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Letzte Aktualisierung: 28.02.2021

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Ehrenplaketten für sechs Frankfurter

von Ilse Romahn

(16.02.2021) Der Magistrat hat die Vergabe der Ehrenplakette an sechs Frankfurter Bürgerinnen und Bürger beschlossen. Zu den Geehrten gehören Elisabeth Leuschner-Gagfa, Wolfgang Leuschner, Erika Pfreundschuh, Arif Arslaner, Hartmut Schmidt und Hans-Dieter Adam.

Die Ehrenplakette wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich auf kommunalpolitischen, kulturellem, wirtschaftlichem, sozialem oder städtebaulichem Gebiet um die Stadt verdient gemacht und durch ihr Wirken dazu beigetragen haben, das Ansehen der Stadt Frankfurt am Main zu mehren.

„Ich bin sehr stolz, dass unsere Stadt auf so engagierte Bürgerinnen und Bürger zählen kann. Sie setzen sich unermüdlich dafür ein, das Leben anderer zu verbessern, und tragen so auch zu einem besseren Miteinander in der Stadt bei. Sie kämpfen für Menschlichkeit und Toleranz und ich bin froh, dass wir ihnen mit der Ehrenplakette ein Zeichen unserer Anerkennung überreichen können“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann.

Elisabeth Leuschner-Gagfa und Wilhelm Leuschner engagieren sich seit Jahrzehnten in der „Initiative 9. November“ für die Aufklärungsarbeit über den mörderischen Antisemitismus der Nazis. Der Verein setzt sich seit Ende der 80er Jahre für die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der Frankfurter Juden in der Friedberger Anlage ein, wo früher die Synagoge stand, die 1938 zerstört und mit einem Hochbunker überbaut wurde. Die „Initiative 9. November“ veranstaltet dort regelmäßig Konzerte, Lesungen, Symposien, Ausstellungen und vieles mehr.

„Als sich die ‚Initiative 9. November‘ im Zuge der Börneplatzbesetzung vor über 30 Jahren gründete, waren die Eheleute Leuschner-Gafga sofort dabei. Seitdem investierten sie zahllose Stunden in die Aufarbeitung der Geschichte des Ortes der im Nationalsozialismus zerstörten Synagoge in der Friedberger Anlage, in die Vermittlung und Erinnerungsarbeit. Dutzende Veranstaltungen und Projekte der Initiative tragen die Handschrift von Elisabeth Leuschner-Gafga und Dr. Wolfgang Leuschner. Ich bin hoch erfreut, dass das mittlerweile jahrzehntelange Engagement der beiden mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt gewürdigt wird“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Erika Pfreundschuh war die entscheidende Kraft hinter der Gründung des Hospizes Sankt Katharina. 17 Jahre war sie Verwaltungsdirektorin des Sankt Katharinen- und Weißfrauenstifts und erkannte in dieser Funktion in den 90er Jahren, dass in Frankfurt Hospiz-Plätze fehlten. Das Hospiz Sankt Katharina versorgt seit 2005 zwölf Schwerstkranke in der letzten Phase ihres Lebens. Pfreundschuh ist bis heute im Vorstand des Hospizvereins tätig. Zudem gibt sie entscheidende Impulse für das Frankfurter Stiftungswesen und brachte die „Initiative Frankfurter Stiftungen“ auf den Weg. Seit 2016 ist Pfreundschuh außerdem stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin.

Bildungs- und Teilhabechancen junger Menschen und Familien stehen im Fokus des Vereins für Kultur und Bildung (KUBI), den Arif Arslaner 1993 gegründet und damit die Bildungs-, Integrations- und Sozialarbeit maßgeblich mitgeprägt hat. Auch die Vernetzung gesellschaftlicher Akteure spielt für Arslaner eine wichtige Rolle, insbesondere der Dialog zwischen migrantischen und nicht-migrantischen Organisationen. Zudem ist Arslaner in verschiedenen kulturellen Vereinen tätig, unter anderem ist er Vorstandsmitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Mitgründer des griechisch-türkischen Freundschaftsvereins Frankfurt und des Deutsch-Türkischen Unternehmervereins Hessen und Mitglied des Kultur-Forums zur Förderung des kulturellen Austausches zwischen Griechen, Deutschen und anderen ethnischen Gruppen in Deutschland.

Hartmut Schmidt ist Vorsitzender der Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main, die seit 2003 die Verlegung von 1400 an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen erinnernden Stolpersteinen veranlasst hat. Er führt umfassende Recherchen zu den Geschichten und Lebensläufen der Opfer durch und hält Kontakt zu vielen ihrer Nachkommen. Zudem kooperiert er eng mit Schulen und Lehrkräften, um Schülerinnen und Schüler für das Erinnerungsprojekt zu interessieren. Schmidt trat der Initiative 2004 bei, wurde 2007 zum Koordinator und 2008 zum Vorsitzenden. In den 80er Jahren war er bereits bei der Frankfurter Initiative „Solidarität mit Solidarność“ und als Vorsitzender des Frankfurter Flüchtlingsrats tätig.

„Hartmut Schmidt engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für das Bekanntmachen der Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft in Frankfurt. Die vom Künstler Gunter Demnig angefertigten Stolpersteine geben den Personen, die im Nationalsozialismus auf oft grausame Weise ums Leben kamen, ihre Namen wieder. Es freut mich außerordentlich, dass dieses Jahr mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt gleich drei Persönlichkeiten der vielfältigen Frankfurter Erinnerungskultur gewürdigt werden. Sie leisten damit einen großartigen Beitrag für die kritische Aufarbeitung der Geschichte und gegen den Rechtsextremismus, den Antisemitismus und die Fremdenfeindlichkeit“, sagt Hartwig.

43 Jahre arbeitete Hans-Dieter Adam in verschiedenen Funktionen bei der katholischen Kirche im Bistum Limburg und in der Stadtkirche Frankfurt. Und auch in seinem Ruhestand engagiert er sich weiterhin: Er ist ehrenamtliches Vorstandsmitglied im Verein für Jugendberatung und Jugendhilfe, die zahlreiche Jugendhilfe-Einrichtungen in Frankfurt und Umgebung betreibt. Vorher war er bereits bei der Katholischen Studierenden Jugend als Gruppenleiter und Stadtgruppenleiter aktiv, zudem arbeitete er am Ausbau des Hauses der Begegnung im Westend zu einem Schülerzentrum mit. Im Jahr 1972 gründete er die Katholische Jugend Frankfurt mit, zwei Jahre später wurde er deren Vertreter im Frankfurter Jugendring. Neben seinem Engagement für Kinder und Jugendliche ist er auch in den Bereichen Natur- und Umweltschutz und fairer Handel aktiv und engagiert sich in der Bürgerakademie der Polytechnischen Gesellschaft, im Klimaschutzbeirat und im Ehrenamtsnetzwerk der Stadt. (ffm)