie im dritten Viertel auch den Sieg verdient gehabt. Ich bin aber zufrieden mit unserem vierten Viertel. Da haben wir eine Aufstellung gefunden, die defensiv funktioniert hat. Wir wussten, dass irgendwann unsere Würfe fallen werden, wir einen Lauf hinlegen können und die Fans auf unsere Seite ziehen. Dass es zum Sieg gereicht hat, ist gut, um den Charakter des Teams zu entwickeln. Klar ist aber auch, dass der Auftritt des Teams und einzelner Spieler nicht ok war. Gerade zu Hause darf so was nicht noch mal passieren.“

Florian Flabb, Headcoach der ART Giants Düsseldorf: „Glückwunsch an Frankfurt. Ich denke, wir haben über drei Viertel hinweg ein sehr, sehr gutes Spiel gezeigt. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und vor allem physisch und intensiv gespielt. Ich denke, wir konnten Frankfurt dadurch etwas überraschen und haben sehr gut gemacht. Im weiteren Spiel, vor allem im vierten Viertel waren wir nicht mehr aggressiv genug und wollten die Führung nur noch verwalten. Wir waren da zu langsam, haben schlechte Würfe genommen. In Kombination mit einer schlechten Freiwurfquote hat es dann nicht für den Sieg gereicht.“

Starting Five: Aiden Warnholtz, Booker Coplin, Justin Onyejiaka, Lorenz Brenneke und Marco Völler.

Viertel 1 – Nahezu historischer Fehlstart – 10:25

Volldampf Richtung Korb lautet die Devise der Fraport Skyliners zu Beginn der Partie. Jedoch lautet das Motto der Düsseldorfer Gäste wohl: Volldampf Richtung Führung, denn die ersten Punkte gehen allesamt auf das Konto der Nordrhein-Westfalen – 0:8 (3. Minute). Die Übermotivation im Team von Denis Wucherer ist deutlich spürbar, die Ungenauigkeiten im Spiel deutlich sichtbar. Die ersten Frankfurter Punkte erzielt Lorenz Brenneke von der Freiwurflinie in der 4. Minute – 2:8. Düsseldorf spielt hingegen schnell, zielstrebig und vor allem erfolgreich. Beim Stand von 2:13 (5.) reagiert Denis Wucherer mit leichter Zornesfalte auf der Stirn mit der Auszeit. Danach läuft es keineswegs besser, im Gegenteil: Es scheint, als wären die Körbe zugenagelt oder zu klein. Bruno Albrecht erzielt den ersten Punkt aus dem Feld in der 9. Minute und legt direkt den Dreier hinterher, doch Düsseldorf hat immer eine Antwort parat und geht mit 10:25 Führung aus dem Viertel.

Nahezu historisch schlecht war der Start ins Spiel. 0/16 liest sich die Bilanz zum Auftakt des Spiels bei den Feldwürfen. Die Gäste starten hingegen bärenstark mit 10/15 aus dem Feld.

Viertel 2 – Auf der Suche nach dem (Wurf-)Glück – 14:15

Wacht die Verteidigung jetzt auf? Oder der Angriff? Irgendwer aus dem Team? Nein, erst mal nicht, muss man leider konstatieren. Die Offensivaktionen wirken alle überdreht, dabei ist es Düsseldorf, die gemeinhin das höchste Spieltempo der Liga an den Tag legen – 14:30 (14.). Headcoach Denis Wucherer sucht Aufstellungen, die funktionieren. Eine Konstellation, die das an den Fingern klebende Wurfpech abschleift. Richtig fündig wird er nicht, doch gelingt es zumindest, die eigenen defensiven Reihen ein wenig mehr in Ordnung zu bringen. Offensiv ist es Aiden Warnholtz, der versucht seinem Team ein wenig Stabilität vermittelt – 24:35 (18.). Doch davon bleibt bis zur Halbzeit nicht viel Verwertbares übrig, denn Düsseldorf legt noch mal nach und erhöht auf 24:40.

