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Ein Besuch im nahen Keltenpark – Staunen, Schmunzeln und ein kleines Rätsel

Wer den Keltenpark besucht, merkt schnell: Hier geht es nicht nur um alte Steine und staubige Geschichte, sondern um eine spannende Reise in eine längst vergangene Welt – mit überraschend vielen Aha-Momenten und sogar einem kleinen Augenzwinkern. Ein Tipp nicht nur für die kommenden Tage.

Kelten Glauberg - warum schaut ihr so?
Kelten Glauberg - warum schaut ihr so?
Foto: Keltenwelt Glauberg, Foto Poppe
Comic als Schaustück in Keltenwelt Glauberg
Comic als Schaustück in Keltenwelt Glauberg
Foto: Keltenwelt Glauberg, Foto Poppe

Gleich zu Beginn stolpert man über eine merkwürdige Figur: ein „König“ – oder war er überhaupt einer? Und warum lässt er eigentlich die Unterlippe so auffällig herunterhängen? Ganz zu schweigen von den beeindruckend großen Ohren! Man könnte fast meinen, er lauscht den Besuchern heimlich oder hat einfach zu viele Geschichten gehört. Die Antwort auf dieses kleine Rätsel gibt es übrigens erst ganz am Ende – also dranbleiben!

Wie lebten die Kelten eigentlich?

Die Kelten waren keineswegs nur wilde Krieger, wie man es vielleicht aus Comics kennt. Sie lebten in gut organisierten Gemeinschaften, betrieben Ackerbau, hielten Tiere und waren geschickte Handwerker. Besonders beeindruckend ist ihr Wissen über Natur und Pflanzen – ein echter Schatz an Erfahrung, der sich über Generationen entwickelte.

Eine der vielen Analysen aus dem Grabungsfeld zeigt außerdem etwas Erstaunliches: Damals gab es deutlich mehr Artenvielfalt als heute. Vor allem Insekten waren in viel größerer Zahl vorhanden. Das lässt uns heute ein wenig nachdenklich werden – und zeigt, wie sehr sich unsere Umwelt verändert hat.

Kelten oder doch Gallier?

Hier wird es spannend – und vielleicht auch ein bisschen verwirrend. Denn Gallier kennt man vor allem aus Comics (ja, genau, die mit dem Zaubertrank). Tatsächlich gehören die Gallier aber zur großen Gruppe der Kelten. „Gallier“ ist also eher ein regionaler Begriff für keltische Stämme in dem Gebiet, das heute ungefähr Frankreich entspricht.

Oder anders gesagt:
Alle Gallier sind Kelten – aber nicht alle Kelten sind Gallier.

Und der Humor in manchen Darstellungen, wie gesehen im Museum? Der kommt tatsächlich eher aus späteren, modernen Interpretationen. Die echten Kelten waren wahrscheinlich weniger lustig, aber dafür umso faszinierender.

Woher kam ihr Reichtum?

Die Kelten waren erstaunlich wohlhabend – zumindest in bestimmten Regionen. Ihr Reichtum beruhte vor allem auf:

  • Handel über große Entfernungen
  • Rohstoffe wie Salz und Metalle
  • Handwerkliches Können, zum Beispiel in der Metallverarbeitung

Sie waren also bestens vernetzt und keineswegs isoliert. Manche ihrer Handelswege reichten quer durch Europa.

Gewürzt wurde schon damals!

Ein besonders kurioses Detail: Die Kelten würzten ihren Met (also Honigwein) offenbar schon vor vielen tausend Jahren mit exotischen Zutaten wie Muskatnüssen. Das ist erstaunlich, denn Muskat stammt ursprünglich aus weit entfernten Regionen. Ob es wirklich schon vor rund 4000 Jahren so war, lässt sich nicht in jedem Detail sicher sagen – aber die Funde zeigen klar: Gewürze spielten eine wichtige Rolle, und der Handel war weiter entwickelt, als man denkt.

Mitmachen ausdrücklich erlaubt

Ein echtes Highlight der Ausstellung ist die sehr gut gemachte Multimediashow. Hier sollte man sich ruhig Zeit nehmen – und vor allem nicht zögern, die ein oder andere „Schublade“ zu öffnen. Dahinter verbergen sich oft spannende kleine Entdeckungen, die den Besuch lebendig machen.

Und nun zum Rätsel …

Warum also lässt der „König“ die Unterlippe hängen – und was ist mit den großen Ohren?

Ganz einfach: Es handelt sich wahrscheinlich gar nicht um eine realistische Darstellung eines Herrschers, sondern eher um eine stilisierte Figur mit symbolischen Merkmalen. Große Ohren könnten für Weisheit oder gutes Zuhören stehen, die auffällige Lippe vielleicht für Ausdruck oder Bedeutung beim Sprechen. Kurz gesagt: weniger Porträt, mehr Botschaft.

Unser Urteil

Der Besuch im Keltenpark macht nicht nur schlauer, sondern auch richtig Spaß. Zwischen spannenden Fakten, überraschenden Details und einem kleinen Augenzwinkern merkt man schnell: Die Kelten waren alles andere als langweilig.

Und wer weiß – vielleicht hätten sie über unseren Besuch heute genauso geschmunzelt wie wir über ihre großen Ohren.

Anfahrt – lieber entspannt ankommen

Bei der Anreise hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten: die gemütliche Variante durch die kleinen, wirklich hübschen Ortschaften der Wetterau – oder die deutlich nervenschonendere.

Unser Tipp
Vielleicht lieber den direkten Weg wählen und über die Autobahn fahren. Am besten nimmt man die A5 Richtung Gießen und wechselt dann in Richtung Hanau auf die A45, Ausfahrt Altenstadt. Diese Strecke führt praktisch schon am Glauberg vorbei – fast so, als hätten die Kelten damals schon die Trasse geplant.

So spart man sich die mitunter etwas zeitraubende Fahrt durch die vielen kleinen Orte der Wetterau – auch wenn diese durchaus sehenswert sind. Aber seien wir ehrlich: Ein bisschen mehr Zeit im Keltenpark und ein bisschen weniger im Kreisverkehr ist oft die bessere Wahl.
Im Museum gibt es eine Café-Restaurant, empfehlenswert mit hervorragender Aussicht.