Ein Anti-Baby-Gel für den Mann?
Täglich auf Oberarm und Schulter einzureiben
Prof. Dr. Helmut Schatz, Bochum, schreibt dazu im Medizinischen Kurznachrichtendienst der DGE: „Über eine hormonelle Kontrazeption durch den Mann wird seit mehreren Jahrzehnten geforscht. Die Studien mit etwa alle zwei Monate zu injizierenden Testosteron/Gestagen – Kombinationen wurden aber wegen der Nebenwirkungen bei jedem 7. bis 10. Studienteilnehmer wie aggressives Verhalten, Depressionen und Verlust der Libido beendet.
In Los Angeles und Seattle wurde in der Folgezeit mit einem Hormon-Gel weitergeforscht. Über ein Gel wurde schon 2014 berichtet. 2018 konnte man über eine geplante Studie des NIH mit einem Gel für Männer an 420 Paaren lesen. Eine rezente Übersicht von November 2023 über den derzeitigen Stand findet sich in Lit. 5. Das derzeit getestete Gel besteht aus dem synthetischen Gestagen Nestoron und Testosteron (NES/T-Gel), welches der Mann täglich auf seine Schultern und Oberarme einzureiben hat.
Damit wird über eine hypothalamo-hypophysäre FSH- und LH-Hemmung die Spermienreifung unterdrückt, es verbleibt aber ein für eine normale Libido ausreichender Testosteronspiegel. Neunzig bis 95 Prozent der Männer hätten in einer sechsmonatigen Studie eine Unterdrückung der Spermiogenese gezeigt. Die unerwünschten Nebenwirkungen wie Blutbild, Cholesterin oder Stimmungsschwankungen und Libidoverlust waren gering; einige Probanden nahmen ein bis zwei Kilogramm an Gewicht zu.
Kommentar
Im Vergleich zu der „Pille für den Mann“ aus Vitamin-A.Säur würde das Hormongel von Seiten der Nebenwirkungen wesentlich günstiger sein, meint der Münsteraner Androloge Michael Zitzmann. Denn grundsätzlich würde eine Unterdrückung von Vitamin A zu Verhornungsstörungen in Darm, Harnröhre oder Auge führen und diese Schädigungen wären irreversibel. Dem Referenten (H.S.) ist nicht bekannt, ob das geprüfte YCT-129 (Lit. 1) mit etwa 5oo-fach höherer Affinität zu dem in den Hoden exprimierten Retinsäure-Rezeptor Subtyp-alpha als zu den in anderen Geweben vorkommenden Subtypen-beta und -gamma auch die von Zitzmann beschriebenen ungünstigen Nebenwirklungen wie Verhornungen auslösen kann oder nicht.
Man darf gespannt die weiteren Entwicklungen abwarten, und auch die Akzeptanz in der männlichen Bevölkerung.