Völlig von der Rolle, da gegen sein ehemaliges Team hochgradig übermotiviert, ist bisher Booker Coplin. Dem Lockenschopf will wenig bis gar nichts gelingen. Zwar arbeitet er beherzt beim Rebound (5), doch offensiv steht die Null bei 0/7 Würfen plus drei Ballverluste. Auch Teamkollege David Muenkat steht mit 0/7 da. Insgesamt wird man mit einer Wurfquote von 18 Prozent (6/34) aus dem Feld als Team nicht berühmt. Zumindest nicht auf die schöne Art und Weise.

Viertel 3 – Guter Plan, schlecht umgesetzt – 13:15

Ob es eine gesalzene oder gepfefferte Halbzeitansprache gab, ist nicht übermittelt. Doch der Plan für die zweite Halbzeit ist eindeutig und gestaltet sich mehrstufig:

Schritt 1: Unter zehn Punkte Rückstand kommen

Schritt 2: Unter fünf Punkte Rückstand kommen

Schritt 3: Ausgleich

Schritt 4: Führung und Heimsieg

Allerdings scheint Düsseldorf eine ganz eigene Agenda zu verfolgen, die dem Frankfurter Plan zuwiderläuft – 27:45 (24.). Der Jubelschrei, der nach dem Dunk und somit den ersten Feldpunkten von Booker Coplin durch die Arena schallt, ist nicht halb so laut, wie die innerlich platzende Verkrampfung von Booker selbst. Um seinen ehemaligen Spieler nicht auf Betriebstemperatur kommen zu lassen, reagiert der Düsseldorfer Coach umgehend mit der Auszeit. Der schöne Frankfurter Plan will und will nicht zur Entfaltung kommen, zu sehr stehen sich die Jungs mit Fehlwürfen und Ballverlusten selbst im Weg – 32:48 (26.). Vor dem Viertel ist der mehrstufige Plan noch immer gültig, da kein Schritt abgehakt wurde – 37:55.

Au weia! Zehn Treffer bei 50 Versuchen entspricht 20 Prozent Wurfquote und damit ist nun wirklich kein Blumentopf im Basketball zu gewinnen.

Viertel 4 – Genialer Masterplan – 34:10

Jetzt muss es laufen wie bei Usain Bolt in seinen besten Zeiten. Und der Alley-Oop von David Muenkat tut da richtig, richtig gut. Die Energie in der Süwag Energie Arena erreicht einen ersten Höhepunkt und zum ersten Mal seit 32 gespielten Minuten macht sich das Gefühl breit, dass da doch was gehen könnte. Düsseldorf tut den Frankfurter Fans auch den Gefallen und leistet sich einige Ballverluste. Trevian Bell, eigentlich bei den Fraport Skyliners Juniors aktiv, erfüllt Schritt 1 des ausgeklügelten Plans per Dreier zum 49:58 (33.) und die Arena dankt es mit lautstarken Anfeuerungen. Booker Coplin legt nach, erfüllt Schritt 2 von der Dreierlinie und wieder ist es die Arena, die trommelfellgefährdend laut ihren Beitrag leistet – 56:58 (37.). Es folgt die Führung, erneut per Dreier von Coplin. Gelingt auch die finale Umsetzung des Plans?

Zunächst wird schnell noch Schritt 3 durch den Ausgleich von Düsseldorf abgehakt – 59:59 (38.). David Muenkat arbeitet sich fünf schnelle Punkte zusammen und lässt die Arena kollektiv stehend jubeln – 64:60 (39.). Der Düsseldorfer Dreier als Antwort macht es aber umgehend wieder spannend – 64:63 (39.). Die letzte Minute bietet wieder alles, was ein Basketball-Fan sich nur wünschen kann. Und der Masterplan? Der findet seine unglaubliche Vollendung mit einem gefeierten 71:65 Heimsieg.