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Letzte Aktualisierung: 30.09.2020

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Ein neuer Hut für den ‚Langen Franz‘

Frankfurter Schüler sammeln Ideen für Turm-Rekonstruktion

von Ilse Romahn

(30.01.2020) Seinerzeit war er neben dem Dom das zweithöchste Gebäude Frankfurts, seinen Spitznamen erhielt er von seinem Bauherren Franz Adickes: Der „Lange Franz“.

Preisverleihung zum Schulwettbewerb 'Ein neuer Hut für den Langen Franz'
Foto: Stadt Frankfurt / Rainer Rüffer
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Er wurde nach dem hochgewachsenen Oberbürgermeister benannt, der 1891 bis 1912 die Geschicke der Stadt lenkte und 1904 sein Amtszimmer in den gerade fertiggestellten Turm verlegte. Der große, nördliche Rathausturm mit seiner imposanten Turmspitze verlor im Zweiten Weltkrieg sein Dach und das eilig errichtete Notdach blieb bis heute. Für Oberbürgermeister Peter Feldmann „zu lange“, wie er am Mittwoch, 29. Januar, während der Preisverleihung zum Schulwettbewerb „Ein neuer Hut für den Langen Franz“ im Kaisersaal betonte.

Parallel zur offiziellen Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt startete 2018 der Neue Brückenbauverein Frankfurt eine Spendenaktion für ein geschichtsträchtiges Frankfurter Bauprojekt: die Rekonstruktion der historischen Turmspitze des „Langen Franz“. Der Rathausturm war lange Zeit ein zentraler Orientierungspunkt der Stadt. Zudem war die Silhouette der imposanten Turmspitze schon zuvor jahrhundertelang Teil des Stadtbildes, denn der Turmhelm war der Spitze des alten Sachsenhäuser Brückenturms nachempfunden, der von 1345 bis 1765 die Südseite der Alten Brücke schmückte.

„Es war sozusagen die erste Skyline der Stadt. Heute ist die Skyline ein wesentlicher Teil der Stadt, sie ist untrennbar verbunden mit ihr und leuchtet Besuchern von Weitem entgegen. Deshalb ist es wichtig, die historische Skyline wiederaufzubauen, denn in Frankfurt gehen alt und neu Hand in Hand – das passt auch zu unserer neuen Altstadt“, sagte Feldmann.

Mit der Aktion „Der Hut gehört nach oben“ erinnert der Neue Brückenbauverein an die Geschichte des „Langen Franz“ und des Frankfurter Rathauses — mit dem Ziel, Spenden für den Wiederaufbau der schmuckvollen Turmspitze zu sammeln. Zahlreiche bekannte und unbekannte Frankfurter Bürger unterstützen das Projekt „Frankfurt gibt dem Langen Franz seinen Hut zurück“, darunter sind Petra Roth, Peter Feldmann, Michael Quast und Peter Fischer. Bisher wurden über 160.000 Euro mit mehr als 300 Einzelspenden gesammelt. Ziel der Spendenkampagne ist es, insgesamt eine Million Euro zu sammeln. Durch das großzügige zusätzliche Engagement des Vorstandsmitglieds des Brückenbauvereins, Konrad von Bethmann, jede Spende bis 120 Euro zu verdoppeln (maximal 120.000 Euro) hat der Brückenbauverein jetzt ein Viertel des notwendigen Spendenaufkommens erreicht.

Aber auch Ideen sind für den „Langen Franz“ gefragt: Der Neue Brückenbauverein hat 2018 unter der Leitung von Afina Matthias in Kooperation mit der Fachberatung Kultur im Staatlichen Schulamt Frankfurt einen Schulwettbewerb „Ein neuer Hut für den Langen Franz“ ins Leben gerufen.

Die Schulen Frankfurts waren aufgerufen, dazu beizutragen, dem historischen Rathausturm wieder seinen Hut zurückzugeben. Ziel des Wettbewerbs war es, den „Langen Franz“ wieder in seiner öffentlichen Wahrnehmung zu stärken und die kindliche Begeisterung für die Geschichte der Stadt zu wecken.

„Kinder und Jugendliche nehmen ihre Stadt bewusst wahr und sind neugierig. Sie werden unsere Stadt gestalten, sie sind die nächste Generation. Der Wettbewerb weckt Neugier und Begeisterung und die Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart unserer Heimatstadt“, sagte das Stadtoberhaupt.

