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Ehrenbürgerin Trude Simonsohn: Gratulation zum 98. Geburtstag

„Heute darf ich dir die Glückwünsche deiner Heimatstadt übermitteln, in der du über Jahrzehnte hinweg zu einer Institution geworden bist. Vielleicht gerade deshalb, weil du genau das nie wolltest, nie ausgestrahlt oder gar eingefordert hast“, wandte sich Oberbürgermeister Peter Feldmann an Trude Simonsohn, die am Montag, 25. März, ihren 98. Geburtstag feierte.

Simonsohn, 2016 zur ersten Ehrenbürgerin der Stadt Frankfurt ernannt, wurde 1921 in Olmütz geboren. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurde sie wegen ihres jüdischen Glaubens nach Theresienstadt und Auschwitz verschleppt. 1955 zog sie nach Frankfurt, wo sie im Vorstand der Jüdischen Gemeinde, von 1989 bis 2001 als Gemeinderatsvorsitzende, Verantwortung übernahm.

Seit 1975 tritt die Ausschwitzüberlebende als Aufklärerin über die Schrecken des Nationalsozialismus auf und wurde 1993 mit der Ehrenplakette und 2010 mit dem Ignatz-Bubis-Preis ausgezeichnet. „Auf deine Berichte als Zeitzeugin in Schulen, Universitäten, Kirchengemeinden und Gewerkschaftsgruppen, so erinnerst du dich, folgte häufig Mitgefühl, aber auch der Einwand, man habe ja nichts tun können“, sagte Feldmann. „Du gehörst zu den Menschen, die mit ihrem Widerstand gegen die Nazis bewiesen haben: Doch man konnte etwas dagegen tun!“

Feldmann würdigte Simonsohn als empathische Kämpferin, unglaublich gute Zuhörerin und als einen Menschen, der für seine Überzeugungen brennt, sich einsetzt und Ungerechtigkeit oder Unfreiheit nicht akzeptiert, sondern bekämpft. „Scham und Betroffenheit sind der Ausgangspunkt. Wenn sie den Anstoß geben zu mehr Zivilcourage, mehr Menschlichkeit und mehr Einsatz für die soziale Demokratie, dann erwächst aus der Erinnerung an die NS-Diktatur der Wille zur Gestaltung im Hier und Jetzt!“, resümierte Feldmann den Wert ihres Engagements für die Gegenwart.

Zudem dankte er der Ehrenbürgerin für ihre jahrelange ehrenamtliche Unterstützung des Bildungszentrums Anne Frank, das seit seinem Bestehen auf der Seite der Menschlichkeit und gegen Vorurteile und Hass stehe. Vor diesem Hintergrund sei es eine politische Geste, dass Simonsohn Geschenke nicht für sich, sondern für die Bildungsstätte erbeten habe.

In ihrer Autobiografie „Noch ein Glück: Erinnerungen“ erzählt die Holocaust-Überlebende von prägenden Stationen ihres Lebens und schreibt: „Heute kann ich sagen, dass ich vielleicht nicht in Deutschland, aber ganz sicher in Frankfurt zu Hause bin.“

„Wir ehren heute eine Institution unseres Frankfurts und eine große Freundin unserer Stadt. Wir sind sehr glücklich und stolz, liebe Trude Simonsohn, heute hier mit Dir sein zu dürfen“, gratulierte ihr das Stadtoberhaupt. (ffm)