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Letzte Aktualisierung: 15.11.2019

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Drogentrend 2018 am Ansteigen

Frankfurt legt neue Untersuchung vor

von Karl-Heinz Stier

(07.11.2019) Die Zahlen-Erhebungen über den Drogentrend 2018 sind in den wichtigen Sparten wie Alkohol, Tabak oder Canabis - nach kontinuierlichen sinkenden Raten bis 2017 - wieder angestiegen.

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Vom Drogentrend 2018 berichteten v.l.n.r.: Oliver Krause und Renate Lind-Krämer, beide Drogenreferenten der Stadt Frankfurt, Gesundheitsdezernent Majer und Dr. Bernd Werse von der Uni Frankfurt.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Die Altersentwicklung beim Erstkonsum in den Sparten Tabak, Alkohol, Cannabis im Vergleich von 2002 und 2018.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Darauf macht das Drogenreferat der Stadt Frankfurt anhand einer neuen Studie des  Centre for Drug Research der Frankfurter Goethe Universität an  1 611 Schulgängern im Alter von 15 bis 18 Jahren in der Mainmetropole  aufmerksam. Eine Ursachenbetrachtung über den Jahresanstieg konnte allerdings nicht gegeben werden. „Wir müssen da erst sehr genau hinschauen, ob sich dieser Trend möglicherweise wieder fortsetzt. Der Zeitraum von einem Jahr ist für eine Analyse zu kurz“, meinte  der zuständige Gesundheitsdezernent  Stefan Majer.

Alkohol bleibt – wie in allen Jahren seit Beginn der Studie – die mit Abstand am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz. 77 Prozent der 15– bis 18jährigen Schüler/Innen haben mindestens einmal in ihrem Leben Alkohol getrunken (2002: 94 Prozent), 61 Prozent in den vergangenen 30 Tagen konsumiert. 43 Prozent waren im zurückliegenden Monat mindestens einmal betrunken.

Der rückläufige Trend beim Alkoholkonsum hat sich nicht fortgesetzt, im Gegenteil er ist merklich um 7 Prozentpunkte höher - so heißt es im Bericht des Drogenreferates. Bemerkenswert noch die dazu gehörenden Zahlen:  11 Prozent der befragten Jugendlichen trinken episodisch riskant, 7 Prozent regelmäßig riskant und 3 Prozent weisen exzessive Alkoholkonsummuster auf. Im Gegensatz zum rückläufigen Bier- und Spirituosenkonsum greifen Jugendliche vermehrt zu Alkopops, Wein und Apfelwein. Beliebt sind die fertig gemischten Longtrinks in Dosen mit einem Alkoholgehalt von 10 Prozent, also gut doppelt so viel wie er in den Alkopos früherer Generationen enthalten war.

Auch beim Tabakkonsum hat sich der zuletzt deutliche Rückgang der Raten 2018 nicht fortgesetzt. !4,6 Prozent der Jugendlichen rauchen täglich Zigaretten, allerdings hat die Angst vor gesundheitlichen Schäden als Grund für den Nichtkonsum weiter an Bedeutung gewonnen, so sagt die Drogenstudie.

Beim Rauschgift ist Canabis die mit Abstand weiteste verbreitete illegale Droge, 39 Prozent der 15- bis 18jährigen haben mindestens einmal im Leben Haschisch bzw. Marihuana konsumiert, 22 Prozent auch in den vergangenen 30 Tagen, 7 Prozent mindestens zehn Mal im vergangenen Monat. Der seit 2017 beobachtete Trend zu mehr Haschisch hat sich 2018 deutlich fortgesetzt.

Beim Alter im Erstkonsum sehen die Zahlen eher positiv aus: bei Tabak 2018 – 14,6 Jahre (2002 12,8), bei Alkohol 2018 14,2 Jahre (2002: 12,9) und  bei Canabis 2018 15,2 Jahre (2002 14,5).  Das heißt mit anderen Worten: die Jugendlichen fangen nunmehr später mit dem Ausprobieren an.

Noch ein Wort zum Medienkonsum, Computer– und Glücksspiele. Die befragten Schüler in 81 Klassenverbänden an 22 Schulen in Frankfurt verbringen durchschnittlich 13 Stunden pro Woche am Fernseher, wobei die kostgenpflichtige Streaming-Angebote/Pay-TV am häufigsten genutzt werden. Bei den Computerspielen sind die Zahlen deutlich auf 82 Prozent gewachsen. 37 Prozent der Befragten haben mindestens einmal echtes Geld innerhalb von Computerspielen ausgegeben. Aktuell werden Sportwetten und Onlinewetten/Internet-Glücksspiele (je 5 Prozent) am häufigsten gespielt.

Dezernent Majer wies darauf hin, dass für Prävention und Frühintervention bei der Drogenarbeit die Studien eine zentrale Grundlage darstellen. Frankfurt sei die einzige Stadt, die jedes Jahr Untersuchungen auf wissenschaftlicher Basis erstelle. Aus ihnen sei auch ablesbar, dass seit 2005 709 neue synthetische Drogen auf den Markt gekommen seien. Auch beim Rauchen und Alkohol habe sich das Spektrum massiv geändert. Eine  vergleichende Langzeitbetrachtung sei deshalb auch aufgrund des Medienkonsums und dem, was sich hinter versteckten Werbeslogans verberge, oft sehr schwer.