Insgesamt haben an dem Wettbewerb über 200 Kinder mit ebenso vielen Arbeiten aus fünf Schulen teilgenommen. Von diesen fünf Schulen waren 20 Klassen der Stufe 2 bis 9 beteiligt. Dabei waren die mit kultureller Bildung im engeren Sinne zusammenhängenden Fächer darstellende Kunst, Musik, Tanz, Theater, Deutsch (Literatur) angesprochen. Die Kombination dieser Fächer sowie ein fächerübergreifender Ansatz zu anderen Gebieten schulischen Lernens sowie auch außerschulischen Lernens war ebenfalls möglich.

„Die Kinder wurden mit dieser Aufgabe aber nicht alleine gelassen. Der Brückenbauverein hat im Vorfeld der schulischen Beschäftigung einen Workshop mit dem bekannten Stadthistoriker Björn Wissenbach angeboten, in dem das Frankfurter Rathaus vorgestellt wurde“, berichtete Feldmann. Lehrkräften wurde zudem unterstützendes Material zum Unterricht an die Hand gegeben.

„Der Neue Brückenbauverein Frankfurt, in dem sich zahlreiche engagierte Bürger zur Erhaltung und Förderung der Baukultur zusammengeschlossen haben, freut sich sehr über das ausgesprochene Interesse der Schülerinnen und Schüler einiger Frankfurter Schulen, das im Schulwettbewerb um den Rathausturm Langer Franz sichtbar wurde. Vor allem aber freut sich der Brückenbauverein über die Kreativität, mit der Schülerinnen und Schüler den alten Rathausturm rekonstruieren und ihm seinen Hut zurückgeben möchten. Der Brückenbauverein konnte in seiner Jurysitzung feststellen, dass sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Geschichte des Langen Franz auseinandergesetzt haben und mit Hilfe des großartigen Engagements ihrer Lehrerinnen ihren Beitrag dazu leisten, der Stadt ein sichtbares Stück Skyline zurückzugeben. Nach der Rückkehr Karls des Großen und des Briggegickels auf die Alte Brücke ist es das erklärte Ziel des Brückenbauvereins, gemeinsam mit der Stadt und ihren Bürgern den historischen Rathausturm wiederaufbauen. Daher ziehen wir unseren Hut vor allen Kindern, die mithelfen, Frankfurt ein Stück seiner vergessenen Geschichte zurückzugeben“, sagte Vereinsvorsitzender Christoph Mäckler während der Preisverleihung.

Der Neue Brückenbauverein Frankfurt setzt sich seit seiner Gründung 2007 für die Belange der Baukultur der Stadt Frankfurt ein. Oberbürgermeister Feldmann dankte dem Brückenverein für sein Engagement: „Sie machen die gebaute Stadt zum Thema des öffentlichen Interesses. Mit ganz konkreten Projekten, aber auch mit Veranstaltungen und Publikationen sensibilisiert der Verein für die Frankfurts Baukultur. Es ist ein großartiger Einsatz, dass Sie den Schülern den Raum geben, sich kreativ und eigenständig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Alle Teilnehmer werden sich lange daran erinnern, denn eigenständige Projekte haben den besten Lernerfolg.“

Das Stadtoberhaupt gratulierte den Siegern und betonte: „Wer nicht gewonnen hat, der soll sich nicht ärgern! Goethe sagte: ‚Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt‘. Der eigentlich größte Preis ist die tiefe Auseinandersetzung mit der Geschichte Frankfurts.“

Die eingereichten Arbeiten wurden von einer unabhängigen Jury gesichtet und bewertet. Das Preisgeld wurde gestiftet von Konrad von Bethmann in Erinnerung an die langjährige Initiative seines Vaters Johann Philipp Freiherr von Bethmann, den „Langen Franz“ zu rekonstruieren.

Für den ersten Preis gab es 1000 Euro, die zweitplatzierten erhielten 500 Euro sowie zwei Preise mit je 250 Euro und einen Sonderpreis über 250 Euro.

Die Preisträger des Schulwettbewerbs lauten:
1. Preis: Münzenberger Grundschule, Klasse 3a, Annette Hautzel, 1000 Euro
2. Preis: Friedrich-Ebert-Schule, integrierte Gesamt- und Ganztagsschule, Intensivklasse, 11-15 Jahre, Kasia Pluta, 500 Euro
zwei 3. Preise: Viktoria-Luise-Grundschule, Rebstockviertel, 3. Klasse, Frau Justina Giza, 250 Euro
und Carl Schurz Schule, Gymnasium, 5., 7. und 9. Klasse, Tatjana Tarabrina, 250 Euro 
Sonderpreis: Sankt Angela Schule, Königstein, Realschule und Gymnasium, 5., 6., 7. und 9. Klasse, Tatjana Tarabrina, 250 Euro (ffm)